Erich Mielke (2015) – Der Tyrann eines Systems

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Ich. Erich Mielke – Die traurige Figur eines Stalinisten

Psychogramm des DDR-Geheimdienstchefs – Ein Tyrann im Chefsessel

Die Banalität der Macht zeigte sich bei Erich Mielke am Frühstückstisch. Die Sekretärinnen des gefürchteten Ministers für Staatssicherheit hatten augenscheinlich eine Sammlung von Karteikarten angelegt, wie am Morgen eingedeckt werden musste …

Ich. Erich Mielke

Von Birgit Rasch und Gunnar Dedio – Wir schreiben das Jahr „27“ nach dem Fall der Mauer und der Stacheldrahtzäune mit ihren Minenfeldern und Selbstschussanlagen, siebenundzwanzig Jahre und manch einem scheint es, als sei es gerade gestern gewesen. Viele tausend Seiten Bücher sind seither beschrieben und viele Kilometer Film entstanden, manches verklärt, einiges übertrieben, anderes, versucht man, eigene Erfahrungen und Erlebnisse, ob positiv oder negativ, auszublenden und sich der Position des unbetroffenen Betrachters anzunähern, gibt das Bild DDR mit all seinen Auswüchsen, von prosaisch bis bizarr, umfassend wieder. amazonvideo

Blick in die Innereien

Aus den Innenansichten Einzelner, die aber mit Allmacht ausgestattet waren und bis zum Zusammenbruch nichts zu befürchten hatten, lässt sich ein Gesamtbild zeichnen, das dem jubelnder Jungpioniere und FDJ-Mitglieder, dem SED-Staat treu ergeben demonstrierender Werktätiger und glücklicher Menschen wie ein Zerrbild gegenüber steht. Angesichts der Verklärung, die zuzunehmen scheint, je mehr Zeit vergeht, ist es jedem nur zu raten, hin und wieder ein Buch in die Hand zu nehmen oder sich einen Film anzuschauen, das Ganze frei vom eigenen Schicksal, das nicht immer so verlief, wie man es sich vorstellte.

Heils-Denken als Produkt der Manipulation

Abgesehen davon, dass selbst dieses „Heils-Denken“ ein Produkt der Manipulation war, sollte man sich die Frage stellen: „Wie war sie denn nun wirklich, diese unsere ehemalige DDR – War es wirklich die Unsere?“
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Ich.Erich_MielkeDie Banalität der Macht zeigte sich bei Erich Mielke am Frühstückstisch. Die Sekretärinnen des gefürchteten Ministers für Staatssicherheit hatten augenscheinlich eine Sammlung von Karteikarten angelegt, wie am Morgen eingedeckt werden musste.

Die Furcht vor dem Chef

In der Draufsicht ist dort auch der Tisch mit Bleistift gezeichnet worden. Handschriftlich ist auf einer Karteikarte vermerkt „weiße Stoffserviette“. Mit Maschine geschrieben wurde indes der wichtigste Hinweis: „2 Eier, 4 1/2 Minuten kochen, vorher anpicken“.
Es ist nicht so sehr die Pedanterie, die einen erschüttert, sondern eher die Atmosphäre der Einschüchterung, die aus diesen Karteikarten spricht. Offenbar muss die Furcht vor dem Chef, Erich Mielke, unter diesen Frauen so groß gewesen sein, dass sie die Tischordnung auf Papier festhalten mussten (Rez. TA vom 07.09.2015)

Eigentlich ein armes Würstchen

Erinnerungen des Autors dieser Seite: Ich erinnere mich noch sehr genau, als Erich Mielke in der „Bütt“ vor diesem Gremium stand, dem man irgendwann den Namen „Volkskammer“ verliehen hatte, dessen alleinige Aufgabe allerdings darin bestand, die Beschlüsse des Politbüros und des ZK der SED mit Handzeichen abzusegnen, um diesem Zirkus wenigstens den Schein einer Demokratie einzuhauchen. Erich Mielke: „Ich liebe Euch doch alle, ich habe Euch doch immer lieb gehabt …“ Da hat er sein wahres Ich gezeigt, das eines armen Würstchens, der den Tyrannen nach außen kehren musste, um von seinen eigentlichen Schwächen abzulenken, ein Charakteristikum des Systems. amazon_audible

Birgit Rasch

Dramaturgin, Jahrgang 1970, studierte Theater- und Filmwissenschaft sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in Berlin und Berkeley, USA. Sie arbeitet als Autorin, Dramaturgin und Creative Producerin für Film, Fernsehen und Theater. Von 1999 bis 2008 war sie Dramaturgin am Maxim Gorki Theater, am Schauspiel Leipzig und am Deutschen Theater Berlin. Dort leitet sie seit 2003 die Gesprächsreihe „Gregor Gysi trifft Zeitgenossen“. Zwei Interviewbände mit Gesprächen aus dieser Reihe hat sie veröffentlicht. Für LOOKS Filmproduktionen hat sie intensiv über Erich Mielke geforscht.
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1989 – als das System endgültig kollabierte. Nikolaikirche – ein beeindruckendes Zeitdokument des unvergessenen Erich Loest als Roman und als Film mit Barbara Auer und Ulrich Matthes, Regie: Frank Beyer

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Seinen Aufstieg zum FDJ-Chef erkaufte er sich durch Liebedienerei gegenüber Walter Ulbricht, den er später mit Breschnews Hilfe stürzte. Sein Jagdgefährte Mielke half bei der Entmachtung von Stasi-Minister Wollweber und dem zweiten Mann nach Ulbricht, Karl Schirdewan. Auf dem Gipfel der Macht ging nichts mehr ohne den Generalsekretär und Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker: die Vergeudung des Volksvermögens, die kriminellen Transaktionen von Koko, der Aufbau eines monströsen Systems politischer Überwachung, der Schießbefehl. Peter Przybylski, ehemaliger Pressesprecher des Generalstaatsanwalts der DDR, hat teilweise nicht zugängliches  Aktenmaterial, Dokumente, Zeitzeugenaussagen zusammengetragen – die Akte Honecker, ein aufregendes Dokument der Zeitgeschichte. Mehr dazu finden Sie hier>>>

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