Fernradweg Thüringer Städtekette Erfurt – Stadtroda

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Fernradweg Thüringer Städtekette – Reportage – 29.08.2018

Der längste Radweg im Freistaat Thüringen

Hier in Azmansdorf beginnt nun am 29.08.2018 der eigentliche Abschnitt Erfurt – Jena des Fernradwegs Thüringer Städtekette. So war es geplant. Da ich bereits mittags in Jena ankam, entschloss ich mich, bis nach Stadtroda weiterzufahren. Von da aus mit dem Zug zurück nach Erfurt …

Erfurt – Die Landeshauptstadt

Den ersten Teil des Radweges befuhren wir bereits am 04.08.2016 – mehr dazu>>>
Der Rest war vorgesehen für den Sommer 2017, doch es gab immer irgendwie andere Prioritäten oder das Wetter war gerade nicht so gut. Der letzte Sommer war verregnet, oft herrschten starke Winde. Ein wenig Spaß soll es ja doch immer bereiten. So kam es dann, dass die letzten beiden Abschnitte Erfurt – Jena und Jena – Altenburg auf diesen Sommer verlegt werden mussten. Wir werden zwar nicht älter, aber auch nicht jünger. Und bevor ich tot vom Rad falle, wollte ich den längsten Radweg Thüringens noch einmal befahren haben.
Die Fotos der Ortsdurchfahrt Erfurt stammen von bereits vorher gefahrenen Touren. Verlaufen doch durch das Stadtgebiet zwei der bedeutendsten Radwege Thüringens. Eben dieser, um den es hier geht, sowie der Gera-Radweg. Daher endete die Reportage des ersten Abschnittes am 04.08.2016 in Marienthal. Dort an der bekannten historischen Brücke, wo die Wasser der Apfelstädt in die Gera münden und sich der von Westen her kommende Städte-Radweg mit dem Gera-Radweg vereint. Den Abschnitt von der Erfurter Innenstadt bis Marienthal und weiter befuhren wir bereits zu Pfingsten 2015. Mehr dazu>>>
Hier noch ein kurzer Rückblick:
Vom Marienthal verläuft der Radweg parallel zum Bahnkörper bis Möbisburg. Am Ortseingang links Richtung Schwimmbad. Dort überqueren wir die Gera. Weiter geht es durch den Ort über das Kleine Feld nach Bischleben, wo wir am Ortseingang ein weiteres Mal die Gera überqueren. Ein drittes Mal am Ortsausgang. Hier finden wir zwei schön gelegene Rastmöglichkeiten. Die eine, rechts am Hang, das „Bachstelzencafé“, wenige Meter weiter links den Sportplatz Bischleben.

Gut ausgeschildert geht es weiter nach Hochheim, von da aus rechts der Gera bis zum Luisenpark. Von da aus verläuft der Radweg zuerst links des Flutgrabens, am Ausgang der Allee (im Bild) überqueren wir denselben und gelangen direkt am Flusslauf entlang bis zum Erfurter Hauptbahnhof.

Durch die Erfurter Altstadt

Die Durchfahrt übersichtlich ausgeschildert, zeigt uns ein Wegweiser an der Flutgrabenbrücke hinter dem Hauptbahnhof die Richtung zur Innenstadt an. Wer seine Vorräte auffüllen will oder muss, der findet in der Einkaufspassage am Bahnhof alles, was man benötigt. Wer es ein wenig preiswerter haben möchte, bekommt nur wenige Meter weiter, „Unter den Arkaden“ in der Bahnhofstraße dasselbe Angebot. Dazu einen Bratwurststand mit einer sehr guten Thüringer Rostbratwurst aus Apolda.
Nach etwa 200 Metern überqueren wir den Ring, wo uns direkt vor der Deutschen Bank ein weiterer Wegweiser erwartet. Links abbiegen in die Augustmauer, den nächsten Abzweig nach rechts in die Mühlgasse. Wer gern gemütlich und gut chinesisch essen möchte, stößt an dem Abzweig direkt auf das chinesische Restaurant „Pavillon“. In dem Gebäude befand sich bis einige Zeit vor der Wende das Hotel „Gaedtke“, dessen Gaststätte ein beliebter Treffpunkt der Erfurter Schwulenszene war.
Über die Mühlgasse erreichen wir mit dem Erfurter Anger DIE zentrale Einkaufsmeile in der Altstadt. Nach rechts fällt der Blick am nord-östlichen Ende auf das Einkaufszentrum Anger 1. Wer seine Radlerhose inzwischen durch gesessen haben sollte, der findet direkt daneben ein Sporthaus.

