Stefan Diestelmann zum 10. Todestag

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Verstorben am 27. März 2007 – Blueskönig der DDR

Stefan Diestelmann bei Michael Rauhut – By bye, Lübben City

Vorbemerkungen des Autors dieses Beitrags

Eine seiner letzten „Muggen“ auf dem Boden der damaligen DDR hatte Stefan Diestelmann im Kino von Ueckermünde. Ich erinnere mich an seine Worte, er habe die Erlaubnis erhalten, im Westen aufzutreten, gemeinsam mit der Blues-Legende Alexis Corner. Nur wenige Tage später trat er im „Wasserwerk“ auf; eine Blues-Sendung, die seinerzeit von der ARD ausgestrahlt wurde. Hier verabschiedete er sich von seinen Fans in der DDR und wir erfuhren, dass er nicht vor habe, zurück zu kehren … Voller Neid vernahm man derartige Botschaften: „Der hat es geschafft, warum müssen wir hier bleiben in diesem Mief …?“ Viele gingen vor ihm, wie eine Flut nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns, besonders Film und Theater verloren zahlreiche ihrer Galeonsfiguren, die noch für ein wenig Farbe in dieser Tristesse des DDR-Alltags gesorgt hatten. Und weitere gingen nach ihm, so lange, bis es sich erledigt hatte mit der Mauer gegen das eigene Volk…

Stefan Diestelmann

Von seinen Freunden liebevoll dass Diestelschwein genannt.
Am 29. Januar 1949 in München als Sohn des Schauspielerehepaares Hildegard und Jochen Diestelmann geboren, ahnte seinerzeit niemand, dass Stefan Jahre später die Musikgeschichte der zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal gegründeten DDR wesentlich beeinflussen würde. Wie fast alle Jugendlichen interessierte er sich  seit Anfang der

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Stefan Diestelmann mit Jürgen Kerth – Erfurt

60er-Jahre für die Musik der Beatles und Rolling Stones, da lebte er allerdings bereits in der DDR, in die seine Eltern im Jahre 1961 übergesiedelt waren. Beide arbeiteten als Schauspieler für die DEFA und das Fernsehen der DDR. Und somit bestimmte sein Vater, der dem von der Partei vorgegebenen Weg ging, welche Musik gehört wird – Beat und Rock’n‘ Roll gehörten nicht dazu. Eine unfreiwillige Alternative wurde bereits in dieser Zeit für ihn der Blues, mit dem er zwar anfangs wenig anzufangen wusste, sein Vater offenbar ebenso wenig, daher war er wohl nicht dagegen. Blues ist besser als gar nichts, mag er sich gedacht haben – der launig-melancholische Sound geht dem Jungen ins Ohr und Diestelmann verliebt sich in seine unfreiwillige Alternative zu den ungestümen Rhythmen der Pilzköpfe und harten Songs der Rolling Stones.

In Bayern geboren – aufgewachsen zur Kultfigur des DDR-Blues

Er war dreizehn als seine Eltern mit ihm in die DDR übersiedelten, ein ohnehin schwieriges Alter und er hat es schwer in der Schule mit seinem Dialekt und dem von der Mutter verlangten Aufzug in Lederhose. Zusammenstöße mit Gleichaltrigen, sogar Prügeleien bleiben nicht aus.


Über Stefan Diestelmann in Michael Rauhuts – By bye, Lübben City
 Vierzig Beiträge zeichnen das Bild einer »unruhevollen Jugend« in der DDR. Namhafte Publizisten, Musiker, Alltagsforscher und Szene-Aktivisten berichten aus unterschiedlichen Perspektiven über historische Entwicklungslinien, einschneidende Ereignisse und den Stoff, aus dem Träume gemacht sind. Dazu gehören bislang unbekannte Details über das Tramper-Mekka Thüringen, die Geschichte der Ostberliner Bluesmessen und deutsch-deutsche Brückenschläge.
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Der in Bayern geborene Frontmann wird so zur Kultfigur des Blues – und das DDR-weit. Diestelmanns Lieder trafen das Lebensgefühl der Freigeister. Er singt ungeschönt über sein Leben, die DDR,Einsamkeit oder das Gefühl von Freiheit. Hunderte kommen, um die Bluesinterpreten zu hören. In den besten Zeiten spielen sie sogar mehrere Konzerte an einem Tag.


