Graham Greene – Die Kraft und die Herrlichkeit

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Buchvorstellung

Mit diesem Roman erlangte der Autor 1940 Weltruhm

Doch die triebkräftige Liebe, die seinen Finger um den Abzug der Pistole gekrümmt hatte, war jetzt schal und tot. „Natürlich wird sie wiederkommen“, dachte er. Sie glich dem Verlangen nach einer Frau, weil sie sich immer wieder einstellte; an diesem Morgen hatte er sich befriedigt, und was er jetzt empfand, war die Sättigung, weiter nichts…

Als mir während der Ruhe und Besinnlichkeit der Vorweihnachtstage beim Durchstöbern meiner irgendwann geschenkt bekommenen, aber noch noch nicht angeschauten DVD die Neuverfilmung der Buch-Vorlage „Brighton Rock“ von  Graham Greene aus dem Jahre 2010 in die Hände fiel, erinnerte ich mich an eine Reihe hervorragender Romane dieses Ausnahme-Schriftstellers, die in meinem Bücherregal stehen und in diesem Blog noch leine Erwähnung fanden (neben vielen anderen, aber wir haben ja hoffentlich noch sehr viel Zeit). Wenn Sie also noch nicht wissen, was Sie zum Weihnachtsfest verschenken sollen, und wenn die zu beschenkende Person eifrige(r) Leser|in ist, mehr noch Liebhaber|in spannend verarbeiteter Ereignisse des jüngeren Zeitgeschehens ist, dann führt an Graham Greene kein Weg vorbei.
Meine Sammlung an Büchern dieses Autors ist daher etwas umfangreicher als andere, da Greene in der DDR verlegt wurde; zwar als „Bück-Dich-Ware“, was nichts anderes bedeutete, als dass die Auflagen gering ausfielen und man gute Kontakte zu Buchhändlern benötigte, um eine Ausgabe zu ergattern.


Wie das war, damals in der DDR, in diesem Falle auf erotische Literatur bezogen, können Sie auch in einem meiner Bücher, in Dunkle Perlen lesen (Leseprobe aus dem Ersten Buch): Das Buch „Venus im Pelz“ von Sacher-Masoch las ich erst viele Jahre später, es wurde in der DDR nicht verlegt, sonst hätte ich es gekannt. Beim Lesen fiel mir sofort dieser Abend in dem Hotel ein und ich bedauerte sehr, es nicht davor gelesen zu haben. Vielleicht kannte sie es damals bereits, auf jeden Fall schien sie oft und gern zu lesen. Ich erinnerte mich, dass mehrere Bücher auf ihrem Nachtschrank lagen.
  Mit erotischen Büchern, noch dazu deftigen Inhalts, war es in der DDR ohnehin schlecht bestellt, der Staat achtete mit Argusaugen darauf, dass seine Bürger nicht der Dekadenz des Westens verfielen. Und wenn etwas verlegt wurde, dann nur in geringen Auflagen und die wurden meist unter den Ladentischen verkauft, man musste also einen Verkäufer gut kennen.
  Ich kannte Putzi, das war sein Spitzname und Putzi war schwul, Verkäufer, einer der idealen Berufe für Schwule, weil man Menschen kennen lernen und mit ihnen ins Gespräch kommen konnte. Es war nicht leicht in der DDR, schwul zu sein, der § 175 war zwar abgeschafft, aber in der überwiegenden gesellschaftlichen Wahrnehmung galten Schwule trotzdem als abartig.
  Putzi war ein netter, sehr höflicher und zuvorkommender Mensch, ich konnte ihn gut leiden, und wer ihn gut leiden konnte, der hatte bei ihm große Chancen.
  In der Buchhandlung gab es, neben Büchern, auch Schallplatten und so kam man hin und wieder an eine Westplatte heran oder eben an ein Buch mit knapper Auflage. Degenhardt wurde verlegt, weil er ein kritischer Liedermacher war, der dem Kapitalismus hin und wieder eine auf die Schnauze hieb. Es gab zwei Bücher von ihm, „Brandstellen“ und „Zündschnüre“, in denen Textstellen, wie „Ficken mit Anschleichen, nach der Art der gehobenen Gesellschaft“, oder „Sugga Trietsch hielt sich eine Hand voll Stroh vor die Pflaume“, vorkamen. Das war für DDR-Lesegenuss bereits phänomenal. Als ich Jahre später die Bücher von Henry Miller las, oder andere, musste ich mitunter in mich hinein grinsen, wenn ich an diese Zeit zurück dachte.