Wir überqueren den Anger und fahren halbrechts in die Borngasse, die nach etwa 100 Metern links in die Grafengasse abbiegt. Vorbei am Hintereingang des C&A-Kaufhauses. Über die Grafengasse erreichen wir die Gera, die wir über die Schlösserbrücke passieren. Wer davor noch nichts gegessen haben sollte, der findet kurz vor der Brücke einen weiteren Bratwurststand mit unserer berühmten „Thüringer“. Wer öfter hier weilte und Vergleiche zieht, der wird feststellen, dass Thüringer und Thüringer nicht immer dasselbe sind. Oft ist es Geschmackssache. Die einzelnen Fleischereien haben eben immer noch ihre eigenen Rezepte, die sich in Details unterscheiden. Was in eine gute Thüringer hinein gehört, das können Sie hier nachlesen>>>
Über die Schlösserstraße gelangen wir zum Fischmarkt, an dessen Stirnseite das Erfurter Rathaus steht. An der linken Giebelseite kann man auf einem Modell einen Blick über das turmreiche Erfurt werfen. Wer Zeit für einen Abstecher zum Domplatz hat, erreicht diesen, wenn er links in die Marktstraße einbiegt, nach etwa 300 Metern. Der Radweg hingegen führt am Rathaus vorbei zum Benediktsplatz. Ich möchte an dieser Stelle auf Bemerkungen zur Geschichte Erfurts verzichten. Der Beitrag würde endlos. Wer Interesse an Literatur über die lange Geschichte der Stadt hat, der findet diese bei Erfurt-Tourist am Benediktsplatz oder hier>>>

An der Krämerbrücke

Einen guten Cappuccino oder ein Eis im „Un Angelo“ sollte man sich nicht entgehen lassen.
Wir befinden uns in einem der geschichtsträchtigsten Stadtteile. Man kann die Krämerbrücke überqueren und an den Armen der Gera im Schatten alter Kastanienbäume ausruhen oder einige der umliegenden Gassen erkunden. Wer hier übernachtet und für den Abend etwas vor hat, gelangt vom Benediktsplatz in die Michelisstraße, der Erfurter Kneipenmeile, die, wenn man genau hinschaut, bereis am Fischmarkt beginnt. Rund um die Krämerbrücke findet alljährlich im Juni das Krämerbrückenfest statt. Einige Eindrücke davon finden Sie hier>>> und hier>>>
Für die Durchreisenden geht es hingegen weiter über die neu erbaute Rathausbrücke zum Wenigemarkt. Einen Wegweiser findet man direkt neben dem Gebäude von Erfurt-Tourist.
Wer in den vielen Restaurants, die wir passierten, keinen Platz fand, der kann das hier am Wenigemarkt nachholen. Erfurt nicht nur turmreich, ist es außerdem reich an Kneipen und Restaurants, die inzwischen nahezu alle Nationalitäten bedienen. Der Wenigemarkt ist rundherum vollgestellt mit Außengastronomie. Man kommt sich vor, als stünde man inmitten eines einzigen großen Restaurants.
Weiter geht es über die Meienbergstraße, jetzt bereits stadtauswärts in östliche Richtung, für die, die sich gern an der Sonne orientieren (hat mir in fremden Großstädten schon sehr oft geholfen, als es noch kein GPS gab). Hier kommen wir noch einmal an der Rückfront des Angers vorbei. Markant das Fachwerkhaus Ecke Johannesstraße.

