Sarah Wagenknecht – Buchvorstellung anders

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Reichtum ohne Gier

Wie wir uns (angeblich) vor dem Kapitalismus retten

Worüber schreibst Du eigentlich, Mütterchen? Ist man geneigt,  die Autorin zu fragen. Dies in Anlehnung an Sostschenkos Kuh im Propeller, als der Wächter der Fliegerschule den dummen Bauern seines Dorfes das Flugwesen nahe bringen sollte. Auch Pferde? Auch Pferde, ritsch, ratsch!

Campus Verlag Frankfurt/ New York

Wenn ansonsten in dieser Rubrik das Wort Buchtipp steht, sollte es heute wohl eher „Anti-Tipp“ lauten, verbunden mit der Frage, auf welchem Wege es Bücher wohl in Bestsellerlisten schaffen, noch dazu auf Platz Eins beim „Spiegel“. Eine Antwort könnte lauten, dass nicht jeder, der das Buch kauft, sich mit dessen Inhalt identifiziert. „Wollen wir doch einmal sehen, was uns Frau Wagenknecht in ihrem neuen Buch so zumutet“, könnte ein Antrieb sein, jedenfalls traf derselbe bei mir zu. Es ist seit März diesen Jahres auf dem Markt und ich hatte nicht vor, es zu kaufen, bis… Ja bis Frau Wagenknecht mit ihren Bemerkungen zur Ausländerpolitik selbst bei der AfD für Applaus sorgte, während einige Muster-Linke vor Wut in ihre Schreibtischkanten bissen.

Schon der Waschzettel lässt einiges erahnen:

»Es ist Zeit, sich vom Kapitalismus abzuwenden«, sagt Sahra Wagenknecht. Denn der Kapitalismus ist längst nicht mehr so innovativ, wie er sich gibt. Bei der Lösung der großen Zukunftsfragen – von einer klimaverträglichen Energiewende bis zu nachhaltiger Kreislaufproduktion – kommen wir seit Jahrzehnten kaum voran. Für die Mehrheit wird das Leben nicht besser, sondern härter.
Es ist Zeit für eine kreative, innovative Wirtschaft mit kleinteiligen Strukturen, mehr Wettbewerb und funktionierenden Märkten, statt eines Wirtschaftsfeudalismus, in dem Leistung immer weniger zählt, Herkunft und Erbe dagegen immer wichtiger werden.

Sahra Wagenknecht fordert
– eine andere Verfassung des Wirtschaftseigentums,
– die Demokratisierung des Zugangs zu Kapital und
– die Entflechtung riesiger Konzerne, deren Macht fairen Wettbewerb und Demokratie zerstört.
– Talent und echte Leistung zu belohnen und Gründer mit guten Ideen ungeachtet ihrer Herkunft zu fördern.

Mit ihrem Buch eröffnet Wagenknecht eine politische Diskussion über neue Eigentumsformen und die vergessenen Ideale der Aufklärung. Sie legt eine scharfsinnige Analyse der bestehenden Wirtschaftsordnung vor und zeigt Schritte in ein demokratisch gestaltetes Gemeinwesen, das niemandem mehr erlaubt, sich zulasten anderer zu bereichern. So, so?!
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Eine Reihe hervorragender Stimmen, wobei hie und da ein wenig Ironie nicht zu übersehen ist:

»Das Buch ›Reichtum ohne Gier –Wie wir uns vor dem Kapitalismus retten‹ ist wirklich gut geschrieben. Die Autorin beherrscht die Kunst des klaren Denkens und kennt sich über den Unterschied von Haben und Nichthaben auch in der Praxis aus.« Peter Gauweiler

Über diesen Kommunismus könnte man reden – FAZ



Nun möchte ich nicht nachstehen, und hier meine Rezension anhängen, die Sie bei Amazon lesen können:

