Herbst – Lyrik Harmonie 2020

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Mit dem Rad durch den Herbst

Der Bedrückung erfolgreich entweichen

Man kann versuchen, dem Herbst Gutes abzugewinnen, so viel und so oft man will – ach, die schönen Farben – auch der Herbst hat noch seine schönen Seiten – und so weiter, und so fort – man kann es versuchen, doch trägt er etwas endliches in sich, dieser Herbst. Das Ende eines Zyklus, der unserem Leben gleicht, die Geburt, die Reife und das Ende. Die meisten Menschen sterben im November.
Er trägt etwas melancholisches in sich, der Herbst, etwas das auch in der Lyrik seinen Widerhall findet:

Herbst-Lyrik

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Der Herbstwind

Der Herbstwind rüttelt die Bäume,
Die Nacht ist feucht und kalt;
Gehüllt im grauen Mantel,
Reite ich einsam im Wald.

Und wie ich reite, so reiten
Mir die Gedanken voraus;
Sie tragen mich leicht und luftig
Nach meiner Liebsten Haus.

Die Hunde bellen, die Diener
Erscheinen mit Kerzengeflirr;
Die Wendeltreppe stürm ich
Hinauf mit Sporengeklirr.

Im leuchtenden Teppichgemache,
Da ist es so duftig und warm,
Da harret meiner die Holde
Ich fliege in ihren Arm.

Es säuselt der Wind in den Blättern,
Es spricht der Eichenbaum:
Was willst du, törichter Reiter,
Mit deinem törichten Traum?

Heinrich Heine
Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.
Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.
Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke

Herbstgefühl

Fetter grüne, du Laub,
Am Rebengeländer
Hier mein Fenster herauf!
Gedrängter quellet,
Zwillingsbeeren, und reifet
Schneller und glänzend voller!
Euch brütet der Mutter Sonne
Scheideblick; euch umsäuselt
Des holden Himmels
Fruchtende Fülle;
Euch kühlet des Mondes
Freundlicher Zauberhauch,
Und euch betauen, ach!
Aus diesen Augen
Der ewig belebenden Liebe
Vollschwellende Tränen.

Johann Wolfgang von Goethe

1und1

Dem Herbst ein Schippchen schlagen …

… mit dem Rad, solange das Wetter noch einigermaßen mitspielt. Unsere Stadt und deren Erholung bietende Umgebung liefert genügend Ziele, um den dumpfen Gedanken für ein paar Stunden zu entweichen. Gerade jetzt, wo eine Pandemie zunehmend unsere so gewohnte Freiheit einzuschränken droht und keiner wirklich weiß, wohin die Reise noch führen mag. Ursprünglich war ein anderer Kurs geplant, von Niedernissa aus über das ehemalige Gelände der Suhle Quelle AG, doch die Feldwege waren nach dem Regen der letzten Tage zu aufgeweicht, also entschloss ich mich zu einem:

Rundkurs über den Steiger am Reformationstag

Es gibt eine Reihe schöner Rundkurse um Erfurt herum, drei davon vorgestellt an drei Tage auf dem Erfurter Rad-Rad (Tag 1 | Tag 2 | Tag 3). Dieser sollte nicht zu lang werden, außerdem wollte ich den Nachmittag abwarten. Der Wetterbericht hatte die Öffnung der Wolkendecke vorausgesagt und ein von der Herbstsonne durchfluteter Wald bietet besonders schöne Motive. Doch die Realität lehrt wieder einmal eins: verlasse dich auf alles, nur nicht auf den Wetterbericht.
Will man hinauf in den Steiger und kommt, wie ich aus dem Südosten, so bietet der Blosenburghang (Bild oben links – alle Bilder zum Vergrößern anklicken) einen der kürzesten (aber auch einen der steilsten) Aufstiege. Erfurter kennen den Weg, für Nicht-Erfurter: Haltestelle Blücherstraße über den Muldenweg.
Die Blosenburg, in der Erfurter Stadtgeschichte als urgeschichtliche Wallanlage beschrieben, zurück bis in die Bronzezeit um 1.800 Jahre v. Chr., als Fliehburg genutzt. Der Hang zeigt allein in eine Richtung, was wenn der Feind von oben, vom Plateau her kam? Vielleicht auch Kult- oder Richtstätte, doch wer weiß das schon so ganz genau?