Am Krämpfer Tor überqueren wir den Ring ein zweites Mal. Den Juri-Gagarin-Ring, wer sich noch an den ersten Menschen im All erinnern möchte. Hier verlief einst die Stadtmauer, die noch an verschiedenen Stellen erhalten wurde. Daher rühren die Namen der Tore.
Der Springbrunnen am Leipziger Platz ist weithin sichtbar. Wir fahren rechts vorbei in die Geschwister Scholl-Straße, fast exakt weiter in östliche Richtung bis hinauf zum Ringelberg, wo wir ein nach der Wende neu errichtetes Wohngebiet passieren. Über die Ostumfahrung hinweg gelangen wir nach Azmannsdorf. Von der Straßenbrücke aus sieht man bereits das nächste Etappenziel, Weimar, am Fuße des Ettersbergs. Hier in Azmansdorf beginnt nun am 29.08.2018 der eigentliche Abschnitt Erfurt – Jena des Fernradwegs Thüringer Städtekette. So war es geplant. Da ich bereits mittags in Jena ankam, entschloss ich mich, bis nach Stadtroda weiterzufahren. Von da aus mit dem Zug zurück nach Erfurt.

Von Erfurt nach Weimar

Start in Niedernissa gegen 08:30 Uhr bei angenehmen 15°Celsius. Dass das nicht so bleiben würde, sagte der Wetterbericht voraus. Nahezu Windstille, die gute Botschaft. Von hier geht es ein Stück über die „Urbicher Runde“, einen von der Gemeindeverwaltung Urbich ausgewiesenen Rundweg, der mit etwa 6 km Länge als Radwanderweg wohl etwas zu kurz ausfällt. Es sei denn, die Familie fährt mit dem kleineren Kind als Anfänger. Es ist wohl eher eine Jogging-Strecke oder die Möglichkeit für eine Rundwanderung mit Abstechern, zum Beispiel in das LSG Peterbach bei Niedernissa oder hoch in den Wilrodaer Forst.
In Urbich erreichen wir den Radweg, der, vom Herrenberg her kommend in Richtung der Erfurter Seen führt. Über Linderbach erreichen wir Azmannsdorf und hier nun den Radweg Thüringer Städtekette.

Für die, die den Radweg von Erfurt in Richtung Weimar bereits des öfteren befuhren, gibt es eine sehr schöne Alternative. Eine Strecke, die ich im vergangenen Jahr fuhr, um den Feininger Radweg zu erreichen. Man fährt von Azmannsdorf nach Linderbach. Dort biegt man an der B 7 links ab in Richtung Weimar bis zum Globus Markt. Da rechts in Richtung Büßleben. Ab Büßleben folgt man einem Wanderweg in Richtung Obernissa, durch die von mir so benannte „Mirabellen-Avenue“. Die Reifezeit beginnt im Juli, und es gibt wohl keine in Mitteleuropa heimische Pflaumensorte, die man hier nicht findet. Der Weg ist hier beschrieben>>>
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Wir bleiben jedoch auf dem Radweg, der von Azmannsdorf über die Ortsverbindungsstraße nach Vieselbach führt. Kurz nach dem Ortsausgang überqueren wir die Neubaustrecke des ICE Berlin – München, die am Ortsausgang Azmannsdorf von der ehemaligen Strecke Erfurt – Berlin abzweigt.
Der Abschnitt des Radwegs Azmannsdorf – Vieselbach befindet sich nicht im besten Zustand. Unlängst las ich einen Leserbrief, in dem sich ein Herr beschwerte. Er sei am Ortseingang Vieselbach schwer gestürzt, weil ohne Vorwarnung hier der Radweg ende und über eine hohe Bordkante auf die Ortsstraße führe. Da die Straße nur sehr schwach frequentiert ist, benutze ich stets die Straße, nicht den parallel verlaufenden Radweg, der sehr schmal ist und tatsächlich einige Schäden aufweist. Da es nach Vieselbach hinein bergab geht, sollte man nicht zu schnell fahren.
Wer sich die Zeit nehmen will, kann in Vieselbach einen Abstecher zu einem Baudenkmal einlegen. Einen im Jahre 1846 errichteten Eisenbahnviadukt. Man biegt nach rechts ab in die Brückenstraße , wenn man die Ampelkreuzung in der Ortsmitte erreicht. Wer gleich weiterfahren möchte, der biegt nach links ab in die Karl-Marx-Straße und fährt bis zu einem kleinen Gewerbegebiet auf der rechten Seite, wo die Straße nach Wallichen abzweigt. Dort wo wir am Ortsausgang Vieselbachs in Richtung Wallichen abbiegen, erreichen wir außerdem einen Abschnitt des von Erfurt her kommenden Lutherweges, der in einigen Teilstrecken auf dem Radweg verläuft. Hier von Wallichen nach Niederzimmern.
Gleich am Ortseingang sind noch die Reste eines Rittergutes zu sehen, das auf das 13. Jahrhundert zurück geht. Der Käufer des Grundstücks ließ es abreißen, um dort ein Wohngebäude zu errichten. Einige der uralten Natursteine, aus denen die Außenmauer errichtet wurde, zieren seit drei Jahren als Trockenmauer meinen Garten. Ein Stück Rittergut in Niedernissa. Mehr dazu können Sie hier von einer Tour durch den Erfurter Osten nachlesen>>>