Worüber schreibst Du eigentlich, Mütterchen? Ist man geneigt,  die Autorin zu fragen. Dies in Anlehnung an Sostschenkos Kuh im Propeller, als der Wächter der Fliegerschule den dummen Bauern seines Dorfes das Flugwesen nahe bringen sollte. Auch Pferde? Auch Pferde, ritsch, ratsch! Spaß beiseite. Die Autorin stellt bereits in den einführenden Kapiteln sehr deutlich unter Beweis, dass sie die Spielregeln der Propaganda hervorragend beherrscht und nicht umsonst zu den bekanntesten Apologet|innen eines Systems gehört, das seine Chance hatte und diese nicht nutzen konnte, weil? Dass daran noch immer ganze Scharen „Rechtgläubiger“ würgen, dafür kann niemand etwas. Erstaunlich ist nur, dass Shakespeare und Madame Pompadour Vergleiche liefern müssen, und Einstein, na gut, der passt auf alles, man also sehr weit nach hinten greift, wo es doch viel jüngere Beispiele in der kurzen Geschichte des real existierenden Sozialismus gibt, die von ähnlichem künden, aber unerwähnt bleiben. Ach ja, wir müssen doch nach vorn schauen, so schreibt sie. Da wird der Leserschaft zunächst einmal hoch konzentriert das gesamte Elend dieser Welt präsentiert, verbunden mit der unterschwelligen Frage: „Wollt Ihr das?“ Wer würde da schon Ja sagen wenn es um hungernde und sterbende Kinder geht, um Flüchtlinge und mehr, wir wissen das. Der Kopf wird eingeschossen für das darauf Folgende, nachdem man zum einhundertsten Mal und öfter dachte: „Nein, das wollen wir nicht, nicht mehr, nicht mehr länger!“ Und wer trägt die Schuld? Na wer wohl? Der Westen, wer sonst? Kein Satz darüber, dass der Ostblock in der Zeit des Kalten Krieges große Teile zum Beispiel des arabischen Terrors finanzierte, dass die Hinterlassenschaften der kommunistischen Misswirtschaft in den osteuropäischen Staaten noch heute nachhalten, nicht ohne immense Schäden für die Umwelt. Darauf sei besonders verwiesen, weil es wieder einmal der Kapitalismus ist, der die Schuld daran trägt, dass die klimaverträgliche Energiewende nicht so schnell verläuft, wie man es sich wünscht. Das System, sie nennt es permanent Kapitalismus, sei nicht mehr so innovativ, wie es sich gäbe, nanu?  Und unter die vielen Dämonen, die die Autorin beschwört und die man nur mit weit nach vorn gestreckten Armen abwehren kann und den Leser in den Schlund der totalen Ablehnung ziehen sollen, gleichsam in die Arme der Autorin, werden die kleinen und großen, altbekannten Lügen gemixt. 1 Prozent der Weltbevölkerung besitzen mehr als alle anderen auf dieser Welt, das stimmt nicht. 10 % besitzen 90 % des Reichtums und  zu diesen  10 Prozent gehört selbst der untere Mittelstand in den entwickelten Industrieländern, also auch Frau Wagenknecht (die man durchaus im gehobenen verorten darf). Aber das klänge ja nicht so gut. Und nach all diesen furchtbaren Tatsachen, die, was einige historische Betrachtungen betrifft, bei Marx abgeschrieben sind, sitzen wir Kaninchen zitternd am Boden und warten auf die Lösungsvorschläge. Eine andere Verfassung des Wirtschaftseigentums, Demokratisierung des Zugangs zu Kapital. Wie soll das gehen? Lenin forderte im November 1917  in seiner Rede vor Petrograder Arbeiter- und Soldatenräten auf: „Schlagt die Kulaken tot!“ Das kann man in einer halbwegs zivilisierten Welt nicht mehr schreiben, also nennen wir es anders: Demokratisierung des Zugangs zu Kapital: Volksbefragung: „Wem soll ab morgen die Deutsche Bank gehören?“ „Uuuns!“ brüllt die verwirrte Menge und schlägt schon einmal die Büromöbel kaputt. Und wenn man dann das Kapital demokratisch verteilt hat, kommt Väterchen Stalin und sammelt alles wieder ein, damit das dumme Volk keinen Unfug macht. Ehe man sich versieht, ist es verfrühstückt. Als wenn wir das noch nicht erlebt hätten. Mehr Kleinteiligkeit in den Wirtschaftsstrukturen, so, so, das fördert dann auch noch die Innovation,  wie man lesen kann.  Wie nun, vom Staat geförderte Produktivgenossenschaften? Das kritisierte Marx bereits an Lasalle in seiner Kritik am Gothaer Programm. Und um zurück zu kommen auf die Innovationskraft. Sollen solche Milliardeninvestitionen, die das Leben von Menschen schützen wie zum Beispiel das Stauwehr von New Orleans, um nur eines zu nennen, u. a. in Zukunft von einem Konsortium aus Sparkassen und Volksbanken im Verbund mit Handwerksbetrieben finanziert und hergestellt werden? Kleinteiligkeit!  Windparks, Solaranlagen u. a. werden im Handwerksbetrieb um die Ecke produziert? Good bye Energiewende. Es genügt, Reichtum ohne Gier, Karl Marx in moderne Worthülsen verpackt, die neue Religion, nicht mehr und nicht weniger, Religion ohne Götter, die kommen dann später und erscheinen als Generalsekretäre mit ihrem Heer willfähriger Paladine. Religion, weil die Lehre auf Glauben setzt und ein Zukunftsversprechen abgibt, das auf Erden nicht zu realisieren ist, jedenfalls nicht absehbar. Ja, wir müssen das Elend überwinden und warum das nicht so schnell geht und gar nicht so schnell gehen kann, das erfährt man vielleicht im Rio-Protokoll, das die Autorin in keiner Silbe erwähnt. Warum auch? Das Buch streichelt die Seelen der Altstalinisten und ihrer Nachkommen, vielleicht noch die Träume einiger Sozialromantiker, brauchbare Antworten liefert es jedoch keine.

