24. Deutscher Mühlentag 05. Juni 2017

24.Deutscher_Muehlentag_Thueringen

Mühlen rund um Erfurt

Reportage – Impressionen aus Thüringen

Eröffnung an der Bockwindmühle Lumpzig

Nach alter Tradition öffnen immer am Pfingstmontag eines jeden Jahres deutschlandweit Mühlen ihre Pforten für neugierige und wissensdurstige Besucher. Ich kann eines vorausschicken: man erfährt tatsächlich immer noch etwas Neues.
In Thüringen beteiligten sich in diesem Jahr 63. Mühlen. Von A wie Altenbeichlingen, die Turmholländerwindmühle, bis Z wie Zeitzgrund, die Ziegenmühle. Turmholländerwindmühle, darin stecken gleich drei Begriffe, mit denen wir uns noch beschäftigen werden: Turm, Holländer und Windmühle. Wer denkt nicht sofort an Holland, wenn er das Wort „Windmühle“ hört oder liest? Holland, dessen Wahrzeichen – neben dem Käse – die Windmühle ist. Für die Holländer jahrhunderte lang Überlebensgarantie schlechthin. Nutzte und nutzt man noch heute die Windkraft, um überschüssiges Wasser aus dem Land zurück ins Meer zu pumpen. Wen wundert es also, dass gerade die Holländer einen hohen Anteil bei der Entwicklung dieses so wichtigen Arbeitsmittels geleistet haben.

Eroeffnung_Deutscher_Muehlentag2017_in_Thueringen

Foto Leipziger Volkszeitung

Aber kehren wir zunächst zurück nach Thüringen. Die Eröffnung fand in diesem Jahr im Altenburger Land statt. Schauplatz war die Bockwindmühle Lumpzig. Die Eröffnungsrede hielt kein geringerer als der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow. Die Mühlen erinnerten uns daran, woher wir kämen, erwähnte er in seiner Rede. Er hat Recht. Es sind beeindruckende technische Denkmäler und man staunt, dass einige noch mit der Originaltechnik bestückt in Betrieb bzw. für Anschauungszwecke betriebsfähig sind.
Ich suchte mir für meine Rundfahrt sechs Mühlen im Umland von Erfurt aus. Nicht wie sonst mit dem Fahrrad, sondern mit dem Auto. Die Strecke wäre mit dem Rad an einem Tag nur schwer zu bewältigen gewesen. Die Parallele zum Radfahren ist jedoch immer gegeben, da eine Reihe der aufgesuchten Orte von Radwegen tangiert oder gekreuzt werden, die ich in den vergangenen Jahren bereits befuhr. Und: es waren erfreulicherweise auch heute tausende Menschen mit Fahrrädern unterwegs.

Die Mühle – Wind-, Wasser-, Muskel- und Motorkraft

Wenn wir an Mühle denken, dann fallen uns entweder sofort die großen Wasserräder ein oder die Windräder, gegen die bereits unser alter Freund Don Quichotte erfolglos ankämpfte. Woraus das Sprichwort „gegen Windmühlen kämpfen“ stammt. An die dritte Art denkt man eher weniger. Die Mühle, die von Muskelkraft betrieben wird. Wir werden einer solchen begegnen. Und im Übrigen: wer erinnert sich nicht an Omas Kaffeemühle. Die, die man mit der Hand drehte. Oder an die sprichwörtliche Tretmühle, das Hamsterrad. Die Vielfalt ist, wie wir sehen, sehr groß. Die Mühlen, die heute noch im industriellen Bereich eingesetzt werden, betreibt man hingegen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, mit Motorkraft.
Das Wirkprinzip ist bei allen Mühlen fast identisch und es ist so alt wie die Menschheit selbst. Zermahlte man doch bereits in der Jungsteinzeit mittels Mahlsteinen entweder Körner zu Mehl oder mineralische Stoffe zu feinem Puder. Erste größere Mühlen, die mit Maultieren betrieben wurden, sind aus der Römerzeit bekannt. Ebenso wird den Römern die erste Wassermühle zugeschrieben.
Mlyn - budowa
Nach der Entdeckung der Hebelwirkung, auf deren Prinzip letztendlich jede Mühle aufbaut, wurde die Mühle zum ersten Produktionsmittel, bei dem die Muskelkraft von Mensch oder Tier durch eine Naturkraft abgelöst wurde. Insofern ist die Mühle in ihren verschiedensten Anwendungsformen ein wesentlicher Schritt in der technischen Entwicklung. Vielleicht übt sie gerade aus diesem Grunde eine derartige Faszination auf uns aus, die jedes Jahr am Mühlentag tausende Menschen auf Beine, Fahrräder und Autos bringt, um diese beeindruckenden technischen Denkmäler aus der Nähe zu betrachten.