Von Wallichen aus geht es auf dem gut ausgebauten, asphaltierten Radweg weiter nach Niederzimmern. Wir verlassen das Stadtgebiet der Landeshauptstadt und fahren ein in den Kreise Weimarer Land. Hier trennen sich Radweg und Lutherweg. Von Niederzimmern bis zum Stausee Hopfgarten verläuft der Radweg über eine gut befahrbare Schotterpiste durch ein Waldstück. Wer sich die Zeit nehmen will, kann sich im Stausee wenigstens ein wenig die Füße kühlen. Es handelt sich um ein Rückhaltebecken der Gramme, das zur Bewässerung umliegender Felder angelegt wurde. Früher war ich hier öfter angeln und die Kähne, die in Ufernähe liegen, lassen darauf schließen, dass der See auch heute noch beangelt wird.
Vom Stausee zum Ort Hopfgarten führt der Radweg über die Ortsverbindungsstraße. Mir ist auf den knapp zwei Kilometern kein Auto begegnet. Hopfgarten, ein Dorf mit langer Geschichte, wie alle Dörfer in dieser Gegend, Thüringen war sehr frühzeitig besiedelt. Man fand Reste einer Burg aus dem 13. Jahrhundert, die den Herren von Hopffgarten gehört haben soll. Lyonel Feininger war hier tätig. Der Ort liegt allerdings nicht am gleichnamigen Feininger-Radweg. Allerdings kreuzen wir hier erneut den Lutherweg, der von Hopfgarten aus in südliche Richtung bis zur B 7 verläuft.

Von Hopfgarten weiter nach Tröbsdorf. Mit Tröbsdorf erreichen wir bereits das Stadtgebiet der kreisfreien Stadt Weimar. Noch etwa zwei Kilometer, bis wir die B 85 überqueren und in eine der längsten Straßen Weimars, die Schwanseestraße, einbiegen. Man kann bei der Ortsdurchfahrt nicht viel falsch machen, da die Schwanseestraße direkt auf dem Goetheplatz in Weimer endet, wo ein Wegweiser den Fortgang anzeigt. Nur wenige Meter bis zur Ilm, immer geradeaus über Graben, Untergraben und Gerberstraße. Der Tacho zeigt 27 Km an.
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Von Weimar nach Jena

Durch die Ilm-Aue bis Mellingen

Um es vorab festzustellen, Radwege in Weimar, die muss man suchen, wenigstens im Innenstadtbereich. Dazu eine Reihe Gassen mit Kopfsteinpflaster. Wer die Innenstadt besuchen möchte, der tut besser daran, das Rad entweder zu schieben oder dasselbe gleich irgendwo am Goetheplatz sicher abzustellen. Möglichkeiten dazu gibt es einige. Von da aus kann man in einem großen Bogen das historische Zentrum des „Klassiker-Dorfs“ besichtigen.
Ich halte mich nicht lange auf, außerdem besuchten wir Weimar bereits mehrmals über den Ilmtal-Radweg zweimal und über den Feininger Radweg.
Nach ca. einem halben Kilometer erreichen wir die Ilmbrücke hinter dem Stadtschloss, von da aus geht es durch den Park an der Ilm, weiter durch die Ilm Auen bis nach Mellingen. Hier laufen drei Radwege parallel, der Fernradweg, der Ilmtal-Radweg sowie der Feininger Radweg.