An das Leben in der DDR wird er sich nie wirklich gewöhnen, rebelliert zunächst gegen das Bild, das man im Osten über den Westen zeichnete, bemerkte jedoch sehr schnell, dass Widerstand zwecklos ist. Bereits mit Zwölf bekam er eine Gitarre geschenkt. Sein Spiel verschaffte ihm schließlich Aufmerksamkeit und der Blues wird schnell für ihn eine Fluchtmöglichkeit aus dem Alltag des Staatssozialismus, dem er dann im Jahre 1984 endgültig den Rücken kehren wird.

Vom Außenseiter zum Hit

Schon bald spielt er in verschiedenen DDR-Amateurbands wie den „Teddys“. Schnell entstehen Freundschaften mit anderen Musikern und Bandkollegen. Stefan Diestelmann informiert sich über Leben und Wirken afroamerikanischer Bluesinterpreten. Der Osten wird ihm dennoch nie zur wirklichen Heimat. Schon in den 1960er-Jahren sucht er nach

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Stefan Diestelmann-Folk Blues Band

Fluchtmöglichkeiten und wird bei den Behörden aktenkundig. Es folgt eine Haftstrafe in der Besserungsanstalt Regis-Breitingen. Axel Stammberger entdeckte ihn schließlich musikalisch. Er wird Mitglied Stammbergers Band „Vai hu„. Nun tritt endlich der Erfolg ein. Mit seinem Dreitage-Bart und den langen Haaren ist Stefan Diestelmann plötzlich Kult. Zwei Jahre später gründet er seine eigene Band, die STEFAN DIESTELMANN FOLK BLUES BAND. Mit ihm gemeinsam spielen Dietrich Petzold (Violine, Perkussion), Rüdiger Phillipp (Bass), Bernd Kleinow (Mundharmonika).

Die Stasi ist immer dabei

„Politisch zweideutiges Auftreten“ und er „weist negative Merkmale auf“ notieren Mitarbeiter der Stasi in den heute einsehbaren Akten über Stefan Diestelmann. Sogar Auftrittsverbote werden teilweise gegen ihn verhängt. Trotzdem trat er mit Bluesgrößen wie Muddy Waters auf. Doch Stefan Diestelmanns Image als authentischer Blueser lässt sich nicht mehr verbieten. Er arbeitet mit dem Pianisten Gottfried Böttger zusammen. Böttger kommt aus dem Westen und darf sich in Ostberlin eigentlich nur aufhalten. Dieser steht als Musiker an der Seite von Udo Lindenberg in der DDR auf dem Index.
Im Jahr 1984 darf Diestelmann in den Westen und zusammen mit Gottfried Böttger in einer Talkshow spielen. Nach einem Auftritt bleibt er nach 23 Jahren in Ostdeutschland endgültig drüben. Er lässt vieles, sogar seine Ehefrau, in der DDR zurück. Diestelmann zieht zunächst nach Hamburg und zunächst lässt sich der Ortswechsel gut an: Er spielt und singt auf Konzerten, hat Auftritte. Doch der erste Erfolg hält nicht lange an.
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Fast vergessen

„Es ist nicht schwierig, ein Bluespublikum zu finden. Das gibt es immer. Nur man kann damit keine Säle mehr füllen. Das ist klar.

Stefan Diestelmann (1997)

Doch die Konkurrenz im Westen schläft nicht. Hier kennt ihn kaum jemand. Die Erfolge bleiben aus, der Druck wächst. Die Versuche des einstigen Plattenmillionärs als Schlager-Songwriter erfolgreich zu werden, scheitern. Er lässt sich schließlich am bayerischen Ammersee nieder, bricht Kontakte zu Musikerkollegen ab und gibt seine Bühnenkarriere auf. Beruflich geht es für ihn jedoch weiter. Er wird Filmemacher. Seine Firma „Diestelfilm“ produziert Dokumentar- und Präsentationsfilme.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit stirbt Stefan Diestelmann im Jahr 2007, völlig vergessen wie es scheint. Erst Jahre später erfahren ehemalige Kollegen und die Presse davon.

