Frank C. Mey – Flucht und Vertreibung – Leseproben

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Frank C. Mey – Aus dem 1. Buch meines neuen Romans

Arbeitstitel: Land der Väter – Drei Generationen einer deutschen Familie

  „Außerdem haben wir doch den Polen nichts weggenommen“, meldet sich die Baronin erneut zu Wort. „Dieses Land gehört uns seit Jahrhunderten. Unsere Vorfahren kämpften für den Orden, wofür sie belehnt wurden. Sie haben Wälder gerodet, Sümpfe trocken gelegt, Straßen gebaut. Sie nahmen Land in Besitz, das andere vor ihnen für unbewohnbar hielten…..

Die Leitgedanken zum Roman finden Sie hier>>>

Literatur und Film zum Thema>>>> 

Die Arbeiten zum Roman, dessen Titel inzwischen feststeht, gehen gut voran. Der Rahmen steht, es werden drei Bücher sein, oder Kapitel, die in Zeiten handeln, die die jüngere deutsche, europäische sowie, zu einem guten Stück, die Weltgeschichte mitbestimmten.

Das erste Buch (Kapitel), gerade fertig geworden, befasst es sich mit dem Schicksal der Familie, um die und deren Nachkommen es gehen wird. In der Zeit kurz vor dem Ende des Ersten Weltkrieges bis hinein in die ersten Jahre der Weimarer Republik. Handlungsorte sind West- und Ostpreußen sowie Mitteldeutschland. Flucht und Vertreibung – ein Thema, das uns gerade in der Gegenwart umtreibt, das alle anderen politischen Themen geradezu zu überdecken droht. Daher ist die Betitelung des ersten Buches (Kapitels) nicht zufällig gewählt: 

Flucht und Vertreibung

Vertreibung und Flucht sind ein großes Unglück für alle Betroffenen. Egal, welchem Stand sie angehören, egal aus welchem Grunde dies immer erfolgt

Damals wie heute gab es die einfachen Antworten, geprägt von Ideologien oder Religionen, was am Ende auf ein und dasselbe hinaus läuft. Die einfache Antwort in den Jahren nach 1917: der Adel habe es nicht besser verdient als von seinen Besitztümern vertrieben zu werden, Ausbeuter, die sich ihr Vermögen mit Mord und Totschlag zusammen raubten. Mit dem Dekret über den Grund und Boden, in dem jegliche Beschädigung des konfiszierten Eigentums als schweres Verbrechen bezeichnet wurde (Lenin, ausgewählte Werke in 6 Bänden, Band IV, Seite 28) war jeder Grundeigentümer, der nur versuchte, ein Pferd zu retten, ein Schwerverbrecher und wurde in der Regel vor Ort umgebracht. Die Dekrete des Oktoberputsches der Bolschwewiki lösten im Land eine Welle von Terror aus, den Lenin selbst als notwendig, als das Skalpell am Körper der alten Ordnung bezeichnete. „Schlagt die Kulaken tot…“, lautete der Befehl aus Petrograd.

Die etwas kompliziertere Antwort, die einen Blick in die Geschichte liefert, gibt eine Ahne der Familie, mit deren Geschichte sich mein Roman beschäftigt, der allmählich im Werden begriffen ist, die Baronin von Leutenberg, während einer Gedenkfeier mit den Verwaltern der Güter und weiteren Gästen am Neujahrstag des Jahres 1918.

Leseprobe 1. Buch:

  „Außerdem haben wir doch den Polen nichts weggenommen“, meldet sich die Baronin erneut zu Wort. „Dieses Land gehört uns seit Jahrhunderten. Unsere Vorfahren kämpften für den Orden, wofür sie belehnt wurden. Sie haben Wälder gerodet, Sümpfe trocken gelegt, Straßen gebaut. Sie nahmen Land in Besitz, das andere vor ihnen für unbewohnbar hielten. Einige der Ahnen unseres in Ehre gefallenen Barons kämpften für Litauen und bekamen dafür vom Großfürsten den Titel >Baron< verliehen, den zu tragen uns heute noch erlaubt ist. Wie man an unserer Familie als lebendiges Beispiel sieht, können sich ehemalige Feinde sogar in Liebe vereinen.“ Preußen habe, was dieses Land beträfe, dem polnischen Staat lediglich einen Einflussbereich entzogen, während die Russen im Osten und die Habsburger im Süden tatsächlich von Polen bewohnte Territorien raubten und Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. „Selbst die Rechte polnischer Adliger wurden nicht angetastet, sofern sie bereit waren, dem Preußischen König zu huldigen, und wir selbst haben nie einem Polen etwas Böses angetan“, ergänzt sie im Ton vollster Überzeugung.