Eine malerische Landschaft, eine Idylle. Woran soll unser Dichterfürst Johann Wolfgang wohl anderes gedacht haben, denn an die Liebe, die er mit all ihren Licht- und Schattenseiten in zahlreichen seiner Werke lobt. Werke, in denen er selbst die etwas derbere Sprache für die Beschreibung dessen, was Menschen tun, wenn sie lieben, nicht scheut. Vielleicht gerade hier entstanden, zusätzlich inspiriert von ein paar leicht beschürzten Bacchantinnen, die man voraus schickte, um irgendwo im Grünen einen Imbiss zu servieren.
Man entdeckt doch immer wieder etwas Neues, selbst wenn man schon hier lang fuhr. Dieses Mal war es das Bienenmuseum in Oberweimar. Leider hatte ich keine Zeit, einmal hinein zu schauen. Wichtiges erfährt man dazu bei Wikipedia über das Deutsche Bienenmuseum Weimar.
Meine erste Rast lege ich kurz vor Mellingen ein. Dort fand ich eine Gruppe Bänke sowie einen behindertengerechten, sprich barrierefreien Angelplatz an der Ilm. Es gibt wieder Fische in der Ilm, da erlebten wir früher schon andere Zeiten. Äsche, Bach- und Regenbogenforelle.
Von Weimar bis Mellingen fahren wir auf einem breiten, asphaltierten Radweg (Teilstücke im Ilm-Park geschottert, doch sehr gut befahrbar). In Mellingen überqueren wir zum letzten Mal die Ilm, die, wie alle Flüsse hierzulande, unter Wassermangel leidet. Und hier trennen sich nun auch die Wege. Während Ilmtal- und Feininger-Radweg, dem Lauf der Ilm folgend, nach Süden abschwenken, setzen wir die Fahrt in Richtung Osten fort.

Über die Berge nach Jena

Nun ja, Berge? Denkt man an Jena, dann fallen einem sofort die Berge ein, von denen die Stadt umgeben wird. Daher wartete ich auf den Schweiß treibenden Aufstieg. Fehlanzeige, man sollte eben vorher etwas genauer hinschauen. Wohin? In den Radrouten-Planer. Von Weimar bis Mellingen verläuft der Radweg über völlig ebenes Gelände. Auf Mellingen folgen sanfte Anstiege, von 227 Meter über Null auf 351 Meter in Großschwabhausen. Differenz 124 Meter. Das entspricht einem Anstieg von 1,55 % bei acht Kilometern Strecke. Der Radweg ist also gut gewählt, was die zu überwindenden Höhenunterschiede betrifft, familienfreundlich und altersgerecht 😉

