Ungarn und Europa 2021 – Fundamental vereinbar?

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Der Blick in mein Bücherregal

Ungarn in Europa – Sind die Ungarn Europäer?

Europa (wie auch Ungarn) definiert sich NICHT aus seiner Vergangenheit heraus, sondern allein in seiner Zukunft …

wappen_ungarnKollektives Bewusstsein

Wie tief sich Geschichte im kollektive Bewusstsein einer Nation behaupten kann, zeigten jüngst die Briten mit ihrem Brexit, der, nüchtern betrachtet, eher ein Austritt der Engländer war, deren Mehrheit genügte, um die schottische Mehrheit gegen den Brexit zu überstimmen. Man wähnt sich noch im British Empire, obgleich davon nichts übrig blieb als der Commonwealth of Nations mit zwar 53 (!) Mitgliedsstaaten, von denen allerdings nur 16 in Personalunion mit der Britischen Krone verbunden sind. Bedeutung? Eher noch ein Symbol der Vergangenheit.  Doch wie man bei den Briten erlebte,  noch immer wichtig in zahlreichen Köpfen.amazon_audible

Polen

Wie Geschichte wirken kann, vor allem dann, wenn konservative Kräfte zu Mehrheiten gelangen, habe ich in diesem Blog bereits am Beispiel Polen dargestellt. Den Beitrag finden Sie hier>>>
Doch in einer Demokratie gelangen stets die Kräfte zu Mehrheiten, die auch mehrheitlich gewählt werden, und wenn die sich auf Traditionen stützen, dann muss es zumindest einen Nährboden geben, auf dem die Pflanzen auch gedeihen können. Bei Briten wie Polen, die Besinnung auf einstige Größe und Macht, und speziell bei Polen, der Stolz auf ein wiedergewonnenes nationales Selbstbewusstsein, nach Jahrhunderten der Unterdrückung und Abhängigkeit.

Die Ungarn

ungarn_ich_war_den_hunnen_untertan_leseprobenAuch hier lohnt sich ein Blick in die Geschichte. Ein Büchlein in meinem Bücherregal erinnert mich daran, eines meiner ältesten, das man noch in gut sortierten Antiquariaten findet. Ich bekam es geschenkt, da besuchte ich die 5. Klasse, Géza Gárdonyi, „Ich war den Hunnen Untertan“, erschienen 1964 im Prisma-Verlag Leipzig. Die Geschichte des byzantinischen Schreibsklaven Zeta, der als Mitglied einer Gesandtschaft an den Hof des Hunnen-Königs Attila kommt. Attila, der noch heute in Ungarn wie ein Held verehrt wird, verehrt und verklärt, als Gründerfigur der Nation, was er nicht einmal war. Doch welche Rolle Personen im Geschichtsbewusstsein einer Nation spielen, sieht man bei den Spaniern am Cid.
Mir ist nicht bekannt, ob

Viktor Orbán
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Attila im Kampf – Eugene Delacroix

… zu den Verehrern Attilas gehört, vorstellbar wäre es, weil unbestreitbar Nationalist und Populist, der dabei ist, demokratische Institutionen abzubauen oder zu paralysieren, wie die Regierenden in Polen. Die Rückbesinnung auf einstige Größe und Stärke ist ein scharfes Schwert. Wenn es in die Hände von Nationalisten und Populisten fällt, wird aus Patriotismus sehr schnell ein übersteigerter Nationalismus. Schädlich für die Verständigung der Völker, in Zeiten von Klimawandel und Pandemien wichtiger denn je.

Ungarn in Europa

Hört man EU-Befürworter (zu denen ich rückhaltlos gehöre, aber aus anderen Gründen), so fallen oft Begriffe wie: gemeinsame Werte, gemeinsame historische und kulturelle Wurzeln, verwandte Sprachen, das Imperium Romanum als Grundpfeiler eines gemeinsamen Rechtssystems und somit die Basis, aus der heraus das Neue Europa gewachsen ist. Alle falsch oder nur zum Teil richtig Halbwahrheiten. Europa ist in seiner historischen Entwicklung diverser als man es heute vielfach zugeben will. Und hier beginnt bereits der erste große Fehler der „Europa-Erklärer“, weil sich Europa NICHT aus seiner Vergangenheit heraus definiert, sondern allein in seiner Zukunft. Warum das so ist, lässt sich sehr anschaulich an der

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Hunnenreich unter Attila

Geschichte Ungarns

… demonstrieren.
Sie selbst nennen sich Magyaren, der Name eines mehrerer Stämme, die das pannonische Becken besiedelten. In dem im Englischen wie in den romanischen Sprachen enthaltenen Hung (Englisch hungarian, Spanisch húngaro) stecken tatsächlich die Hunnen, während der deutsche Name aus dem slawischen onogur stammen soll. Vielleicht hatte aber auch derjenige, der das Wort Ungarn ins Deutsche brachte einen Sprachfehler und konnte das „H“ am Anfang nicht aussprechen, wer weiß das schon so ganz genau?