  „Unseren Ahnen ging es im Übrigen ähnlich“, die Baronin nach einer Pause, während derer sie einen Schluck Wein trank, „als das Land nach dem Frieden von Thorn unter polnischen Einfluss fiel, mussten sie einen Treueeid auf den polnischen König Kasimir ablegen und wie ich bereits sagte, uns wurde nichts genommen, den Polen ebenso wenig.“

Die einfache Antwort der Gegenwart, die aktuellen Flüchtlingsströme betreffend, nicht zufällig von Verfechtern linker Theorien verbreitet, ist die der „alleinigen Verantwortung des Westens“ für das Unglück im arabischen Raum. Eine Antwort, die die inneren Ursachen völlig außer Acht lässt. Ebenso die Rolle des so genannten „Ostblocks“ während der Zeit des Kalten Krieges, von dem aus weite Teile des arabischen Terrors finanziert wurden, wenn diese sich nur gegen Amerika richteten.

Besonders nach dem Dreißigjährigen Krieg und der Französischen Revolution, hier besonders nach Beendigung der Jakobiner-Diktatur, rieb sich die Welt die Augen. Aus der Aufklärung, die mit dem bis dahin vorherrschenden religiösen Dogmatismus brach, heraus entwickelte sich der Humanismus. Dasselbe geschah nach dem Ersten Weltkrieg, in dessen Folge mit der Gründung des Völkerbunds die ersten Grundlagen für eine Verhinderung derart verheerender Kriege gelegt werden sollten. Doch gerade in der Zeit des keimenden Humanismus wurden die ideologischen Grundlagen für eine neue „Religion“ gelegt, die den Terror zu einem legitimen Mittel für die Erlangung politischer Macht erklärte. Die Folge war ein noch verherenderer Krieg, in dem es nicht mehr nur allein um die Erhaltung bestehender imperialer Interessen oder um die Neuerlangung derselben ging, sondern der ein Kampf der Kulturen werden sollte.

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Was macht Vertreibung aus Menschen? Antworten finden wir heute in den Asylunterkünften, Antworten findet man früher in den Biografien derer, die Flucht und Vertreibung erleben mussten. Und selbst hier, wenn es um die Frage nach der Schuld geht, gestern wie heute, sind die einfachen Antworten in der Regel die Falschen.
Die komplizierteren Antworten beleuchten nicht allein die Interessen derer, die in der Geschichte die Ausgeplünderten, die Ausgebeuteten gewesen sein sollen, sondern ebenso die Lebensgeschichte derer, die oftmals allein durch ihre privilegierte Geburt in eine Rolle gedrängt wurden, aus der auszubrechen für die Mehrheit als undenkbar und als Verrat an den Traditionen gegolten hätte.

Leseprobe Königsberg in Ostpreußen, Januar 1918:

„Ihre Treue in allen Ehren, verehrter Herr Oberst“, der General mit Hochachtung, „aber hier geht es um die Zukunft unser aller Heimat, um unser Land, von dem wir, falls wir nicht rechtzeitig gegensteuern einen großen Teil an Polen verlieren werden.“
Sodann zählt er einige seiner weiteren Gründe auf und wiederholt andere, bereits genannte:

„Die ersten Verräter in Berlin und anderen Großstädten strecken bereits ihre Fühler aus und zetteln Streiks an, von der Handvoll Bolschewisten, die meinen, russische Verhältnisse einführen zu können, will ich absehen. Aber selbst wenn die Truppe tapfer weiter kämpft, wird dieser Krieg von innen heraus verloren, dessen dürfen sie sich sicher sein.“ Preußen, wo die Lage wesentlich stabiler sei als im Reich, würde in einen Strudel hineingezogen, den hier keiner wolle und wollen könne.

„Schauen sie sich um, Herr Oberst, unsere Arbeiterschaft geht getreu ihren Pflichten nach, die meisten sind bereit, Opfer für diesen Krieg zu bringen, sollen wir das alles aufgeben? Nachfolgende Generationen werden uns dankbar sein.“

Ein passender Film zum Thema

die_flucht_der_film Anschließend nennt er einen weiteren Aspekt. Separate Friedensverhandlungen mit den Briten könnten einen Keil in die Allianz treiben. Historisch gesehen stünden die Briten dem Reich näher als den Franzosen. Er zählt ei-ne Reihe an Beispielen auf, wie sich Briten und Franzosen jahrhundertelang bekämpften: Der lange und verlustreiche Krieg um den französischen Thron, später um die Vormacht auf den Weltmeeren und um die Kolonien in Nordamerika und wie Blücher bei Waterloo den Briten den Sieg gegen Napoleon gesichert habe. Was die Briten wollten, sei einzig einen Konkurrenten auf den Weltmärkten loszuwerden.