Von Mellingen über Lehnstedt bis nach Kleinschwabhausen verläuft der Radweg über eine nur mäßig von Kraftfahrzeugen befahrene Ortsverbindungsstraße. Der erste Abschnitt bis Lehnstedt noch ein wenig stärker befahren als der Teil von Lehnstedt nach Kleinschwabhausen.
Lehnstedt grüßt mit der Ankündigung der Kirmes am bevorstehenden Wochenende. Da war ich drei Tage zu früh dran. Das Kirchlein eingerüstet für den Jahrestag der Weihe. Kleinschwabhausen lassen wir rechts liegen. Von hier bis nach Großschwabhausen geht es über einen asphaltierten Weg, der parallel zur L 1060 verläuft.
In Weimar war es mir noch zu zeitig, ein zweites Frühstück einzunehmen. Jetzt hoffte ich auf Großschwabhausen. Wenn ein Ort das Wort „Groß“ in seinem Namen trägt, erwartet man etwas Großes. Ein Restaurant gleich am Ortseingang, leider noch geschlossen um diese Zeit, später Vormittag. Im Ort fand ich nichts weiter. Kopfschütteln bei Nachfrage. Dafür eine uralte Trauerweide mitten im Ort an einem kleinen Weiher. Verwöhnung für das Auge, nicht für den Magen.
Nach Verlassen des Ortes, mit dessen Grenze wir auch den Landkreis Weimarer Land verlassen, wartete ich vergeblich auf den befürchteten Anstieg. Umso mehr wunderte es mich, dass es nur noch bergab ging. Selbst im nahenden Wald, am Rande des Müncherodaer Grundes, blieb das so. Ab Großschwabhausen geht es etwa vier Kilometer weiter auf einem gut ausgebauten Radweg, asphaltiert, bis zur Einfahrt in das Waldgebiet. Von da aus etwa zwei Kilometer über eine Schotterpiste, die abschnittsweise nur gespurt ist. Man muss ein wenig aufpassen.
Nach etwa zwanzig Kilometern, von Weimar aus gerechnet, erreichen wir die B 7 kurz vor der kreisfreien Stadt Jena. Der Radweg verläuft hier parallel zur Bundesstraße. Man kann sich gemütlich hinein rollen lassen, nach:

Jena

Jena-City, das Silicon-Valley des Ostens, was die optische Industrie und verwandte Bereiche der Feinmechanik und Elektronik betrifft. Carl Zeiß, 1816 in Weimar geboren, nahm Ostern 1834 bei dem Hofmechanikus und Privatdozenten an der Universität Jena, Friedrich Körner (1778–1847), eine Lehre auf. Der Name, wie der von Ernst Abbe, ist eng mit der Stadt verbunden. War er anfangs ein unerbittlicher Arbeitgeber, fiel er später auf mit einer Reihe sozialer Neuerungen, wie z. B. der Zeiß-Krankenkasse, deren Regeln im Wesentlichen noch heute gelten.
Für die Zeit nach der Wende steht ein weiterer Name für Jena, Lothar Spät, das „Cleverle“. Einst Ministerpräsident von Baden-Württemberg, gekippt durch die „Traumschiff-Affäre“. Nach der Wende, seit Juni 1991 Geschäftsführer der Jenoptik GmbH. Jena, wie die Region um die Stadt, haben ihm viel zu verdanken. Wer aber die deutsche Bürokratie kennt, der weiß, wie wichtig es sein kann, hat man die Geheimnummern der Mitglieder der Bundes- und Landesregierung in seinem Telefon gespeichert. Dazu die einiger Wirtschaftsbosse. Insofern relativieren sich Verdienste auch irgendwo.

Die Ortsdurchfahrt Jena, wie im Übrigen auch die der Orte, die wir passierten, ist hervorragend ausgeschildert. In der Stadt, besonders im Zentrum, muss man selbstverständlich ein wenig genauer hinschauen. Verfahren dennoch schwer möglich, zudem wenn man weiß, man muss runter zur Saale. Am Rande des Stadtzentrums vereint sich der Fernradweg für ein paar Kilometer mit dem Saale-Radweg.
Wohnt man in Erfurt, kennt man Jena, wie auch Weimar, sehr gut. Seit der Kindheit ein beliebter Ausflugsort. Botanischer Garten, Planetarium. Mein Opa lag eine Zeit im Universitätsklinikum. Jede Woche wenigstens ein Besuch. Damals, in den 60`er Jahren noch eine Tagereise. Heute verkehren ständig Züge. Der Magen knurrte inzwischen, da kam eines dieser bekannten Schnellrestaurants wie gerufen. Die Außen-Tische waren überwiegend frei. Leichte Kost zu empfehlen, auf längeren Touren. Die Hähnchen-Flügel sind unnachahmlich. Im Talkessel Jenas, eine der Städte mit der schlechtesten Luft in Thüringen, kratzte das Thermometer inzwischen an der 30 Grad-Marke.
Am Rande der Altstadt überqueren wir die Saale in Richtung Süden. Durch den Seidelpark nach Jena-Lobeda, der Satelliten-Stadt weit außerhalb der Altstadt. Von hier aus begann vor einigen Jahren der Mord-Feldzug des NSU gegen Deutsche mit Migrationshintergrund. Alle bestens integriert, nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Die Überlebende des Trios wurde unlängst zu Lebenslange Haft verurteilt, mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Ihre Anwälte legten Berufung ein.
Vorbei geht es am Ernst-Abbe-Stadion, wo nun der FC Carl-Zeiß-Jena in der 3. Bundesliga kickt. Keine Arena wie in Erfurt, wo der abgestiegene FC Rot-Weiß nun noch weniger die Miete in der neuen Arena bezahlen kann. Die Erfurter|innen bezahlen die Zeche über Müllgebühren, Strompreis und andere Abgaben. Wegen eines Fliegenschisses in der Erfurter Innenstadt, der Hirschgarten-Bebauung, gab es eine Bürgerbefragung mit knappem Ausgang und geringer Beteiligung. Das Ergebnis: eines der größten städtebaulichen Versagen, das die Stadt je erlebte. Bei der Arena belog man die Bürger lieber gleich von vorn bis hinten.
Von Jena aus geht es auf die letzten achtzehn Kilometer. Auf den Abschnitt, der noch gar nicht vorgesehen war für diesen Tag:

Durch das Tal der Roda nach Stadtroda

Über der Autobahn

Schon am Rande Jenas tauchen die ersten Anstiege auf. Es geht nach oben zur Autobahn, die über die Saale-Tal-Brücke kommend weit über der Stadt thront. Als es nach der Wende um die Überholung und den Ausbau der maroden DDR-Autobahnen ging, gab es weit über die Stadtgrenzen Jenas hinaus heiße Diskussionen wegen aus damaliger Sicht unvermeidbaren Eingriffen in das Leutratal. Hier gibt es seltene Orchideenarten. Mit der Planung und schließlich mit dem Bau des Jagdbergtunnel fand man eine Lösung, die die Gemüter beruhigte. Ein Schild über dem Tunnel Lobeda, den der Radweg überquert, zeugt noch davon.
Durch ein Gewerbegebiet geht es hinab in das Tal der Roda. Ein Bach, der unweit der Autobahn in die Saale mündet. Um die Autobahn herum gibt es ein ganzes Netzt neu errichteter Rad- und Wanderwege. Der Blick zurück auf die Felskuppen wirkt insofern beruhigend, dass man sie nicht überqueren musste.
Als ich den asphaltierten Radweg hinab ins Tal fuhr, fiel mir mein Geografie-Lehrer aus der zwölften Klasse ein. Wir streiften in Erdkunde kurz die Geologie Thüringens. Eines seiner Lieblingsworte war das „Rot liegende“, eine geologische Formation aus dem Perm, deren Aufschluss man an mehreren Stellen sehen kann (besonders deutlich später in Stadtroda). Sandstein vermischt mit Roteisenstein, der diese besondere Färbung hervorruft.

An der Autobahn endet gleichzeitig das Stadtgebiet Jenas. Auf der Fahrt zum ersten Ort nach Jena, dem Dorf Rutha, erreichen wir den Saale-Holzland-Kreis. Für etwa einen Kilometer verläuft der Radweg über die Ortsverbindungsstraße Maua – Rutha. Hinter Rutha beginnt eine durchgehend asphaltierte Piste, die uns bis nach Stadtroda bringt. Es gibt mehrere kurze Anstiege, bei einigen wenigen entschloss ich mich zu schieben, da keiner länger als nur wenige hundert Meter war. Doch da wo es Anstiege gibt, folgen Abfahrten, auf denen man sich ein wenig ausruhen kann.
In Zöllnitz entdeckte ich eine bunt bemalte Fassade. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Der Radweg folgt überwiegend dem Lauf der Roda, die wir in Laasdorf überqueren. Die Landschaft erinnert ein wenig an die Ilm-Aue, mit dem Unterschied, dass der Radweg durch ein relativ enges Tal führt, das an seiner Südseite von bewaldeten Höhenzügen, Ausläufern des Thüringer Walds, begrenzt wird. Im Norden, etwas weiter entfernt, ebenfalls. Nicht umsonst trägt der Landkreis das „Holzland“ im Namen. SHK, Saale-Holzland-Kreis, die „Schluchten-Jodler“ wie die aus Sado-Masien (SM), Schmalkalden-Meiningen. Ein Bekannter, der erst Jahre nach der Wende den Führerschein erwarb, erzählte von seinem Fahrlehrer. „Wenn du SHK oder SM vor dir fahren siehst, dann gehe stets davon aus, dass die nach links abbiegen, selbst wenn sie rechts blinken. Das sind noch die alten Tricks, mit denen die Hirsche auf der Jagd verwirren“, soll er des Öfteren gesagt haben. Spaß beiseite, die Menschen sind freundlich, wenn sie manchmal auch ein wenig verschlossen wirken. Sie wohnen in einer reizvolle Landschaft, die man einfach einmal besuchen sollte.