Quer durch den Steigerwald

Für den mühevollen Aufstieg über den Roten Stein wird man mit einer der schönsten Aussichten, die die Stadt zu bieten hat, vor der ehemaligen Steiger-Kaserne belohnt. Eine erste Rast nach dem Aufstieg, bevor es „Am Tannenwäldchen“ weitergeht. Vorbei am Bismarckturm und am Lutherpark, der an diesem Tag einer besonderen Symbolik nicht entbehrt.
Ich hatte mir den Lehrpfad ausgewählt über den man schließlich an der „Silberhütte“ das Stadtgebiet erreicht. Für Ortsfremde, die sich weniger gut auskennen und nicht über ein Navi verfügen: man muss einfach nur bergab gehen, resp. fahren, irgendwann werden die ersten Dächer der Stadt sichtbar.

Ja, in der Tat ist es so, der Herbst bietet eine Fülle von Farben und der Wald trägt etwas unheimliches in sich, etwas rätselhaftes, geheimnisvolles, bleibt man hie und da stehen, um hinein zu schauen in das Dickicht. Verhält man sich leise, bekommt man hin und wieder ein Stück Wild zu sehen. An diesem Tag allerdings nicht, die Waldwege waren zu belebt.
Eine Rückfahrt aus dem Erfurter Süden ins Stadtgebiet, ohne den Luisenpark zu durchqueren, undenkbar. Trinkflaschen auffüllen am Dreiquellen-Brunnen gehört dazu. Unterhalb der Brücke zwei Fliegenfischer, die sich allerdings nicht besonders waidgerecht bewegten. Ich glaube kaum, dass die was gefangen haben.
Und wenn Sie bereits in dem Alter angekommen sind, im Herbst des Lebens, dem Alter, von dem an man gelegentlich an die Zeit „danach“ denkt, falls Sie nicht gläubig sind, dann kann ich Ihnen nur den nachfolgenden Artikel empfehlen>>>


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Mit dem Thema Leben und Tod beschäftigt sich auch mein vielleicht letzter Roman:

2021 – Leseprobe

26. November 2019

Piepsende Geräte, Schläuche, ein Galgen über dem Bett, brennender Druck in der Blase, Wachstation.
„Wo bin ich?“ Eine Schwester: „Sie haben einen Schlaganfall erlitten …“
„Flinke Finken picken im dichten Fichtendickicht …“, er spricht den Spruch mehrmals nacheinander. Normalerweise verspricht man sich spätestens beim dritten Mal: flinke Pinken ficken … und so weiter.
„Haben sie schon jemals einen Schlaganfallpatienten erlebt, der diesen Spruch fehlerfrei aufsagen kann?“ Die Schwester lächelt unbeeindruckt.
„Ich habe brennenden Druck in der Blase.“
„Ihre Harnröhre hat sich nach dem Schlaganfall verkrampft, ich muss ihnen einen Katheter legen.“ Schon wieder Katheter, das Wort kann er nicht mehr hören.
„Ich hatte keinen Schlaganfall und ich brauche keinen Katheter.“ Er erinnert sich mit Bange an einen Hodenabstrich, der liegt sechsundvierzig Jahre zurück, so etwa vergisst man nie im Leben.
„Und ich bin die Päpstin …“, die Schwester lächelt besänftigend wie eine Madonna. „Doch sie brauchen dringend einen, sonst werden die Schmerzen unerträglich.“
„Ich möchte einen verantwortlichen Arzt sprechen, sofort, ich bestehe darauf!“
„Ich sage der Stationsärztin Bescheid, gedulden sie sich bitte.“ 2021_roman_frank_c_mey

