Umbruch – 2020 – Die Welt am Wendepunkt?

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Mein Blick fiel auf die Buddenbrooks

Der Umbruch eines Systems in Thomas Manns Roman

Nichts wird bleiben wie es war …

Der Blick in mein Bücherregal

Wie immer, wenn ich über den Gang der Dinge auf dieser, unserer einzigen Welt nachdenke, gleitet mein Blick über mein Bücherregal. Dieses Mal blieb er haften an Thomas Manns literarischem Meisterwerk „Die Buddenbrooks“, untertitelt: Verfall einer Familie, gleichzusetzen mit dem Untergang einer Epoche am Beispiel einer alteingesessenen Kaufmannsfamilie, Umbruch, ein Gesellschaftsroman. Der erste deutsche, der Weltgeltung erlangte.

Anfang vom Ende des Kapitalismus
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Thomas Mann

Zum ersten Mal gelesen mit Siebzehn als Pflichtlektüre in der elften Klasse der Erweiterten Oberschule, so hieß die „Penne“ offiziell in der verstorbenen DDR. Interpretiert im Sinne sozialistischer Bildungspolitik als der Anfang vom Ende des Kapitalismus, Sittenverfall, Dekadenz, Umbruch. Das zweite Mal im Mann-Jahr 1975 anlässlich des hundertsten Geburtstages dieses Ausnahmeschriftstellers. Da zog ich mir auch gleich noch den Zauberberg, den Felix Krull und nicht zu vergessen Manns Hauptwerk „Joseph und seine Brüder“ zu Gemüte.
Der Kapitalismus ging nicht unter, er begann erst wirklich zu wachsen und zeigte in den Folgejahrzehnten seine Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit.

Der Roman

Authentisch, wirklichkeitsnah, weil der Autor aus denselben Verhältnissen stammt, die er beschreibt, Spross einer alteingesessenen und angesehenen Lübecker Patrizier- und Kaufmannsfamilie. Der Roman mit einer Reihe Parallelen zur Geschichte Manns eigener Familie.

Sichtweise des Großbürgertums

Handlungszeitraum die Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Revolution 1848 kommt eher am Rande vor, als Störfaktor, den man nicht so ernst nimmt. Sie findet draußen statt, auf der Straße, wo der Mob tobt. Bezeichnend ein Dialog zwischen Konsul Buddenbrook und einem seiner Lagerarbeiter, der für eine Republik kämpfen will. Der Konsul darauf: „Die haben wir doch schon …“ Die Sichtweise des Großbürgertums, einer Familie in vier Generationen. Der Verfall geht einher mit dem Niedergang hanseatischer Kaufmanns-Traditionen.

Die Macht des Geldes

umbruch_buddenbrooks002Ein hanseatischer Kaufmann muss keine Verträge abschließen, allein das Wort gilt als Gesetz. Das lehrte mich noch mein erster Chef während meines ersten zivilen Berufs. Geboren vor dem Krieg in Danzig, wo er eine Ausbildung zum Prokuristen genossen hatte. Das Wort wich der Macht des Geldes. Hatte man jahrhundertelang die Ernte vom Halm weg gekauft, konnte man sich stets darauf verlassen, dass sich dieselbe zu gutem Preise verkaufen lies. Der Regulator: permanente Knappheit. Der neue Regulator, die Börsen. Da waren plötzlich Schiffe aus Amerika unterwegs, bis an den Rand mit Getreide gefüllt. Die Geburtsstunde der Spekulanten, dreiste Emporkömmlinge in den Augen der alteingesessenen Patrizier. Zola beschreibt in seinem Roman „Die Erde“ dieselbe Situation aus der Sicht derer da unten.