„Wenn wir uns lossagen, verliert das Reich eine seiner größten Kornkammern. Mit einer Schwächung Deutschlands hätten die Briten ihr Kriegsziel erreicht.“ Und die Franzosen? Die wollten allein Elsass-Lothringen zurück und das Rheinland beherrschen, was sie im Falle eines Sieges ohnehin bekämen. Keiner von denen interessiere sich ernsthaft für Preußen. Der General lehnt sich weit zurück, bevor er den nächsten Satz spricht:
„Und eines muss ich ihnen sagen, Herr Oberst, dieses Reich ist mir, mit Verlaub, scheißegal!“

[…] „Wie sie wissen, Herr Oberst, war ich stets ein treuer Soldat im Dienste des Reiches und des Kaisers. Wie andere, wie aber auch Teile des Militärs, die vor einem Zwei-Fronten-Krieg gewarnt haben. Sie selbst haben sich seinerzeit dagegen ausgesprochen. Jetzt entwickeln sich die Ereignisse in eine für das Reich fatale Richtung, der wir einzig und allein damit ausweichen können, im Bündnis mit unseren Brüdern in Preußisch-Litauen einen Separatstaat zu errichten.“
Anschließend wiederholt er kurz und bündig zusammengefasst seinen Plan wie er ihn bereits Oberst von Redtwitz erläutert hatte. Dass sich nach dem vermutlichen Tod Auguste von Leutenbergs seine Aussichten Polen betreffend, verschlechtert haben, verschweigt er, fügt aber hinzu:
„Unsere Unterhändler in Brest-Litowsk werden den Bolschewisten Livland und Estland abtrotzen und die werden einen Teufel tun, sich mit Russland zu verbünden, eher werden die an unserer Seite stehen!“ Der General spricht voller Emotionen und wird zum Ende seiner Worte hin zunehmend lauter.
„Ihr denkt an Putsch, Exzellenz, das grenzt nicht nur, das wäre Hochverrat“, unterbricht ihn der Oberst.
„Putsch?“, fährt ihn der General an, „Putsch gegen wen, Herr Oberst?“ Beide starren sich in die Augen, der General schnauft in seiner Rage, in die er sich gerade hineinredet. Die Spitzen seines Schnauzbartes zittern.
„Putsch gegen diese Sozialisten, die sich zunehmend anschicken, die Macht an sich zu reißen und jetzt schon von Republik faseln? Der Kaiser hat kaum noch Macht, der Generalstab schaltet und waltet nach Gutdünken und die Moral im Reich zerfällt, also Putsch gegen wen?“
Der Oberst gerät ins Wanken, doch er hält weiter an seiner Meinung fest, als er kleinlaut sagt:
„Noch existiert eine Ordnung, Herr General, der wir uns unterzuordnen haben …, aber vielleicht habt ihr Recht und man sollte bereits sein, im Fall der Fälle“, gibt er schließlich zu. Das genügt dem General nicht, daher setzt er zu einer weiteren Rede an:
„Wir müssen unsere Aufmerksamkeit gen Osten richten. Schaut, was für ein verlogenes Pack dabei ist, in Russland die Macht zu übernehmen. In Brest-Litowsk faseln sie vom Selbstbestimmungsrecht der Völker und kaum errang die Ukraine ihre Unabhängigkeit, dringen ihre roten Bataillone über deren Grenze vor und führen Krieg. Weniger als ein Viertel der Russen wählte im vergangenen November die Bolschewiki, was macht dieser Trotzki, der unseren Unterhändlern ständig von den hehren Absichten seiner Regierung erzählt? Er lässt die Wahlen für ungültig erklären und setzt Räte ein. Diesem Geschwür muss man den Nährboden entziehen, bevor es sich weiter ausbreitet. Die Menschen, die unter diesem Krieg leiden und hungern, sind nur allzu bereit, auf diese Leute hereinzufallen. Europa wird uns dankbar sein, wenn wir gemeinsam mit Polen und den Balten ein Bollwerk gegen den Kommunismus errichten.“

Die Wahrheit ist oft anders und verbietet die einfachen Antworten, die nicht selten von den größeren und kleineren Lügen der Geschichte geprägt werden. Sehen Sie dazu auch nachfolgenden Film:

Freundlichst Ihr F. C. Mey – Zu Meinungen oder Ansichten nutzen Sie die Kommentar-Funktion der Beiträge.


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1 Kommentar zu "Frank C. Mey – Flucht und Vertreibung – Leseproben"

  1. Na endlich, hatte schon gedacht, da kommt nichts mehr nach der lang zurück liegenden Ankündigung

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