Buchtipp – Ich.Erich Mielke – Leseprobe

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Die traurige Figur eines Stalinisten

Das Psychogramm des DDR-Geheimdienstchefs

Die Banalität der Macht zeigte sich bei Erich Mielke am Frühstückstisch. Die Sekretärinnen des gefürchteten Ministers für Staatssicherheit hatten augenscheinlich eine Sammlung von Karteikarten angelegt, wie am Morgen eingedeckt werden musste…

Birgit Rasch/ Gunnar Dedio – Sutton Verlag

Wir schreiben das Jahr „27“ nach dem Fall der Mauer und der Stacheldrahtzäune mit ihren Minenfeldern und Selbstschussanlagen, siebenundzwanzig Jahre und manch einem scheint es, als sei es gerade gestern gewesen. Viele tausend Seiten Bücher sind seither beschrieben und viele Kilometer Film entstanden, manches verklärt, einiges übertrieben, anderes, versucht man, eigene Erfahrungen und Erlebnisse, ob positiv oder negativ, auszublenden und sich der Position des unbetroffenen Betrachters anzunähern, gibt das Bild DDR mit all seinen Auswüchsen, von prosaisch bis bizarr, umfassend wieder. Aus den Innenansichten Einzelner, die aber mit Allmacht ausgestattet waren und bis zum Zusammenbruch nichts zu befürchten hatten, lässt sich ein Gesamtbild zeichnen, das dem jubelnder Jungpioniere und FDJ-Mitglieder, dem SED-Staat treu ergeben demonstrierender Werktätiger und glücklicher Menschen wie ein Zerrbild gegenüber steht. Angesichts der Verklärung, die zuzunehmen scheint, je mehr Zeit vergeht, ist es jedem nur zu raten, hin und wieder ein Buch in die Hand zu nehmen oder sich einen Film anzuschauen und frei vom eigenen Schicksal, das nicht immer so verlief, wie man es sich vorstellte – abgesehen davon, dass selbst dieses „Heils-Denken“ ein Produkt der Manipulation war – sich die Frage zu stellen: „Wie war sie denn wirklich, diese unsere ehemalige DDR – War es die Unsere?“

Die Banalität der Macht zeigte sich bei Erich Mielke am Frühstückstisch. Die Sekretärinnen des gefürchteten Ministers für Staatssicherheit hatten augenscheinlich eine Sammlung von Karteikarten angelegt, wie am Morgen eingedeckt werden musste.
In der Draufsicht ist dort auch der Tisch mit Bleistift gezeichnet worden. Handschriftlich ist auf einer Karteikarte vermerkt „weiße Stoffserviette“. Mit Maschine geschrieben wurde indes der wichtigste Hinweis: „2 Eier, 4 1/2 Minuten kochen, vorher anpicken“.
Es ist nicht so sehr die Pedanterie, die einen erschüttert, sondern eher die Atmosphäre der Einschüchterung, die aus diesen Karteikarten spricht. Offenbar muss die Furcht vor dem Chef unter diesen Frauen so groß gewesen sein, dass sie die Tischordnung auf Papier festhalten mussten (Rez. TA vom 07.09.2015)

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Birgit Rasch, Dramaturgin, Jahrgang 1970, studierte Theater- und Filmwissenschaft sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in Berlin und Berkeley, USA. Sie arbeitet als Autorin, Dramaturgin und Creative Producerin für Film, Fernsehen und Theater. Von 1999 bis 2008 war sie Dramaturgin am Maxim Gorki Theater, am Schauspiel Leipzig und am Deutschen Theater Berlin. Dort leitet sie seit 2003 die Gesprächsreihe „Gregor Gysi trifft Zeitgenossen“. Zwei Interviewbände mit Gesprächen aus dieser Reihe hat sie veröffentlicht. Für LOOKS Filmproduktionen hat sie intensiv über Erich Mielke geforscht.


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Damals in der DDR erzählt von den ungewissen Zeiten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, über die Gründung und das Leben in der DDR bis hin zur Wende und Wiedervereinigung.
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1989 – als das System endgültig kollabierte. Nikolaikirche – ein beeindruckendes Zeitdokument des unvergessenen Erich Loest als Roman und als Film mit Barbara Auer und Ulrich Matthes, Regie: Frank Beyer

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Seinen Aufstieg zum FDJ-Chef erkaufte er sich durch Liebedienerei gegenüber Walter Ulbricht, den er später mit Breschnews Hilfe stürzte. Sein Jagdgefährte Mielke half bei der Entmachtung von Stasi-Minister Wollweber und dem zweiten Mann nach Ulbricht, Karl Schirdewan. Auf dem Gipfel der Macht ging nichts mehr ohne den Generalsekretär und Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker: die Vergeudung des Volksvermögens, die kriminellen Transaktionen von Koko, der Aufbau eines monströsen Systems politischer Überwachung, der Schießbefehl.Peter Przybylski, ehemaliger Pressesprecher des Generalstaatsanwalts der DDR, hat teilweise nicht zugängliches  Aktenmaterial, Dokumente, Zeitzeugenaussagen zusammengetragen – die Akte Honecker, ein aufregendes Dokument der Zeitgeschichte.

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