Der neue Adel

buddenbrooks_romanDie Familie außer Stande, sich auf die neuen Verhältnisse einzustellen. Thomas, dem Senator, Teil der dritten Generation der Romanfamilie, gelang noch einmal ein Befreiungsschlag, doch so wie die wechselnden Familienoberhäupter zunehmend jünger starben, so verlief der Niedergang. Übrig blieb Hanno und mit dessen frühem Tod, er wurde nur Sechszehn, starb die Familie.
Pflichtlektüre für jeden, dem deutsche Geschichte am Herzen liegt, die auch ein Stück Weltgeschichte beleuchtet. Sie waren der neue Adel des ausgehenden Mittelalters, die reichen Kaufleute, die „Pfeffersäcke“, traditionsbehaftet wie der alte, in ihren eigenen Konventionen gefangen. Dessen Untergang die Geburtsstunde des modernen Kapitalismus – der Umbruch.
Nichts bleibt wie es war, und genauso könnte man das beurteilen, was sich gerade abspielt:

2020 – Die Welt im Umbruch

Atmete man nach Ende des Kalten Krieges hörbar durch, so hielt die Freude nicht allzu lange an. Spätestens mit dem islamistisch motivierten Angriff auf die Twin Towers in New York wurde man gewahr, dass eine völlig neue Bedrohung auf die Weltbühne getreten war.

Terror

Eine Spielart des Terrorismus, gegen den die RAF und andere Terrortrupps davor geradezu wie Förmchen-Spieler wirkten, Amateure. Weitgehend unsichtbar, weil die Gefahr nicht von Staaten oder deren Regimes ausgeht, unberechenbar, weil an keine international üblichen Regeln gebunden, skrupellos und aggressiv.
Hans-Jürgen Wischnewski, Außenpolitiker, Krisenmanager und Sicherheitsexperte der Bundesrepublik über Jahrzehnte hinweg, traf die für mich beeindruckendste Wertung der Ereignisse mit dem Satz (sinngemäß): „Das ist der Beginn einer neuen Zeit.“
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Politik – Die Karten werden neu gemischt

Die Welt war überschaubarer bis zum Jahre 1990, sicherer war sie mitnichten. Sie ist sicherer geworden, wenn auch nicht gefühlt. Letzteres ist der Flut an Informationen zuzuschreiben, die uns überschüttet seit Internet und Handy-Cam. Überschaubarer, weil bis dahin zwei Systeme, zwei Blöcke existierten. Aus dem einen trat seit Beginn der 70er Jahre ein neuer Player heraus, die seinerzeit fünfte Atommacht China.

China – Freund oder Feind?

umbruch_buddenbrooks003Inzwischen hat es ein selbstgefälliger Psychopath in Washington beinahe soweit gebracht, dass die USA als Weltmacht Nr. 1 das letzte Stück Vertrauen verloren, doch der eine Block steht noch, wenn er auch bisweilen etwas verwirrt wirkt, verwirrt auf der Suche nach einem neuen Feind. Letzterer existiert bereits und lässt keinen Zweifel an seinen Zielen, während Politiker des Westens noch immer über die Frage debattieren: China – Freund oder Feind? Und eine technologische Führungsmacht wie Deutschland öffnet einem chinesischen Staatskonzern ein Hintertürchen, damit der einen Fuß in eine der sensibelsten Schaltstellen modernster Kommunikationstechnik der Zukunft bekommt. Wie dumm kann man nur sein?

Weltklima

Dass Russland im vorangegangenen Abschnitt nicht vorkommt, hat seinen Grund, weil den Russen außer den Kernwaffen nichts geblieben ist von einstiger Macht. Gefährlich genug. Schon jetzt geht der Bedarf an Erdöl und Erdgas zurück, und in zehn Jahren, falls die Welt die Energiewende schafft, – wenn sie sie nicht schafft, wird sie untergehen –, in zehn Jahren wird niemand mehr fossile Brennstoffe benötigen, jedenfalls nicht mehr in Mengen, die eine marode Volkswirtschaft wie die russische am Leben halten. Mehr fällt mir im Moment nicht ein, was wir aus Russland benötigen könnten und selbst der Beluga-Kaviar aus dem Iran ist der bessere. Ach ja, Wodka, sorry, doch auf den kann man gern verzichten.