Dass sie eine gute Propagandistin ist, stellte sie, wie bereits erwähnt, mit ihren Bemerkungen zur Ausländerpolitik unter Beweis. Die LINKE verliert Stimmen an die AfD, bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Meck-Pomm droht ein Einbruch, da muss man doch ein wenig gegensteuern, oder? Ich habe mir erlaubt, einen Beitrag des MDR ein wenig nach zu bearbeiten:

Die Dame bewegt die Gemüter, das darf man ihr nachsagen. Sogar die Gemüter zweier meiner Helden des Romans, an dem ich seit geraumer Zeit schreibe. Die Einführung dazu finden Sie hier>>>>>  Eine Leseprobe aus dem bereits fertigen Ersten Buch hier>>>>

Leseprobe aus dem Dritten Buch:  Ein warmer Spätsommerabend, beide sitzen auf Poschmanns Terrasse, im „Haus am Fluss“, wie Mälzer die kleine Stadtvilla gern scherzhaft zu nennen pflegt, und trinken Rotwein. An diesem Abend gleicht er mehr einem Bach, dieser Fluss, seit mehreren Tagen fiel kein Regen mehr und in den nahen Wäldern herrscht die höchste Waldbrand-Warnstufe. Seit dem Frühjahr hatte es ohnehin wenig geregnet in dieser Region, während anderswo Menschen Haus und Hof an reißende Fluten verloren. Auf den nun frei liegenden Steinen im Flussbett setzt bereits Fäulnis am Algenbewuchs ein und der Geruch dringt bis an die Nasen der beiden Rotweintrinker. Auf Poschmanns Frage hin, ob man lieber ins Haus hinein gehen solle, winkte Mälzer nur ab. Es rieche geradezu ein wenig nach Meer, wehrte er ab, nach Tang und Teer. Dazu summte er ein Stück der Melodie einer aus den Fünfzigern des vergangenen Jahrhunderts her bekannten Seemannsschnulze