Die Bockwindmühlen in Bechstedtstraß und Klettbach

Nicht zuletzt weil sie die am nächsten, vom Ausgangspunkt der Rundfahrt aus, gelegenen sind, führt der Weg zuerst zu diesen beiden Windmühlen. Es ist im Übrigen ein interessanter Kurs für eine Radrundfahrt von Erfurt aus, der über die südlich der Stadt gelegenen Höhenzüge führt. Man kann von Linderbach aus über Büßleben durch das Peterbachtal oder durch die „Mirabellen-Avenue“ Obernissa erreichen. Von da aus geht es über die K205, durch Sohnstedt nach Bechstedtstraß. Die Strecke werde ich Ihnen in wenigen Tagen im Rahmen einer Radtour zum Feiniger-Radewg noch näher bringen. Und Übrigens: wer Mirabellen und Pflaumen liebt. Die vorhin genannte Avenue zwischen Büßleben und Obernissa bietet ab Juli so ziemlich alles, was man unter dem Begriff „Pflaume“ in Deutschland erwarten kann.

Die Bockwindmühle trägt ihren Namen wegen des Bockes, ein langer Holm aus massivem Holz, mittels dessen man die Mühle in den Wind drehen konnte. Mit Muskelkraft, versteht sich. Dazu ist die Mühle auf einem Drehkranz „aufgebockt“. Man möchte meinen, dass dazu ein paar kräftige Burschen nötig waren.
Die beiden letzten Fotos der Bockwindmühle Klettbach stammen von einer Radtour über den Ilmtalradweg von Kranichfeld nach Weimar im Jahre 2015. Wir werden einem weiteren Abschnitt dieses Radweges im nächsten Kapitel begegnen. Um auf die Rundfahrt zurück zukommen: Von Bechstedtstraß fährt man zurück bis zur Ampelkreuzung, dann über den Autobahnzubringer nach Hain und von da aus gelangt man zur Bockwindmühle Klettbach. Wer die Tour abrunden möchte, der kann noch die etwa 3 km entfernt liegende Stiefelburg besuchen.
Wir fahren jedoch mit dem Auto von Klettbach aus in Richtung Bad Berka. Von da aus gelangen wir über Hetschburg nach Buchfahrt.

Die Wasssermühle in Buchfahrt und die Waidmühle in Rohrborn

Durch Buchfahrt fuhren wir bereits auf dem zuvor erwähnten Abschnitt des Ilmtalradweges von Kranichfeld nach Weimar.
Buchfahrt – für mich eines der schönsten Dörfer Thüringens mit seiner historischen Holzbrücke über die Ilm und die Wassermühle, deren Räderwerk glänzt als habe man sie erst vor wenigen Tagen in Betrieb genommen.
Die Mühle in Buchfart war bis 1968 als Kornmühle in Betrieb. Nach vierzig Jahren Winterschlaf machten sich Enthusiasten ans Werk, um dieses gebaute Zeugnis alten Handwerks wieder in Betrieb zu nehmen. Sie sanierten die Gebäude, erneuerten die Mühlentechnik (Stromgenerator, neues Getriebe) und richteten eine Begegnungs- bzw. Fortbildungsstätte für das alte Müllerhandwerk ein. Nicht zuletzt wegen der malerischen Umgebung war die Mühle eine der am meist besuchten an diesem Tag. Jedenfalls von denen, die ich besuchte.
Es gab früher kaum ein Dorf, wenn es an einem Wasserlauf lag, in dem sich kein Mühlrad drehte. Eigens zum Betrieb von Wassermühlen wurden an größeren Flüssen Seitenarme gegraben oder abgezweigt. Den Mühlgraben finden wir vielerorts. Zwischen Erfurt und Gebesee gibt es die Mahlgera. Wir befuhren ein Stück ihrer Ufer auf dem Geraradweg von Erfurt nach Gebeseee.