Angstmache ist nicht gut

umbruch_buddenbrooks004Der Klimawandel, die größte Bedrohung, der die Welt gegenwärtig ausgesetzt ist. Wer davor die Augen verschließt, dem ist nicht mehr zu helfen. Ein wirtschaftlicher Umbruch zwingend notwendig. Ja, und es ist gut, wenn weltweit Menschen dafür auf die Straße gehen. Nicht gut ist Angstmache, schon gar nicht gegenüber Kindern. Die, die freitags die Schule schwänzen, sollte man eher dazu motivieren, sich auf den Hosenboden zu setzen und zu lernen. Der Mensch mit seiner Schöpferkraft wird das Problem bewältigen, Ansätze gibt es bereits genug, man muss nur mehr darüber reden. Information – der Goldstaub der Gegenwart, daher bedienen sich die Feinde des Fortschritts gern der Desinformation.

Pandemie

Die, die wir gerade erleben, wird nicht die letzte sein. Ob eine weitere erneut dieses Ausmaß erreichen wird, steht in den Sternen. Vielleicht kommt es ja noch schlimmer.

Krankheiten – Geisel der Zivilisation?

Ausgehendes Mittelalter – die Pest. Eine Warmzeit vom 9. bis zum 14. Jahrhundert und Fortschritte in der Landwirtschaft hatten zu einer Bevölkerungsexplosion geführt, flächendeckend entstanden Städte, in denen die Menschen, überwiegend die Ärmeren, so weiterlebten wie auf dem Lande, nur eben enger beieinander, der Nährboden.
Industrialisierung 19. Jahrhundert – Schwindsucht (TBC), Cholera. Die Ursachen ähnliche wie für die Pest im ausgehenden Mittelalter. Neben mangelnder Hygiene in den Arbeiter-Ghettos spielte die zunehmende Umweltverschmutzung (Luft, Trinkwasser) eine herausragende Rolle.

Die Zukunft – Elf Milliarden Erdenbewohner

umbruch_buddenbrooks005Biologen gehen davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen zunehmenden Eingriffen in die Natur und der Übertragung gefährlicher Erreger auf den Menschen besteht, das klingt logisch. Doch wo sollen sie hin, wovon ernähren, die elf Milliarden Menschen, die inzwischen prognostiziert werden? Vielleicht wird man sich damit abfinden müssen, dass derartige Bedrohungen zum Alltag gehören, wie sie es an sich schon seit Langem sind, blickt man zurück auf andere Krankheiten, die inzwischen als ausgerottet gelten. Wir sind dazu in der Lage, Mittel zu entwickeln, die uns schützen.
Doch nichts wird bleiben wie es war.
Und die nächsten Seuchen sind bereits in Sicht [/].

Apropos China – Der Umbruch

Am 11. Mai dieses Jahres erschien ein exzellent recherchiertes Buch zum Thema. „Die lautlose Eroberung“ – Wie China westliche Demokratien unterwandert und die Welt neu ordnet.
die_lautlose_eroberungChina als gefährlicher Rivale statt unverzichtbarer Partner. Strategien mittels derer China die Welt erobert. Der Klappentext hält was er verspricht. Ein Muss für jeden, der sich mit internationaler Politik beschäftigt und nach Hintergründen sucht.
Der Klappentext: Chinas Aufstieg zur Weltmacht ist unaufhaltsam. Lange erwartete man, dass sich das Land mit zunehmendem Wohlstand demokratisieren würde. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Kommunistische Partei Chinas will sich mit allen Mitteln an der Macht halten. Dafür werden Wirtschaft und Gesellschaft im eigenen Land auf Linie gebracht und ein weitreichendes Programm wurde entwickelt, mit dem China die westlichen Demokratien unterwandert und eine neue Weltordnung etablieren will. Dabei setzt es nicht nur seine Wirtschaftsmacht als Waffe ein, sondern die gesamte Bandbreite seiner Politik. Wie vielfältig der chinesische Einfluss auch bei uns bereits ist, enthüllen die beiden Autoren an zahlreichen Beispielen – ein Anstoß zu einer dringend notwendigen Debatte: Wie soll Deutschland, wie Europa mit der neuen Weltmacht China umgehen?
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Die Buddenbrooks – Der Film

