Willy Brandt ans Fenster – 19. März 1970

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Der Tag, an dem Erfurt Geschichte schrieb

Willy Brandt – Erinnerungen an einen großen Deutschen und Weltbürger

Willy Brand in Erfurt – Das Ende der Eiszeit
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Am heutigen 19. März 2020 jährt sich der für die Deutsche Geschichte so bedeutsame Besuch des damaligen Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland, Willy Brandt,  zum 50. Mal. Über die Bedeutung des Besuchs für die darauf folgende Geschichte, insbesondere die Deutsche Geschichte, wurde genug geschrieben und wer heute oder in den Tagen davor die Presse verfolgte, bekam einiges zu lesen. Hier ein paar persönliche Erinnerungen an Willy Brandt und Erfurt. Eine Zusammenfassung der Ereignisse zum „Erfurter Gipfeltreffen“ finden Sie hier>>>

Erinnerungen
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Erfurt Bahnhof 19.3.70

Ich besuchte seinerzeit die 10. Klasse der Erweiterten Oberschule Neudietendorf. Neudietendorf, einer der kleineren Eisenbahnknotenpunkte der DDR, trennten ich doch hier die Strecken von Erfurt nach Eisenach und von Erfurt nasch Arnstadt. Aus Richtung Eisenach kam der Sonderzug an diesem denkwürdigen Tag, es war ein Donnertag. Wie alle Grau in Grau und schwarz vom Ruß gezeichneten Bahnhöfe der DDR wurde auch der Neudietendorfer im Vorfeld des Besuchs gewienert und mit einem frischen Farbanstrich versehen. Man unterwies uns darüber, dass man in Erfurt möglicherweise bereits in den Vortagen auf größere „Westautos“ stoßen könne, und wir sollten doch bitte nicht „glotzen wie die Esel“ und uns vielleicht auch noch die Nasen an den Karossen breit drücken.
Ich weiß nicht mehr, ob es Zufall war oder Vorsatz, dass ich an diesem Vormittag gegen 9 Uhr einen Arzttermin in der Poliklinik Mitte in Erfurt hatte. Die Seitenzugänge des Hauptbahnhofes waren begehbar. Was ich auf dem Rückweg zum Bahnhof erlebte, steht in einem TA-Artikel geschrieben, den Sie hier nachlesen können>>> (meinen Beitrag finden Sie in Teil 2 des Artikels)
Im nachfolgenden Video, das das ZDF im Vorfeld des 30. Besuchs-Jubiläums drehte, sehen Sie nochmal ein paar Bilder von damals aus dem Jahre 1970.

Willy Brandt in Thüringen

Es sollte nicht der einzige Besuch Willy Brands bleiben, an diesem Donnerstag im März 1970. Dass weitere folgen würden, weitere unter völlig neuem Vorzeichen, daran glaubte wohl zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Nach dem 19. März 1970 begann die Mauer zu bröckeln, neunzehn und ein halbes Jahr später brach sie zusammen. In einem Prozess, der später als friedliche Revolution in der DDR bezeichnet wurde, ein Begriff, den ich ablehne seit er zum ersten Mal in der Öffentlichkeit erschien. Warum, das können Sie in meinen Büchern lesen>>>

Die Erotik dient im Übrigen nur dem Transport von Informationen über einen Vor- und Nachwende-Alltag, der nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Gotha am 27. Januar 1990

Die SPD Thüringen hielt im Tivoli zu Gotha ihren Gründungsparteitag ab, ein Land, das es noch gar nicht gab, wir wollten ein Zeichen setzen. Die Initiative zur Umbenennung der SDP in der DDR in SPD ging seinerzeit während eine Treffens in der Heidmühle von mir aus, da bekannt geworden war, dass die SED auf ihrem „Umbenennungsparteitag“ in PDS im Dezember 1989 ursprünglich geplant hatte, sich den Namen SPD zuzulegen. Ein Interview, das ich seinerzeit für Radio DDR gab, finden sie hier>>> 
Willy Brandt erschien als Ehrengast auf dem Parteitag. Gegen Abend sprach er auf dem Kornmarkt und Gotha drohte aus den Nähten zu platzen. Auf dem folgenden Video die Grußansprache Willy Brandts zum Gründungsparteitag der Thüringer SPD.

Zu dieser Zeit hatte die SPD ihren stärksten Zuspruch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Filmmaterial zum Auftritt Brands auf dem Gothaer Kornmarkt liegt mir leider nicht vor. Die Stimmung war bereits umgeschlagen als Willy Brandt zu seinem nächsten Besuch in Erfurt eintraf.