Musik von Stefan Diestelmann

Musik von Stefan Distelmann


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Regenwürmer vertragen kein Coffein

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob mir das in dieser Geschichte niedergeschriebene erspart geblieben wäre, hätte ich nicht am 25. August des Jahres 1997 virtuell einen Chatroom betreten, der den vielversprechenden Namen „Manager-Treff“ trug. Ebenso wenig sicher bin ich mir, ob es nicht besser gewesen wäre, der Bekanntschaft, die sich an besagtem Tage anbahnte, lieber aus dem Wege zu gehen.
Überhaupt nicht sicher hingegen bin ich mir, ob ich das Ganze nicht vielleicht doch hätte erleben wollen und vielleicht tief traurig darüber gewesen wäre, hätte es überhaupt nicht stattgefunden. Was selbstverständlich hinterher niemand hätte wissen können, am wenigsten ich selbst ...Lisa, gerade vierzehn geworden, benahm sie sich völlig ungeniert, als wir uns zum ersten Mal begegneten. Man könnte so weit gehen, sie als völlig schamlos zu bezeichnen. Frech, kess, einen Hauch frivol. Sogar eine Prise Obszönität schien tief in ihrem Wesen versteckt zu sein. Das lag wohl eher daran, dass sie nicht vollumfänglich imstande war, die Wirkung ihres frühreifen Körpers auf spätreife Männer in seiner gnadenlosen Wucht auch nur ansatzweise zu erkennen.
frank_c_mey_regenwuermer_vertragen_kein_coffein_leseprobenLuise, blond und zweigeteilt in die lähmende Kälte des Nordens oben herum. Weiter südlich, vom Nabel abwärts, das ewig lodernde Feuer der Südländerin. Das war nicht immer so. Als wir uns das erste Mal körperlich trafen, wirkte sie welk. In ihrem Schoß schien sie trocken und völlig erkaltet. Später entwickelte sich die Region zwischen ihren Oberschenkeln zu einem pulsierenden Moloch, der mich, flog sie ihrem Höhepunkt entgegen, jedes Mal in sich hinein sog. Wenn er mich wieder ausspuckte, dann einzig zu dem Zwecke, mich einen Augenblick später erneut zu verschlingen. Wie eine wiederkäuende Kuh. Wir lernten uns in dem eingangs erwähnten Chat-Room kennen, in der Zeit kurz nachdem das internationale Spinnennetz seine Ausläufer über den großen Teich hinweg bis nach Deutschland wie in den Rest der Welt hinein schob.
Luise bewegt sich weiter, schneller … Nichts geht mehr, rien ne va plus. Enttäuscht wirft sie sich auf den Rücken. Ein Zischen dringt aus ihrem Hals. Wie wenn man beim Ausatmen die Zunge an den Gaumen drückt, wie bei einer Schlange, begleitet von zornigem Stirnrunzeln. Das höre und sehe ich zum ersten Mal. Bislang gab es nie einen Grund dafür.
„Wir haben den ganzen Tag Zeit … Dazu die halbe Nacht …“, will ich sie vertrösten. Doch sie springt bereits aus dem Bett. Grollend zieht sie sich den Morgenmantel über, anschließend geht sie ins Bad. Als ich ihr wenig später folge, kommt Lisa in Bernys Begleitung aus ihrem Zimmer heraus. Zähnefletschend wedelt er mit dem Schwanz. Lisa lacht mich aus ihren strahlenden Augen heraus an, so blau wie tief. Einen Augenblick lang berühren sich im Vorübergehen unsere Hände, ein Hauch Zärtlichkeit. Sekundenbruchteile wandeln sich zu einem endlosen Flug in die Ewigkeit, am Ende ein Licht, das ein leises Sirren sendet. So muss Odysseus den Gesang der Sirenen empfunden haben …Alle Leseproben>>>

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