Dreißig Jahre Mauerfall – Was die Medien bewegt

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Zuschauerbrief an die Redaktion des MDR

Mitteldeutscher Rundfunk – Zeitreise

Historikerdebatte zur Friedlichen Revolution in der DDR

Initialzündung für die so genannte „Friedliche Revolution“ in der DDR war die Aufkündigung der Breshnew-Doktrin durch Gorbatschow, die eine zunehmenden Verunsicherung der politischen Führungen der Warschauer-Pakt-Staaten, besonders der DDR-Führung, nach sich zog … (F.C.Mey)

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Interview SWR November 1989

Kaum ein Ereignis bewegt in diesem Jahr die Gemüter (und somit die Medien) mehr als der 30. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs. Vielleicht Greta Thunbergs Klimaaktivisten? Aber das hatten wir schon – Mehr dazu>>>
Wen wundert es daher, dass sich der Mitteldeutsche Rundfunk in seiner beliebten Sendung „MDR-Zeitreise“ am Sonntag, dem 6. Oktober 2019, gut vier Wochen vor dem Jubiläum, diesem Thema annahm. Nicht allein das Ereignis wurde beleuchtet, sondern im Speziellen die Herkunft charakteristischer Slogans der Wendezeit, wie die Sprüche: „Wir bleiben hier“, „Wir sind das Volk“ oder „Wir sind ein Volk“. Interessante Recherchen, die ersten beiden, wie man erfahren durfte, entstammen den Demos, der Dritte hingegen, „Wir sind ein Volk“, soll in den Propaganda-Küchen westdeutscher Parteien entstanden sein, speziell in der der CDU. Aufkleber wurden LKW-weise in die DDR transportiert.
Ein weiterer Beitrag widmete sich einer Historikerdebatte zur Friedlichen Revolution und zwar zu deren Ursachen. Zwei Thesen standen sich gegenüber, die, soviel sei vorausgeschickt, wertungsfrei im Raum stehen blieben:

(1) Prof. Dr. Detlef Pollak (Soziologe): Ursächlich war die Ausreisewelle, die zum Kippen der Stimmung führte.
(2) Ilko-Sascha Kowalczuk (Historiker): Sieht die Initialzündung im Wirken der Opposition.

Die Einschätzungen der beiden Wissenschaftler veranlasste mich zu nachfolgendem Zuschauerbrief an die Redaktion, den ich hier in meinem Blog wiedergeben möchte. Vorangestellt sei, dass ich aus Gründen der Übersichtlichkeit und einer gebotenen Kürze eine eher thesenhafte Aneinanderreihung von Fakten gewählt habe, die ich jedoch für wesentlich halte, setzt man sich mit den Ursachen der gesellschaftlichen Veränderungen in den Jahren 1989/ 1990 auseinander. Der Beitrag soll außerdem eine Begründung dafür liefern, dass ich selbst den Begriff „Friedliche Revolution“ zu keiner Zeit in den Mund nahm.
Im Folgenden der Brief:
Beide Einschätzungen greifen nach diesseitiger Auffassung zu kurz, Initialzündung war die Aufkündigung der Breshnew-Doktrin durch Gorbatschow, die eine zunehmenden Verunsicherung der politischen Führungen der Warschauer-Pakt-Staaten, besonders der DDR-Führung, nach sich zog.
Wie jede Geschichte hat auch diese eine Vorgeschichte.

Der Niedergang des sowjetisch dominierten Wirtschaftssystems führte zum Mauerfall

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Ruinen in der Erfurter Altstadt 1989