  „Einen guten Tropfen hast du ausgesucht…“ Nachdem er den ersten Schluck mehrmals im Mund hin und her schob, bevor er ihn hinunter schluckte, hebt Mälzer das Glas gegen die untergehende Sonne und betrachtet nachdenklich die funkelnde Flüssigkeit. „Da fällt mir immer das Lied von der Reblaus vom alten Moser ein: drum tu i den Waan net trinken, sondern baaßen, i mog den Roten grad so gerne wie den Waaßen…“ fügt er kurz darauf lachend hinzu und stellt das Glas zurück auf den Tisch.
  „Ach Poschmann, du kannst es gut haben, wohnst in einer Villa am Fluss und gibst Rotwein aus, die Flasche nicht unter fünfzehn Euro…“, lästert Mälzer. „Dabei haben wir beide annähernd dieselbe Lebensarbeitszeit hinter uns.“
  „Wirst wohl etwas falsch gemacht haben“, kontert der Angesprochene grinsend und nimmt anschließend einen langen Zug aus dem Glas, während Mälzer seine erste Zigarette anzündet.
  „Ich war nie so gierig nach Geld in meinem Leben…“, Poschmann unterbricht ihn entrüstet: „Na, na, gierig…!“
  „War doch nur Joke…“, erwidert Mälzer lachend. „Aber Spaß beiseite…“, er zieht mehrmals hastig am Glimmstengel, „kurz nach der Wende sagte einer deiner Landsleute, ein Unternehmer aus Hessen, mit dem ich hin und wieder zu tun hatte, zu mir: Mälzer, sagte er, aus ihnen wird nie ein guter Unternehmer, ihnen fehlt der unbedingte Wille, reich zu werden.“ Er lehnt sich zurück und klopft mit beiden Händen auf beide Oberschenkel. „Hat er gesagt und er wird wohl sogar Recht gehabt haben.“

  Poschmann schaut in die wenigen Rinnsale, die sich zwischen mehr oder weniger großen Steinen im Flussbett ihren Weg suchen. „Reichtum und Wohlstand, das sind für mich zwei Kategorien, die noch sehr weit auseinander liegen“, antwortet er schließlich nach kurzem Nachdenken.

  „Ach, übrigens, ich habe vor einigen Tagen das neue Buch eurer wissenschaftlichen Vortänzerin gekauft und sogar gelesen“, berichtet Mälzer stolz nach einem weiteren Schluck aus dem Weinglas. „Reichtum ohne Gier, ein großer Spruch, auf den dann zweihundertsiebenundachtzig Seiten mit sehr viel heißer Luft und vielem bereits gesagtem oder geschriebenem folgen. So etwa Marx in moderne Sprache übersetzt…“
  „Nun weißt du ja wenigstens, warum ich es nicht gekauft habe und wahrscheinlich nicht einmal lesen will. Letzteres hättest du mir doch jetzt bestimmt postwendend angeboten.“
  „Das überrascht mich jetzt aber wirklich!“ Mälzer schaut seinem Gegenüber forschend in dessen gleichgültig wirkendes Gesicht und angelt dabei die nächste Zigarette aus dem Päckchen.
  „Ich mag diese Frau nicht, wirkt mir zu abgehoben, manchmal nahezu überheblich, für das Geld kaufe ich lieber eine gute Flasche Rotwein“, woraufhin er zur Flasche greift und die Gläser nachfüllt. „Und nach ihren Sprüchen zur Flüchtlingspolitik mag ich sie noch weniger“, fügt er kurz darauf hinzu und wischt sich die Weinreste seines letzten Schlucks mit einem Finger von den Lippen. „Was aber nicht bedeuten soll, dass ich ihr nicht in Vielem was sie verkündet, auch Recht gebe, obwohl ich mich nicht für einen lupenreinen Marxisten halte, wie du ja weißt.“
  „Übrigens habe ich eine Rezension auf dem Verkaufsportal geschrieben, willst du die wenigstens lesen?“
  Auf Poschmanns gelangweiltes Nicken hin, zieht Mälzer sein Smartphone aus der Tasche und tippt den Namen der Webseite in den Browser ein, dann reicht er dasselbe über den Tisch. Sein Gesprächspartner zieht die Stirn kraus und wiegt lesend den Kopf von der einen auf die andere Seite.