Für alle, die es nicht so mit dem Lesen haben, die vielleicht aber die Geschichte interessiert, sei an die großartige elfteilige Verfilmung aus dem Jahre 1979 erinnert. Unter der Regie von Franz Peter Wirth nach einem Drehbuch von Wirth und Bernt Rhotert entstand dieses monumentale Filmwerk des Thomas Mann Klassikers. Die Erstausstrahlung begann am 15. Oktober 1979 in der ARD. Der Film hält sich weitestgehend an die Romanvorlage. Alle elf Teile hier>>>
Und nicht zu vergessen die Neuverfilmung aus dem Jahre 2007/ 2008 mit Armin Mueller-Stahl in der Rolle des Konsuls Jean Buddenbrook und Iris Berben als Konsulin. Der Film greift in etwa die zeitliche Mitte der Romanhandlung auf, bringt allerdings die Widersprüche, in die sich die Familie verstrickt, hervorragend zum Ausdruck. Sehenswert allein schon wegen der Besetzung.
Hier der Trailer zum Film:


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Hank Hennings tänzelt ungeduldig vor dem Kaffeeautomaten hin und her, während sich die erste Tasse füllt. Lisa Sänger indes genießt ihre sichtliche Überlegenheit, ohne auch nur die Spur Hohn oder Überheblichkeit zu empfinden. Genau genommen tut er ihr leid, sie zählt ihn nicht zu dieser Art Machos, die meinen, jede Frau gehöre ihnen. Er hat etwas an sich, das ihn völlig unaufdringlich anziehend erscheinen lässt. Allein darin lag ihr Grund dafür, dass sie ihn gewähren ließ an diesem Abend, dass sie die Einladung überhaupt erst annahm. Doch schon einen winzigen Augenblick bevor sie das Attribut seiner Männlichkeit spürte, ließ ihre Lust bereits nach, und sie stellte mit Entsetzen fest, dass es allein die Neugier war, die sie in seine Arme trieb, nicht der Wunsch, mit einem Manne zu schlafen. Sie gab sich Mühe, ihn das nicht spüren zu lassen und sie wies ihn nicht einmal zurück, als er sie zu späterer Stunde ein zweites Mal begehrte.
2021_roman „Wo ist der Türdrücker, verdammte Scheiße?“ Der glatte Fliesenfußboden bietet keinen Halt, schon gar nicht, wenn man Hausschuhe mit Filzsohlen trägt. Nie wieder, zum Teufel, Hausschuhe mit Filzsohlen! Frank Mälzer flucht, was war gerade passiert? Wände haben keine Griffe, man kann sich an nichts festhalten, noch aufrichten, dasselbe mit der Wohnungstür, scheiß Wohnungstür!
Hätte ich jemals geahnt, dass mir so etwas passieren könnte, nie hätte ich Hausschuhe mit Filzsohlen gekauft, noch wäre ich in eine Wohnung eingezogen, mit einer Eingangstür glatt wie eine Rutschbahn und an deren Wände keine Griffe montiert sind, denkt er in seiner Not. Doch wer montiert schon Griffe an Zimmerwände?
Er kann noch denken!
Beim ersten Mal an diesem warmen Frühlingstag, als sie sich beide auszuruhen gedachten für die Rückfahrt nach München, folgte sie ihm von der Couch, wo sie vorher lange miteinander sprachen, in sein Bett. Sie könne allein nicht einschlafen, sagte sie schmollend, während sie vor seinem Bett stand, wo sie ungeduldig und voller wonniger Erwartung, die jugendliche Hitze wie ein verzehrendes Feuer in ihrem Leib, von einem Bein auf das andere trat.
Seine wunderschöne junge Frau, die er so sehr begehrte wie er nie in seinem Leben eine Frau begehrt hatte, und die ihm gleichzeitig panische Angst einjagte, er könne sie verletzen; wie er, Curd, ihr Curd, ihre erste Liebe, wie er ihr, nachdem sich ihr Wunsch erfüllte, mit liebevollen Worten erklärte ... Alle Leseproben

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1 Kommentar zu "Umbruch – 2020 – Die Welt am Wendepunkt?"

  1. Das war echt Scherer Tobak an der penne

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