Neben einer Reihe wichtiger Faktoren (1. und 2. Ölkrise in den 70er Jahren, mangelhafte Flexibilität etc.) zwang das Wettrüsten die ohnehin marode sowjetische Wirtschaft und in der Folge die abhängigen Volkswirtschaften der Satelliten-Staaten in die Knie. Der erste erfolgreiche Test der Saturn 5 Trägerrakete war ein Meilenstein bei der Umkehr des militärischen Kräfteverhältnisses zwischen den USA und der Sowjetunion. Ging es dabei doch nicht allein um die Frage, wer den Wettlauf auf den Mond gewinnen würde, sondern darum, wer in den Besitz eines Trägersystems gelangte, das in der Lage war, militärische Nutzlasten ins Orbit zu befördern, für die es in dieser Zeit noch keinerlei Abwehrmöglichkeiten gab.
Die Sowjetunion mobilisierte einen erheblichen Teil ihrer Wirtschaftskraft, um gleich in zwei voneinander getrennt wirkenden Entwicklerteams ein vergleichbares Trägersystem zu entwickeln, was nach mehreren erfolglosen Versuchen fehlschlug. Die Saturn 5 war ihrerseits Kernstück der zu Beginn der 80er Jahre von Ronald Reagan initiierten Weltraumrüstung, der die Sowjetunion, trotz größter Kraftanstrengung, nichts Gleichwertiges entgegen zu setzen hatte. Ein wesentlicher Grund, der die UdSSR Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre an den Verhandlungstisch zwang und der zum Abschluss der ersten Rüstungsbegrenzungsverträge (SALT, ABM) führte.
Die Sowjetunion stand zu Beginn der 80er Jahre vor dem wirtschaftlichen Aus. Einzige Rettung waren Kredite aus dem Westen, zu deren Aushandlung neue politische Kräfte an der Spitze benötigt wurden. Die Geburtsstunde der Reformer unter Michail Gorbatschow. Wer das Machtsystem in der Sowjetunion auch nur ansatzweise kannte, der weiß, dass unter anderen Umständen ein solcher Machtwechsel niemals möglich gewesen wäre.
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Die Amerikaner haben der UdSSR die Breshnew-Doktrin abgekauft

Die Zersetzung und schließlich die Auflösung des Warschauer Paktes war eines der wichtigsten strategischen Ziele der USA und der NATO. So war es kein Zufall, dass bereits im Jahre 1985 nach Gorbatschows Machtübernahme Äußerungen zur Abkehr von der Doktrin erfolgten. Dies führte zu ersten Unsicherheiten, besonders innerhalb der DDR-Führung wegen deren Sonderstellung als Administration eines deutschen Teilstaates (auf weitere Faktoren, wie zum Beispiel die Entwicklung in Polen, das Ausscheiden Ungarns aus dem Währungsverbund des RGW etc. wird an dieser Stelle nicht weiter eingegangen, weil diese mehr oder weniger Teil dieses Prozesses waren).
Ein Ergebnis dieser Unsicherheiten war das Erstarken erster oppositioneller Kräfte hinter den Mauern der Kirche, der Keim der Saat, die im Spätsommer 1989 aufging.
Es ist bekannt, dass die US-Administration unter Reagan und dessen Nachfolger Bush, der Reagans Außenpolitik fortsetzte, die Abkehr von der Breshnew-Doktrin zur Bedingung für die Kreditvergabe erklärte. Offiziell wurden die Mitgliedsstaaten des Warschauer Vertrags erstmalig Ende April 1989 am Rande eines Vorbereitungstreffens auf die für Juli 1989 geplante Tagung des Politisch beratenden Ausschusses darüber informiert. Dies führte unter anderem zur Reise Egon Krenz im Juni 1989 nach China, wo er vor der internationalen Presse das Vorgehen der chinesischen Führung auf dem Tian-an- menh-Platz ausdrücklich lobte. Wesentliches Ziel der Reise war die Suche nach einer neuen Schutzmacht, worauf die Chinesen nicht eingingen, da sie gerade dabei waren, ihre Wirtschaftsverbindungen zum Westen auszubauen.
Die politische Führung der DDR war seit dem Frühjahr 1989 auf allen Ebenen gelähmt, was sie in der Anfangszeit der aufkeimenden Proteste nicht daran hinderte, brutal gegen die Demonstranten vorzugehen, ein letztes Aufbäumen. Im Inneren sah das jedoch bereits anders aus.
Ich war als Direktor für Ökonomie eines Volkseigenen Baubetriebes im Juni 1989 zu einem alljährig vor den Sommerferien stattfindenden Empfang der regionalen Partei- und Staatsführung eingeladen. Der Redebeitrag den ich dort leistete, hätte ein Jahr zuvor nicht allein zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit zu meiner Verhaftung geführt. Man traute sich schon nicht mehr, der eine oder andere, wie zum Beispiel ein hochrangiger Vertreter des Rates des Kreises, schielte bereits in Richtung der Opposition.