Noch 5 km bis Stadtroda

Im letzten Abschnitt geht es noch einmal über einen Hügel, von Laasdorf nach Gernewitz. Ein Radfahrer saß vor einer Verkaufsstelle mit einem Eis in der Hand. Das überzeugte mich, eine weitere Rast einzulegen. Der Zeitplan ließ es zu, die Uhr ging gerade einmal der Drei entgegen. Mit Gernewitz erreichen wir bereits Stadtroda, einen Ortsteil der Stadt. In dem Laden findet man eine reiche Auswahl an Flechtarbeiten. Ein Fahrrad stand vor der Tür, mit dem ich allerdings nicht unbedingt hätte weiter fahren wollen.

In Hainbücht begrüßt mich eine Kuhherde. Sie zeigen mir, was sie von mir halten. Der letzte Abschnitt führt noch einmal durch ein Waldstück, teils steil bergab, bevor wir am Hotel „Hammermühle“ Stadtroda erreichen. Das Ziel, das gar nicht geplant war. Der Vorteil: das letzte Stück bis Altenburg wird etwas kürzer.
Froh, eine gute Stunde früher angekommen zu sein, als geplant, bestieg ich die „Himmelsleiter“ zum Bahnhof Stadtroda. Der steilste und gleichzeitig längste Aufstieg während der ganzen Fahrt. Die Freude über den Zeitgewinn währte allerdings nicht lange. Der Regionalexpress der DB-Regio nach Göttingen über Erfurt wurde zuerst mit zehn, später mit zwanzig, noch später mit dreißig Minuten Verspätung angesagt. Die letzte Ansage nannte den Grund: ein Defekt am Triebwagen. Ob er überhaupt noch kam, weiß ich nicht, da, wenigstens pünktlich der nächste Zug, ein Nahverkehrszug der Erfurter Bahn, eintraf. Völlig überfüllt, versteht sich, da er offenbar die Fahrgäste des RE übernommen hatte.
Das Land schreibt die Strecken aus, Konkurrenz belebt das Geschäft. Was durchaus in vielen Branchen Vorteile bringt. Nur fragt man sich, wo im Bahnverkehr diese Vorteile liegen sollen? Wenn der Primus Deutsch Bahn die Preise erhöht, ziehen alle anderen mit. Man zahlt dasselbe, egal wer fährt. Der eigentliche Schaden: einer will billiger anbieten als der andere. Es wird am falschen Ende gespart. Das Ergebnis: Zugausfälle. Die Zeche zahlen alle. Am Ende auch die Wirtschaft, deren Mitarbeiter zu spät zur Arbeit erscheinen. Ein blanker Schwachsinn!
Wie dem auch sei, mit der verspäteten Rückkehr lag ich wieder im Zeitplan. Am Start- und Zielort zeigte der Tacho 87 km. Ein guter Tagessatz.


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2 Kommentare zu "Fernradweg Thüringer Städtekette Erfurt – Stadtroda"

  1. Toller Radweg, bin schon mehrmals gefahren. Nur der letzte Abschnitt bis Altenburg wird ein wenig langweilig. Gruß Heinz

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  1. Mit dem Rad zum Zwiebelmarkt in Weimar

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