Was eint?

Was die Mehrheit der Europäer sprachlich eint ist die indogermanische Sprachfamilie. Eint, aber auch gleich wieder trennt, weil die drei großen Gruppen sich, wie die Kulturen, zu denen sie gehören, unterschiedlich entwickelt haben. Wer in der Schule Latein lernte, dem fällt es leicht, Italienisch oder Kastilisch zu lernen, beim Französisch, Katalanisch, Portugiesisch oder Rumänisch wird es schon schwieriger. Und wer Englisch oder Schwedisch lernt, der besinnt sich lieber auf seine deutsche Muttersprache, und Russisch (?), da sind wir bei der dritten europäischen Sprachgruppe, dem Slawischen. Zu keiner davon gehört Ungarisch, das entstammt einer völlig anderen Familie, der uralischen, wie Estnisch, Finnisch und Samisch. Sprache ist einer der wichtigsten Träger der Kultur, und so wie sie sich voneinander unterscheiden, die Sprachen, so unterschiedlich entwickelten sich Kulturen.

Macht
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König Matthias Corvinus – Andrea Mantegna

Die Ungarn, im ausgehenden Frühmittelalter bis ins Hochmittelalter hinein, eine Großmacht (wie Polen), die ganz Europa zwei Jahrhunderte lang in Angst und Schrecken versetzte. Zuerst von Heinrich I. besiegt, was dessen Königsmacht im Ostfränkischen Reich stärkte, endgültig von Otto I. 955 auf dem Lechfeld.
200 Jahre später von den Mongolen fast von der Landkarte gefegt, danach in Personalunion von Polen regiert, von den Türken erobert und schließlich, bis zu dessen Verfall 1918 Teil Habsburgs. Wie stark die ungarische Oberschicht in allen Zeiten war, zeigte sich darin, dass bei den Habsburgern nichts ohne die Zustimmung der Ungarn ging.
In der

Neuzeit

Wie Polen erlangte Ungarn nach dem 1. Weltkrieg die nationale Souveränität zurück, Zuerst als sozialistische Räterepublik, ab 1920 faktisch Wiedereinführung der Monarchie, später Annäherung ans faschistische Deutschland. Nach dem 2. Weltkrieg in Stalins Reich gezwungen und 1989 das erste Loch in den Eisernen Vorhang gerissen. Dafür sollten wie Deutsche den Ungarn dankbar sein.ungarn_ich_war_den_hunnen_untertan_leseproben

Geschichtsklitterung

Um es noch einmal zu wiederholen, eine Reihe Argumente einiger Europaerklärer, erinnert an Geschichtsklitterung. Aber Geschichte lässt sich weder ändern, noch korrigieren, sie verlief wie sie verlief, man kann zukünftig lediglich Fehler vermeiden. Mit dem Patzer Ludwigs des Frommen, der, nach seinem Tode, 843 zum Vertrag von Verdun führte, war die Chance auf ein europäisches Großreich vertan und Europa dividierte sich politisch wie kulturell und später wirtschaftlich auseinander. Dem muss man auch so Rechnung tragen, in der Rückschau, was die angeblich gemeinsamen Wurzeln betrifft. Die Europäische Union ist die einmalige Chance, diese Entwicklung aufzuhalten und umzukehren. Aber den Kampf gegen den

Nationalismus
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Géza Gárdonyi

… gewinnt man nicht, indem man Geschichte ignoriert oder gar fälscht, sondern indem man sie erklärt und nicht Vereinendes in den Raum stellt, das es aus der Vergangenheit heraus gar nicht gibt. Das liefert Nationalisten völlig unnötig Argumente. Zu der Auseinandersetzung gehört eben auch, dass man die Ursachen des Nationalismus versteht und erklärt und ihn nicht von vornherein verteufelt. Konservative Elemente gibt es in jeder Gesellschaft, damit muss man umgehen können. Verteufelung treibt ihnen, den Nationalisten, Menschen in die Arme, vor allem solche, die ängstlich auf Veränderungen reagieren, wie das die AfD in Deutschland eindrucksvoll zeigt. Die Vermittlung der europäischen Idee als Zukunftsprojekt muss bereits im Kindergarten beginnen.
Und ja, um auf die Frage in der zweiten Überschrift zurückzukommen, selbstverständlich sind die Ungarn Europäer, ihr Staat liegt auf dem Kontinent, wenn auch ethnisch anderer Abstammung. Doch das trifft auch für Deutsche zu, deren Eltern in Afrika oder sonst wo geboren sind, sobald sie die Staatsbürgerschaft tragen sind sie Deutsche. Bleibt zu hoffen, dass die Mehrheit der Ungarn sich darauf besinnt, zu Europa zu gehören.