Skandaljournalismus

Kurz darauf schlägt jemand die Bettdecke zurück. „Bekommen sie keinen Schreck, es kann ein wenig brennen …“ Eine angenehm weiche Hand, die seinen Penis hält. Mit Eier streicheln wärs perfekt, vergiss den Drecks Katheter, denk er bei sich, es gibt sogar schöne Momente auf Wachstationen. Das angekündigte Brennen, ein Ruckeln, drin.
„So schnell war ich bisher nie drin …“, die Schwester lacht herzhaft auf seine Worte hin, es gibt auch schöne Momente auf Wachstationen.
Ihm fällt ein Artikel ein, den er wenige Wochen zuvor in einem Polit-Magazin las, Überschrift: „Der gnadenlose Kampf um Anerkennung als regionales Notfallzentrum.“ Wer ist der Beste, wer der Schnellste, Notfallversorgung spült Geld in die Kassen. Der Patient hat keine Wahl, sofern er überhaupt in der Lage ist, eine solche zu treffen. Von unlauteren Methoden war die Rede.
Hätte der Artikel in der „BLÖD“ gestanden, er hätte es für ein Gerücht gehalten, Skandaljournalismus, doch es handelte sich um ein seriöses Magazin. Seriös, was ist schon seriös in dieser Zeit? Da runzelt man bloß müde das Arschloch. Krankenhäuser sollten seriös sein, die von keinem als dem Leser selbst kontrollierte Journaille ebenso. Doch wenn es ums liebe Geld geht, hört die Freundschaft auf, liebe Leser*innen, und es geht um Geld, um viel Geld, nicht allein im Medizingeschäft.

Mariechen pisst sich ein

Die Journaille, von rückläufiger Nachfrage nach Printmedien gebeutelt, flieht ins Internet. Dahin wo eine Nation, die, so will man bisweilen meinen, zunehmend aus Vollpfosten besteht, lieber alles und nichts wissenden Pseudowissenschaftlern und Influencern folgt, weils nix kostet, als drei Cent fünfzig täglich für ein Zeitungsabo auszugeben. Und weil das so ist, jagt man nach Platzierungen in Suchmaschinen, und sei die Schlagzeile noch so reißerisch unseriös.
Überschrift 1: „Riesenasteroid rast auf die Erde zu!“ Mariechen pisst sich vor Angst gleich ein und kommt erst gar nicht auf die Idee, weiter zu lesen als bis zum ersten Werbeblock. Da werden ihr die saugfähigsten Slip-Einlagen angeboten, wie für sie gemacht. Ach wie ist die Welt schlimm geworden und früher war doch alles besser. Bei dn Gommunischtn hätts das nich gegähmn.
Für den, der weiterliest, folgt nach der zweiten Überschrift der zweite Werbeblock, nach der dritten der nächste. Ganz am Ende, das überhaupt zu finden man viel Geduld benötigt, nach fünf weiteren Anzeigen, die Auflösung: Entwarnung, der Asteroid fliegt sechs Millionen Kilometer an der Erde vorbei. Seriöser Journalismus? Darf man überhaupt noch etwas glauben? Lügenpresse nennen das die Anderen.
Dennoch glaubt er an das Gelesene, an den grenzenlosen Beschiss, vor dem selbst Krankenhäuser nicht zurückschrecken, um an unser aller Geld heran zu kommen. Ohne Moos nix los, hilft uns ja weiß Gott irgendwie, wir haben das beste Gesundheitswesen weit und breit, oder etwa nicht?

Mit ansehnlichen Brüsten

„Sie haben ein Problem?“ Eine junge Ärztin steht vor seinem Bett, keine Dreißig, ernste Miene. Hätte sie nicht ihr Preisschild, aus dem heraus man auf die Höhe des Monatsgehalts schließen kann, auf ihrer strammen Brust getragen, er hätte sie für eine Schwesternschülerin gehalten.
„Haben sie überhaupt schon ausgelernt?“, fragt er sie betont frech, anschließend spricht er den nächsten Spruch: „Fischers Fritz fischt frische Fische, frische Fische fischt Fischers Fritz.“ Hinter einem Lamellenvorhang, dessen näheren Sinn er erst jetzt begreift, lacht eine Frau.
„So viel zum Thema Schlaganfall“, spricht er in das betretene Schweigen der weiß bekittelten Person hinein, die wenigstens gut aussieht. Sie trägt den Kittel offen, darunter ein weißes T-Shirt über einer ebenso weißen Leinenhose. Weniger gutaussehend hätte er als Provokation empfunden. Gut gebaut mit ansehnlichen Brüsten, die er sich unbedeckt wünschte. Ausführliche Leseproben finden Sie hier>>>