Nicht allein die Breshnew-Doktrin – selbst die Deutsche Einheit wurde Gorbatschow abgekauft

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Ruinen in der Erfurter Altatadt

Gorbatschow war ein Getriebener. Sein vornehmstes Ziel war die Erhaltung der Sowjetunion, wofür er Geld benötigte. Als im Januar 1990 in sowjetischen Großstädten die Fleischtheken leer waren, ließ Helmut Kohl ihm, am Deutschen Bundestag vorbei, 1,7 Milliarden D-Mark Soforthilfe überweisen. Darüber regte sich in dieser Zeit nicht einmal die Opposition auf. Weitere Kredite folgten.

Soweit zu einer Reihe von Ursachen, die vor oder parallel zu den Bürgerprotesten abliefen und diese erst ermöglichten. Dokumente und Zeitzeugenberichte belegen, dass Teile der Partei- und Staatsführung der DDR sowie besonders des Ministeriums für Staatssicherheit bis zuletzt versuchten, die Sowjetunion zum Eingreifen zu bewegen. Das Oberkommando der in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte sollte sogar zu einem eigenmächtigen Vorgehen überredet werden. Wem im Einzelnen zu verdanken ist, dass dies unterblieb, wird wohl im Nebel der Geschichte untergehen. Dass es nicht allein Gorbatschow war, sollte hingegen als gesetzt gelten. Nicht zuletzt die Amerikaner waren es, die von der ersten Minute an den Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten befürworteten, nachdem dies auf der Tagesordnung erschien.
Wem es nicht zu verdanken ist, sollte hingegen ebenso klar sein. Dem, der Honecker ablöste, der sich heute noch als Friedensengel zu verkaufen versucht, dem wie die Verhinderung eines Blutbades zu verdanken haben sollen, der die Chinesen für das Blutbad in Peking lobte. Herr Krenz, sie hätten keinen Moment gezögert, den Marschbefehl zu erteilen, hätte diese Macht in Ihren schmutzigen Händen gelegen.
Dieser Beitrag soll keineswegs die Rolle der Bürger der DDR beim Sturz des Regimes schmälern, weder die der Ausreisewilligen noch die der Demonstranten. Ich selbst habe im Übrigen zu keiner Zeit die Worte „Friedliche Revolution“ in den Mund genommen und selbst die Kanzlerin verwendete dieser Tage in einer Pressekonferenz das Wort „Umsturz“.
Der Begriff „Friedliche Revolution“ entstammt im Übrigen dem Wortschatz westdeutscher Politiker. Vielleicht ein Thema einer der nächsten MDR-Zeitreisen, die Recherche, wer die Worte zum ersten Mal benutzte.
Wie schrieb schon der große Voltaire: „Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat“. In diesem Sinne …
Ende des Briefes – Ihre Meinung ist gefragt, am Ende der Seite finden Sie die Kommentarfunktion.
Ach ja, irgendetwas war da noch, am 9. November 1989 … Richtig, die Gründung des Erfurter Ortsverbands der SDP (später SPD). Bis heute ist auf der Webseite der SPD-Erfurt unter „Termine“ keine Veranstaltung dazu sichtbar. Vielleicht bedauert inzwischen ein größerer Teil der Partei auf ihrem schleichenden Annäherungskurs an die LINKE, dass man sich im Dezember 1989 nicht gleich mit der PDS vereinigt hat? Dennoch bin ich heute noch stolz, dabei gewesen zu sein>>>


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