  „Starker Tobak“, gibt er schließlich grinsend zu, „hätte vor der Wende Stasi-Haft eingebracht, den Genossen Marx derart zu verunglimpfen!“
  „Habe ich ihn den verunglimpft?“
  „Na wenn du schreibst: Karl Marx in moderne Worthülsen verpackt und die Autorin angreifst, greifst du gleichzeitig den Urvater der Theorie an und stellst in diesem Sinne selbst all das in Frage, worin sie nach meiner Auffassung Recht hat.
  „Ach komm, Lutz, du weißt doch, dass es ein bisschen schwanger nicht gibt. Ebenso wenig gibt es ein bisschen Kapitalismus oder ein bisschen Kommunismus. Und einiges, was sie schreibt, halte ich geradezu für grotesk.“
  „Was zum Beispiel?“
  „Sie behauptet, es gäbe keine oder zu wenig Innovation, es gäbe in unserer Realität in Wirklichkeit gar keinen Wettbewerb, Kapitalismus und Wettbewerb schlössen sich sogar aus. Sie behauptet, die Märkte würden von einigen wenigen Konzernen beherrscht. Das sei nicht einmal mehr Kapitalismus oder Marktwirtschaft, sie nennt es Wirtschaftsfeudalismus…Wirkliche Beispiele oder Beweise, Fehlanzeige, nur Behauptungen, die sie mit einigen Zitaten unterstreicht.“ Mälzer winkt ab, „könnte ich jetzt noch eine halbe Stunde lang aufzählen, aber belassen wir es dabei. Aber manchmal musste ich mir beim Lesen schon die Augen reiben und den Kopf mit der Frage auf den Lippen mehrmals im Kreis drehen, ob ich mich irgendwo im Nirgendwo befinde oder die Autorin selbst. Und dann immer wieder diese uralten Gerechtigkeitskamellen, leistungsloses Einkommen, sprich Kapitalrendite sei zu verurteilen, der Unternehmer sollte nur seine eigene unternehmerische Leistung bezahlt bekommen, womit wir dann wieder, wie nicht anders zu erwarten, plötzlich bei Marx` Profittheorie wären, dem alten Zopf, dass der Arbeiter mit seiner Arbeit mehr Wert schaffe, als seine eigene Arbeitskraft auf dem kapitalistischen Markt wert ist. Ein Grundpfeiler der späteren Leninschen Revolutionstheorie: Leute, ihr werdet beschissen, betrogen, ausgeraubt, ausgebeutet. Nehmt euch, was euch zusteht und wenn sie es euch nicht freiwillig geben, schlagt sie tot!“
  Poschmann räuspert sich. „Was ich von Lenin halte, das weißt du, aber das davor ist doch nicht zu beanstanden, jedenfalls nicht die Feststellung, dass es so ist!“
  „Das streitet doch auch niemand ab, nur die Schlussfolgerungen sind falsch, jetzt mal abgesehen von Lenin. Würde der Kapitalist und ein Rudel von ihm gemästeter Schweine alles verfressen, was er dem Arbeiter vorenthält, wäre es noch zu verstehen. Aber er verfrisst es eben nicht, das genau ist der Punkt. Und wenn wir jetzt nach Marx verfahren und der Arbeiter Eigentümer der von ihm bedienten Produktionsmittel wird, dann will er erst einmal mehr zu fressen, was hätte er sonst davon, oder ein paar Stunden weniger arbeiten, oder, oder, oder. Und ehe wir uns versehen, ist all das schöne Kapital verspeist. Haben wir alles schon einmal erlebt!“ Mälzer ereifert sich zusehends und drückt, als wolle er den Schlusssatz damit zusätzlich unterstreichen, seine Zigarettenkippe nervös in den Ascher.
  „Und dann lies erst einmal, welche Wirtschaftsformen sie sich vorstellt“, Mälzer schnappt nach Luft und schüttelt lachend den Kopf.
  „Wenn ich dich so reden höre, wie du dich über dieses Buch ereiferst, dann bekomme ich allmählich Lust, es doch zu lesen“, Poschmann nachdenklich, bevor er erneut zum Glas greift, „also verrate mir nicht gleich alles, sonst ist die Spannung weg.“
   „Spannung? Unter Spannung verstehe ich aber etwas anderes. Gut geschrieben, urteilt ein bekannter bayrischer Politiker, das würde ich noch zulassen. Also nun mal ernsthaft…“, Mälzer greift zum Glas und schwenkt den Rest des Weines. „Die erste Deuter-Generation nach Marx nannte die neue Eigentumsform Volkseigentum. Dass dies unhaltbar war und nicht zu der gewünschten Identifizierung der Arbeiter mit ihren Produktionsmitteln und -aufgaben führte, sehen inzwischen selbst die Ultralinken ein. Nun erfindet sie, Angehörige der zweiten Deuter-Generation, als eines mehrerer neuer Konstrukte, die Mitarbeitergesellschaft. Ein Unternehmen, das niemandem gehört, nur sich selbst. Eigenkontrolle durch die Mitarbeiter, stärkere Motivierung, das klingt wie Gewerkschafts- oder Parteiversammlung in unseren früheren Volkseigenen Betrieben, materielle Interessiertheit der Mitarbeiter, sozialistischer Wettbewerb, Schwachsinn, hat alles nicht funktioniert.“