Der Roman

ungarn_sterne_von_eger… ist eine ist eine anschauliche und fesselnde Schilderung des Lebens und der Sitten an Attilas Hof und der das Hunnenreich umgebenden Welt des 5. Jahrhunderts. Eine Zeit des politischen Umbruchs, des Niedergangs und der Entstehung neuer Reiche auf den Trümmern Roms auf dem Höhepunkt der Völkerwanderung. Das Buch führt den Leser, die Leserin in die Zeit zwischen der alleinigen Machtübernahme Attilas nach dem Mord an seinem Bruder, über die Schlacht bei Troyes im Jahre 451 bis hin zu Attilas Tod im Jahre 453. Der Autor, Géza Gárdonyi, war bekannt für seine tiefgründige Recherche, die dem Roman eine hohe Wirklichkeitsnähe verleiht. Er ist ein vortrefflicher Erzähler, der den Leser hineinzieht ins Geschehen.
sterne_von_eger_filmGéza Gárdonyi, geboren am 3. August 1863 in Agárdpuszta, am Velencer See, deutscher Abstammung. Die Familie des Vaters stammte aus Sachsen. Verstorben am 30. Oktober 1922 in Eger, wo auch sein bekanntester Roman entstand, „Sterne von Eger“, über die Verteidigung der Stadt gegen die Türken. Der Roman wurde zweimal verfilmt. Die zweite Fassung aus dem Jahre 1968 lief auch in den Kinos der DDR..


Am Ende der Seite geht es in einem Dialog aus meinem Romanzweiteiler „Chrissys Tagebuch“ ebenfalls um Europa. Ausführliche Leseproben finden Sie hier>>>


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Auszug aus Teil II - Als Hardcover, Taschenbuch und eBook
chrissys_tagebuch_eBook_teil1_und2 Johann kam auf das Kopfabschneiden zurück. Wir würden in Deutschland dieselben Verhältnisse wie in Frankreich haben, wäre es damals nicht zur Reichsteilung gekommen.
„Hätte der Karolinger Ludwig der Fromme seinerzeit nach altem Brauch der merowingischen Reichsgründer gehandelt und die beiden Enkel Karls des Großen im Rhein ertränkt, dann hätte es nie eine Reichsteilung gegeben und wir würden jetzt alle in einem Franko - Europäischen Großreich leben …“ Einer seiner Lieblingssprüche, der selten fehlte. „Ich bin überzeugt davon“, fuhr Johann fort, „dass euer Kohl und unser Mitterrand genau diese Scharte auswetzen wollten, als sie die Europäische Union und den EURO ausgekaspert haben …“
„Hätte, hätte, Fahrradkette“, warf Dad lachend ein. „Hätte Karl der Große damals nicht über viertausend sächsische Stammesführer köpfen lassen,
dann hätten die Sachsen die Franken weniger gehasst und es hätte womöglich unter Karl dem Dicken wieder eine Reichseinigung gegeben.“
So hätten sie die erst beste Gelegenheit genutzt, ihre eigene Herrscher-Dynastie zu gründen.
„Die Sachsen …“, Johann winkte verächtlich ab.
„Und die Briten?“ warf Dad vergnügt ein.
„Die Briten?“ Johann sah Dad verwundert an, so als wundere er sich geradezu über diese Frage. „Die Briten? Was ist das denn? Meinst du etwa dieses kulturlose Volk jenseits des Kanals? Die, die nicht mal eine eigene Küche haben?“
„Ja, die meine ich, die Briten“, wiederholte Dad. „Was wäre aus denen geworden?“
„Na du kannst Fragen stellen“, Johann schüttelte mehrfach nachdenklich den Kopf. „Die würde es gar nicht geben und der Hundertjährige Krieg hätte nie stattgefunden, wie andere Kriege ebenso …“ Die hätte man einverleibt mit dem französischen Anspruch auf die englische Krone, die Schotten wären freiwillig beigetreten. Johann winkte abermals ab. „Alles viel zu spät“, sagte er. Europa sei nicht zu retten, die Finanzkrise, der Anfang vom Ende ... Alle Leseproben>>>

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