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Erfurt 03.03.90

Der 3. März 1990

Der Besuch, der auf Einladung der Erfurter SPD zustande gekommen war, sollte ursprünglich am 19. März erfolgen, exakt am Tag der 20. Wiederkehr des Gipfeltreffens im Jahre 1970. Doch die Wolken in Berlin verdunkelten sich zusehends. Die Volkskammer, von der Mehrheit der ehemaligen SED-Mitglieder und deren Verbündeten beherrscht, hatte seit Anfang März damit begonnen, Gesetze durchzupeitschen, die eine Reihe Privilegien der alten Führungsriegen sichern sollten. Davon profitierten nicht allein ehemalige SED-Mitglieder, sondern auch Mitglieder der Blockparteien. Eines dieser Mitglieder, ein namentlich nicht unbekannter Erfurter Bürger, riss sich auf der Grundlage eines in dieser Zeit verabschiedeten Gesetzes eines der bedeutendsten historischen Gebäude der Stadt unter den Nagel. Kennen Sie dessen Namen? Ich leider nicht.
Um diese Treiben zu beenden, kam es auf Drängen des Runden Tisches in Berlin zu einer Vorverlegung das Termins für die erste freie Volkskammerwahl, die ursprünglich für Mai vorgesehen war, auf den 18. März 1990. Damit war der Besuchstermin 19. März erledigt, denn es sollte ja auch ein Wahlkampfauftritt werden. Somit wurde der Termin auf den 3. März vorverlegt. Das folgende Video enthält Ausschnitte aus der Rede Willy Brandts auf dem Erfurter Domplatz.

Weniger Zuspruch auf dem Domplatz

Ein paar Tage davor sprach Kohl. Verglichen mit der Besucherzahl, die Kohl zujubelte, war der Nachhall gedämpft. Ein SPD-Mann mit Vornamen Oskar, der seinerzeit vehement versuchte, den Menschen den Wunsch auf schnelle Vereinigung beider deutscher Staaten auszureden, hatte ganze Arbeit geleistet. Hinzu kam der schmutzigste Wahlkampf, den sich mit der Allianz für Deutschland eine politische Vereinigung seit Ende des 2. Weltkrieges auf deutschem Boden geleistet hatte. Vaterlandsverräter für Willy Brandt waren noch die mildesten Titulierungen.

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Zu meinen persönlichen Lebens-Highlights gehört die Fahrt an der Seite Willy Brandts im Salonwagen von Frankfurt/ Main nach Erfurt. Dabei waren gemäß  Auszug aus dem Willy-Brandt-Archiv, Salonwagen für 12 Personen: Willy Brandt, Luis Ayala, Generalsekretär der Sozialistischen Internationale, Hans Eichel, damals noch OB von Kassel, später MP Hessen, danach Bundesfinanzminister, Dagmar Wiebusch, Pressestelle des SPD-Parteivorstands, später Sprecherin, Frank Meyer, SPD-Landesvorstand Thüringen

November 1990

Anlässlich des Wahlkampfs zur Bundestagswahl im Dezember 1990 besuchte Willy Brandt Ende November 1990 ein drittes Mal offiziell die Landeshauptstadt. Ein nasskalter Novembertag mit Schneeschauern. Der Niedergang der Zustimmungswerte für die SPD, der bereits im Ergebnis der Volkskammerwahl sichtbar wurde, hatte sich zur Landtagswahl manifestiert. Daher wählte man nicht den Domplatz, sondern den Bahnhofsvorplatz, der damals noch nicht den Namen „Willy-Brandt-Platz“ trug. Ich hätte dieser großen Persönlichkeit gewünscht, dass ihm dieser Auftritt erspart geblieben wäre.

Die Provinzposse von Erfurt – Das Willy-Brandt-Denkmal

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Leserbrief an die TA

willy_brandt_denkmalDenkmal, gut, wenn man das, was am Ende dabei heraus kam, als solches bezeichnen möchte. Halb Erfurt erstarrte, als bekannt wurde, dass der Spruch „Willy komm ans Fenster“ auf das Dach des ehemaligen Hotels „Erfurter Hof“ montiert werden sollte. Darauf folgte ein Entrüstungssturm. Über mehrere Tage hinweg stellte die „Thüringer Allgemeine“ eine Rubrik für Lesermeinungen zur Verfügung. Eine Auswahljury, in der eine Reihe honoriger Professoren saßen, dazu der Erfurter OB Bausewein und die Vorsitzende des Willy-Brandt-Vereins der Erfurter SPD, hatte sich für den Entwurf des Berliner Künstlers David Mannstein entschieden.

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Brief Mannstein

Dass die Menschen an diesem Donnerstag im März 1970 „Willy Brandt ans Fenster“ riefen, interessierte die Herren Professoren nicht, Zeitzeugenerinnerungen seien zu schwach, meinte der Chef der Erfurter Kunsthalle. Die Uminterpretation wurde sogar mit Minnesang begründet, grotesk, was für eine Blamage für die Professoren.
Ich selbst setzte mich mit Mannstein in Verbindung und siehe da, es stellte sich heraus, dass der Künstler schlichtweg falsch informiert wurde. Quelle für den Spruch war das Foto eines Erfurter Fotografen, auf dessen Rückseite handschriftlich der Satz „Willy komm ans Fenster“ notiert war. Das Foto befindet sich im Fundus der Friedrich Ebert Stiftung in Erfurt.
Ein weiterer, vielleicht sogar der wichtigste Grund für die Entscheidung war der, dass Mannsteins Entwurf am billigsten realisiert werden konnte. Was für ein Zeugnis für einen SPD-Oberbürgermeister, der sich in Erfurt wahrhaftig noch kein Erinnerungsmal gesetzt hat, jedenfalls kein positives.

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund

der Autor


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