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Greenes Schreibstil, der den Leser hinein ins Geschehen entführt, faszinierte mich bereits seit dem ersten Buch, das ich von ihm in der Hand hielt (Die Stunde der Komödianten), war es doch das Geschehen in einer Welt, die wir nach damaligem Ermessen wohl nie zu sehen bekommen würden. Eine Welt in Zeiten, nach denen man sich, was die allenthalben beschriebenen Ereignisse betrifft, zwar nicht unbedingt sehnte, aber Greens Blick ging stets weiter, tiefer als nur bis an die Oberfläche, die uns im Herrschaftsbereich des Kommunismus als blanke Schwarz-Weiß-Welt vorgeführt wurde, und somit folgten seine Bücher nicht ganz den Absichten der herrschenden Kultur- und Kunst-Kontrolleure. Ein Grund für die geringen Auflagen. Etwas plakativer und vollumfänglich im Sinne des kommunistischen Kulturbetriebes übernahm letztere Aufgabe ein DDR-Schriftsteller namens Harry Türk – nicht umsonst der Graham Greene der DDR genannt -, der in weit größerer Auflage erschien, weil er als Ursache für alles Böse auf dieser Welt den Kapitalismus und ganz besonders den US-Imperialismus brandmarkte. Einige Bücher, die es in der friedlich entschlafenen DDR nicht gab, wurden dann nach der Wende ergänzt. Dazu gehörte:

Die Kraft und die Herrlichkeit

1940 zuerst in London erschienen. Der Roman entstand nach einem Besuch Greenes in  Mexiko im Jahre 1938 und erzählt die Geschichte zweier völlig unterschiedlicher Charaktere vor dem Hintergrund der Guerra Cristera, einer Auseinandersetzung zwischen streng religiös geprägten Bauern und der im Ergebnis der Verfassungsreform von 1917 eingeleiteten antiklerikalen Bewegung der Zentralregierung in Mexiko-City in den 20`er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Es kam zu Morden an Geistlichen und deren Anhänger, die sich an verschiedenen Orten zu regelrechten Exzessen ausweiteten. Ein alkoholkranker Priester flieht von Dorf zu Dorf vor einer von einem jungen Offizier angeführten Polizeitruppe und wird am Ende von einem Dorfbewohner verraten, einem von jenen, denen sein ganzes Wirken gilt, denn Nächstenliebe steht bei ihm an allererster Stelle. Greene beschreibt beide Figuren als Helden, die in ihrer jeweiligen Welt gefangen sind, ohne dabei einen von beiden zu denunzieren.
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Die Mutter nahm noch einen Anlauf. „Feuer!“ rief sie, „und Juan erhob beide Arme über das Haupt und rief mit kräftiger, tapferer Stimme den Soldaten und den auf ihn gerichteten Gewehren zu: „Es lebe Christus, der König!“ Im nächsten Augenblick fiel er, von einem Dutzend Kugeln durchbohrt, und der Offizier bückte sich über seinen Leichnam, hielt den Revolver gegen seine Schläfe und drückte ab.
Vom Fenster her ertönte ein tiefer Seufzer.
Er hätte nicht noch einmal schießen müssen. Die Seele des jungen Helden hatte seine irdische Behausung bereits verlassen, und das glückliche Lächeln im Antlitz des Toten sagte sogar jenen unwissenden Menschen, wo Juan nun zu finden sei. Einer der Soldaten war von der Haltung des Helden so tief bewegt, dass er insgeheim sein Taschentuch mit dem Blute des Märtyrers tränkte, und dieses Taschentuch, zu hundert Reliquien zerschnitten, fand seinen Weg in zahllose fremde Häuser…