  „Vielleicht funktionierte es nicht, weil Parteiführung und Staat durch ständigen Eingriff letztendlich Führung und Kontrolle übernommen haben und die Betriebsleitungen am Ende nur zu willfährigen Marionetten degradierten?“ Poschmann zieht die Augenbrauen hoch und schaut Mälzer eindringlich an. „Ich habe das ja nie live miterlebt, aber du hast es mir so erklärt“, fügt er triumphierend kurz darauf hinzu.
  „Das eine zog das andere nach sich. Weil die zwangsweise Enteignung der kapitalistischen Unternehmen nicht zum Erfolg führte, auch kein Subbotnik den Niedergang der Wirtschaft aufhalten konnte…“, Mälzer lacht, als er das Wort ausspricht und wiederholt es mehrmals, „Subbotnik half nicht, also fiel Lenin das System der deutschen Kriegswirtschaft im Ersten Weltkrieg ein, die unbeschränkte staatliche Kontrolle und der Zwang, das zu produzieren, was der Staat für richtig hielt. Er hatte ja im Exil genügend Zeit, sich damit zu beschäftigen und er sah darin den einzigen Weg, zu verhindern, dass alles zusammen bricht.“
  Beide trinken schweigend.

  „Weist du, Lutz, worauf sich meine Bedenken im Besonderen stützen?“ Mälzer bläst den Rauch seiner Zigarette kraftvoll in die aufziehende Dämmerung dieses warmen Sommertages hinein.
  „Sag es mir!“
  „Die Theorie in diesem Buch stützt sich darauf, dass zumindest die überwiegende Mehrheit der Menschen dasselbe will, in Zielen wie an Wegen dahin und führt einen der allergrößten Denkfehler Marx` konsequent weiter. In seiner bekanntesten These über Feuerbach fehlt nur ein winzig kleines Wörtchen, dann wäre sie sogar richtig; denn das menschliche Wesen ist nun eben zu einem Teil ein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum, ABER es ist AUCH das Ensemble auf ihn einwirkender gesellschaftlicher Verhältnisse. Beides trifft zu, bei einem mehr, bei anderen weniger.“
  „Und was hat das nun schlussendlich mit diesen neuen Wirtschaftsmodellen zu tun?“ Poschmann schaut seinen Gesprächspartner ungläubig an.
  „Wie ich schon sagte, deren Umsetzung verlangt ein anderes Menschenbild, früher die sozialistische Persönlichkeit genannt, heute… morgen… Fragezeichen?“ Mälzer denkt nach und trinkt den letzten Schluck aus dem Glas.
  „Ich befürchte, dass es Nährboden für politische Institutionen liefert, die erneut versuchen könnten, die Menschen mit Gewalt zu verändern…“, dann setzt er das Glas lauter als gewohnt auf dem Tisch ab.
  „Aber das Träumen sollte man den Menschen schon noch erlauben, in diesem Sinne…“

  „Apropos Träumen“, Poschmann rückt seinen Stuhl ein wenig vom Tisch weg, „ich habe da noch einen guten, in Whisky-Fässern gereiften Grappa.“ Genussvoll streckt er sein Kinn in die Höhe.

  „Dann lass uns den mal trinken, bevor hier noch das Proletariat aufmarschiert und uns den wertvollen Tropfen weg säuft…“

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1 Kommentar zu "Sarah Wagenknecht – Buchvorstellung anders"

  1. Rosa Wagenburg, ich lach mich weg. Aber wenn man genau hinschaut, besteht eine gewisse Ähnlichkeit und scheinbar will sie das sogar, der großen Rosa nacheifern, auch vom Äußeren her. Als das Buch kaufe ich nicht, ist ja auch als Antitip ausgewiesen, da ist mir das Geld ebenfalls zu schade. Man weiß doch, wie die Dame tickt, treibt sich doch oft genug in Talk-Shows herum. Das höre ich mir nicht mehr an. Trotzdem danke für den Beitrag und das Video. Vor allem die Tortenszene… „Ich hatte doch eine Pizza bestellt…“, weg lach,
    Gruß aus München

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