Regenwürmer vertragen kein Coffein

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob mir das in dieser Geschichte niedergeschriebene erspart geblieben wäre, hätte ich nicht am 25. August des Jahres 1997 virtuell einen Chatroom betreten, der den vielversprechenden Namen „Manager-Treff“ trug. Ebenso wenig sicher bin ich mir, ob es nicht besser gewesen wäre, der Bekanntschaft, die sich an besagtem Tage anbahnte, lieber aus dem Wege zu gehen.
Überhaupt nicht sicher hingegen bin ich mir, ob ich das Ganze nicht vielleicht doch hätte erleben wollen und vielleicht tief traurig darüber gewesen wäre, hätte es überhaupt nicht stattgefunden. Was selbstverständlich hinterher niemand hätte wissen können, am wenigsten ich selbst ...Lisa, gerade vierzehn geworden, benahm sie sich völlig ungeniert, als wir uns zum ersten Mal begegneten. Man könnte so weit gehen, sie als völlig schamlos zu bezeichnen. Frech, kess, einen Hauch frivol. Sogar eine Prise Obszönität schien tief in ihrem Wesen versteckt zu sein. Das lag wohl eher daran, dass sie nicht vollumfänglich imstande war, die Wirkung ihres frühreifen Körpers auf spätreife Männer in seiner gnadenlosen Wucht auch nur ansatzweise zu erkennen.
frank_c_mey_regenwuermer_vertragen_kein_coffein_leseprobenLuise, blond und zweigeteilt in die lähmende Kälte des Nordens oben herum. Weiter südlich, vom Nabel abwärts, das ewig lodernde Feuer der Südländerin. Das war nicht immer so. Als wir uns das erste Mal körperlich trafen, wirkte sie welk. In ihrem Schoß schien sie trocken und völlig erkaltet. Später entwickelte sich die Region zwischen ihren Oberschenkeln zu einem pulsierenden Moloch, der mich, flog sie ihrem Höhepunkt entgegen, jedes Mal in sich hinein sog. Wenn er mich wieder ausspuckte, dann einzig zu dem Zwecke, mich einen Augenblick später erneut zu verschlingen. Wie eine wiederkäuende Kuh. Wir lernten uns in dem eingangs erwähnten Chat-Room kennen, in der Zeit kurz nachdem das internationale Spinnennetz seine Ausläufer über den großen Teich hinweg bis nach Deutschland wie in den Rest der Welt hinein schob.
Luise bewegt sich weiter, schneller … Nichts geht mehr, rien ne va plus. Enttäuscht wirft sie sich auf den Rücken. Ein Zischen dringt aus ihrem Hals. Wie wenn man beim Ausatmen die Zunge an den Gaumen drückt, wie bei einer Schlange, begleitet von zornigem Stirnrunzeln. Das höre und sehe ich zum ersten Mal. Bislang gab es nie einen Grund dafür.
„Wir haben den ganzen Tag Zeit … Dazu die halbe Nacht …“, will ich sie vertrösten. Doch sie springt bereits aus dem Bett. Grollend zieht sie sich den Morgenmantel über, anschließend geht sie ins Bad. Als ich ihr wenig später folge, kommt Lisa in Bernys Begleitung aus ihrem Zimmer heraus. Zähnefletschend wedelt er mit dem Schwanz. Lisa lacht mich aus ihren strahlenden Augen heraus an, so blau wie tief. Einen Augenblick lang berühren sich im Vorübergehen unsere Hände, ein Hauch Zärtlichkeit. Sekundenbruchteile wandeln sich zu einem endlosen Flug in die Ewigkeit, am Ende ein Licht, das ein leises Sirren sendet. So muss Odysseus den Gesang der Sirenen empfunden haben …Alle Leseproben>>>

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