Der Junge hockte jetzt am Fensterbrett und starrte hinaus, während aus dem Zimmer hinter ihm die gedämpften Laute kleiner Mädchen kamen, die zu Bett gingen. Er wurde sich bewusst, dass seine Eltern einen Helden beherbergt hatten, wenn auch nur für vierundzwanzig Stunden. Und das war der letzte gewesen. Es gab keinen Priester und keinen Helden mehr. Ärgerlich lauschte er dem Marschtritt von Soildatenstiefeln, die sich auf dem Straßenpflaster näherten. Das alltägliche Leben drängte sich wieder an ihn. Auf dem Gehsteig näherte sich der Leutnant. In seinem Gang war etwas Forsches, etwas Trotziges, als ob er bei jedem Schritt verkündete: „Was ich getan habe, habe ich getan.“ Er warf einen Blick auf den Knaben hinein, der mit der Kerze in der Hand im Zimmer stand, und in seiner Miene spiegelte sich ein zweifelndes Wiedererkennen. Er sagte sich: „Ich würde noch viel mehr für ihn und für sie alle tun, noch viel mehr; für sie wird das Leben nie wieder so sein, wie es für mich war.“ Doch die triebkräftige Liebe, die seinen Finger um den Abzug der Pistole gekrümmt hatte, war jetzt schal und tot. „Natürlich wird sie wiederkommen“, dachte er. Sie glich dem Verlangen nach einer Frau, weil sie sich immer wieder einstellte; an diesem Morgen hatte er sich befriedigt, und was er jetzt empfand, war die Sättigung, weiter nichts. Durchs Fenster nickte er dem Jungen mit einem trüben Lächeln zu und sagte: „Buenas noches.“ Der Knabe blickte auf seine Pistolentasche, und dem Offizier fiel der der kleine Zwischenfall auf der Plaza ein, bei dem er einem Kind erlaubt hatte, seine Pistole anzufassen – vielleicht war es dieser Junge gewesen. So lächelte er von Neuem ud langte nach der Pistole, um ihm zu zeigen, dass er sich dieses Erlebnisses wohl entsann. Doch der Knabe verzog sein Gesicht und spuckte so zielsicher durch das Fenstergitter, dass ein kleiner Tropfen Speichel den Kolben der Pistole traf…

Mit experimenteller Schärfe entfaltet Greene, der selbst ein kritischer und von der „Sünde“ oft versuchter Katholik war, den Gegensatz bitteren Daseins und süßer Hoffnung vom Jenseits. Die Kraft und die Herrlichkeit ist ein beeindruckendes Stück Spannungsliteratur, rasant und aufwühlend erzählt. Selbst als Nicht-Gläubiger wird man zum mitfiebernden Leser.

Wie aktuell das Geschehene ist, zeigt ein Bericht von Open Doors aus diesem Jahr, in dem festgestellt wird, dass in einer Reihe von Regionen Mexikos, besonders angetrieben vom organisierten Verbrechen und Korruption nach wie vor Christen verfolgt und ermordet werden. Dies besonders, weil die katholische Kirche aktiv gegen Drogenmissbrauch tätig und somit den Drogenbossen ein Dorn im Auge ist.

Zum eingangs erwähnten Film:

Brighton Rock

nach der gleichnamigen Roman-Vorlage von Graham Greene.

mit: Sam Riley, Andrea Riseborough, Helen Mirren, John Hurt; Regie: Rowan Joffe

Das britische Seebad Brighton in den 1960er-Jahren: Mods und Rocker erobern mit Vespas und Motorrädern die Straßen, auf dem Pier herrscht Hochbetrieb. Aber in der Unterwelt tobt ein Bandenkrieg. Besonders ehrgeizig treibt der skrupellose Kleinganove Pinkie seine Karriere voran, bis er eines Nachts zu weit geht: er tötet einen wichtigen Handlanger des mächtigen Mobsters Colleoni. Zwar steigt Pinkies Respekt in seiner Gang rasant, aber ein belastendes Foto taucht auf, und Pinkie bleibt keine Wahl, als das Vertrauen der einzigen Zeugin zu gewinnen – der gutherzigen Kellnerin Rose. Doch Rose‘ Chefin Ida beobachtet Pinkies Avancen mit Argwohn, um die Tragödie zu verhindern…

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