Von Buchfahrt aus geht es über Weimar in Richtung Norden nach Sömmerda. In einem kleinen Vorort der Kreisstadt finden wir eine Waidmühle, die am Mühlentag noch einmal in Betrieb genommen wurde. Wozu wohl? Zum Waid pressen. Eine Mühle der ganz anderen Art, ohne Bauwerk, nur von Muskelkraft angetrieben. In diesem Falle von einem Pferd. Rohrborn – kaum zu finden. Hier wird noch Waid angebaut. Nicht mehr zum Verkauf als begehrter Lieferant für einen Farbstoff. Die Zeiten sind lange vorbei. Aus Traditionspflege. Waid – wir Erfurter kennen das. Waidwäsche, Waidmühlen, Erfurt war die Stadt des Waides.
Wenn man schon in der Nähe von Sömmerda ist, dann muss man Weißensee besuchen. Nicht nur wegen des sehenswerten Chinesischen Gartens oder wegen der Ritterturniere auf der Runneburg, die jährlich zu Pfingsten stattfinden. Beides waren an diesem Tag nicht meine Baustellen. Es ging auf den letzten Abschnitt zur

Turmwindmühle Weißensee und zur Cuxmühle nach Werningshausen

Herrschen in Thüringen die Bockwindmühlen vor, so bildet Weißensee mit seiner Turmwindmühle eine Ausnahme. Der Turm steht auf einem 16-eckigen Fundament. Man drehte nicht die Mühle in den Wind, sondern deren Kuppel. Früher mit Hand, später übernahm das ein Windrad; eine Windrose, die der Richtung des Windes folgt und über einen mechanischen Drehimpuls das Windrad ausrichtet. In der Elektrotechnik nennt man das „Drehmelder-Prinzip“. In den letzten Jahren ihres Betriebes wurde die Mühle nicht mehr vom Wind, sondern von einem Dieselmotor angetrieben. An dieser Stelle herzlichen Dank an Gerd Marten aus Vatterode, in dessen Eigentum sich der unten abgebildete Motor (2,5 PS) befindet. Dieser wurde versehentlich im Beitrag als der Hilfsmotor, der die Mühle antrieb, benannt. Dies war ein Versehen. Der Motor befindet sich in der Mühle und wurde von den Herren Marten und Huge wieder instand gesetzt.

Letzte Station ist Werningshausen. Wenn Sie meine Reportage über den Unstrutradweg von Schallenburg nach Heldrungen gelesen haben, dann wissen Sie, dass ich das Stück zwischen Gebesee bis kurz vor Schallenburg wegließ. Es sei ziemlich unspektakulär. Als ich heute Werningshausen besuchte und die Umgebung sah, entschloss ich mich, den Abschnitt doch noch zu befahren… Demnächst, hier ist das Ergebnis>>>
Werningshausen empfängt die Besucher mit einem Mühlenfest an der Cuxmühle. Es ist die erste Mühle, bei der Eintritt verlangt wird. Aber gut, 1,- EURO. Das kann man gern als Spende gelten lassen. Dafür wurde etwas geboten, neben der Mühle, deren privater Betreiber während des Rundganges seine Erfahrungen mit den Behörden beklagte. Da die Mühle mehrere Jahre nicht genutzt wurde, war das Recht zur Wassernutzung verfallen. Obwohl jeder wusste, dass dieses Gebäude seit eh und je eine Mühle war, musste er den Beweis erbringen. Amtsschimmel.
Werningshausen ist ein verschlafenes Dörfchen, gelegen am Rande des Alperstedter Rieds. Allein das lohnt den Besuch. Es gibt zwei weitere Mühlen und ein Kloster. Demnächst mehr von der Radtour. Ach ja, für den einen EURO gab es dann am Ende noch die hübsche Müllerin…

Nachtrag

„Woooo bleibt die „Heilige Mühle“ in Erfurt?“, mag wohl jetzt jemand denken. Ich wollte noch hin aber es fing an zu schütten. Außerdem kennt die Heilige Mühle doch jeder Erfurter, gelle? Der Regen unterbrach außerdem ein weiteres Ziel, die Zitzmann-Mühle in Ingersleben. Da sich an diese Mühle eine Reihe persönlicher Erinnerungen knüpfen, hätte ich sie gern noch besucht; das nächste Mal…


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