Buchtipp – Astrid Lindgren – Tagebücher

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Tagebücher von 1939 – 1949

Die Menscheit hat den Verstand verloren

Bemerkenswert sind Lindgrens Sorgen über die aktuellen Bedrohungen zu Beginn des Krieges. Sie schreibt, dass sie Stalin für eine größere Bedrohung hält als Hitler, eine Auffassung, über die man geteilter Meinung sein darf, die allerdings, während ich sie las, meine Gedanken zurück in die späten 80`er Jahre des vergangenen Jahrhunderts lenkte …

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Dieser Tage wurde ich beim Lesen eines Literaturmagazins auf die Kriegstagebücher der Astrid Lindgren aufmerksam. Sie, die große Humanistin, die man bisher nur über ihre weltweit gelesenen Kinderbücher, allen voran Pippi Langstrumpf, kannte, schrieb, nicht ohne einen gehörigen Schuss Ironie, Tagebücher über den Krieg, seine Schrecken und unmittelbare Folgen, Tagebücher der Jahre 1939 bis 1949.

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„Astrid Lindgren hat sie nicht für ein Publikum geschrieben, sondern für sich selbst. Sie sind privat, zeigen Sorgen und Ängste der damals Anfang Dreißigjährigen, aber auch ihr großes politisches Interesse und den besonderen Blick von einer der wenigen friedlichen Inseln Europas im Krieg: Schweden konnte sich bis zum Schluss heraushalten und war doch nicht unbeteiligt.“, Süddeutsche Zeitung, Silke Bigalke, 24.10.2015

Nachdenklich und betroffen, aber auch mit dem so unverwechselbaren Tonfall stellt Astrid Lindgren in ihren Tagebüchern wichtige Fragen, die heute wieder von erschreckender Aktualität sind: Was ist gut und was ist böse? Was tun, wenn Fremdenfeindlichkeit und Rassismus das Denken und Handeln der Menschen bestimmen? Wie kann jeder Einzelne von uns Stellung beziehen? Neben dem Kriegsgeschehen erzählt sie von ihrem Familienleben und den ersten Schreibversuchen: 1944 schenkt sie ihrer Tochter das Manuskript von Pippi Langstrumpf zum Geburtstag. Das persönliche Zeitdokument einer sehr klugen Frau, die schon immer den Blick für das große Ganze hatte.

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Bemerkenswert sind Lindgrens Sorgen über die aktuellen Bedrohungen zu Beginn des Krieges. Sie schreibt, dass sie Stalin für eine größere Bedrohung hält als Hitler, eine Auffassung, über die man geteilter Meinung sein darf, die allerdings, während ich sie las, meine Gedanken zurück in die späten 80`er Jahre des vergangenen Jahrhunderts lenkte, als sich nach dem Machtwechsel in der damaligen Sowjetunion die Verkrustungen zu lösen begannen und man sich kritisch mit den Verbrechen der Stalin-Ära auseinandersetzte. Ein Highlight setzte im November 1988 das Vertriebsverbot der sowjetischen Monatszeitschrift „Sputnik“ durch die Führung der DDR, da im Monatsheft 10/1988 ein Artikel mit der Überschrift „Hätte es ohne Stalin Hitler gegeben?“ erschien. Gerade in unserer aktuellen Gegenwart, in der Auseinandersetzung mit dem so genannten „Islamischen Staat“, bei der die rechten wie die linken Ränder unserer Gesellschaft kein gutes Bild abgeben, was man von den Rechten ohnehin nicht erwartet. Aber gerade die LINKE, die im Schafspelz von Pazifismus und Humanismus daher wandelt und sich bis heute nicht wirklich vom Stalinismus distanziert, weil diese eine Distanzierung auch vom Leninismus beinhalten müsste; diese LINKE bemüht sich vehement, ihre eigene historische Verantwortung zu verschleiern und nimmt dafür eine tiefe Spaltung der Gesellschaft in Kauf.  Mit diesem Thema befasst sich mein Roman-Projekt „Land der Väter“. Es lohnt sich, gelegentlich darüber nachzudenken, was die kommunistische Ideologie der Menschheit wirklich Gutes brachte.



Falls Sie noch mehr Interesse an diesem Thema haben sollten, dann empfehle ich Ihnen „Black Earth“ des Historikers Timothy Snyder, das Sie ebenfalls bei Amazon kaufen können.
Black Earth: Der Holocaust und warum er sich wiederholen kann
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Auszug aus einer Rezension der Thüringer Allgemeine: Der Holocaust, so schreibt der US-Historiker Timothy Snyder in seinem Buch „Black Earth“, war nur möglich, weil zuvor ganze Staaten zerstört wurden. Ob in Polen, der Ukraine oder im Baltikum: Erst das Ende der souveränen Nationen und die Auflösung von Bürokratie und Verwaltung haben den Weg für den millionenfachen Mord an den Juden frei gemacht…. Dabei habe sich NS-Deutschland bei der Rückeroberung der zuvor von der Roten Armee besetzten Gebiete auf Stalins Vorarbeit Vorarbeit stützen können: Mit der Verfolgung von Intellektuellen, Bauern und anderen „Klassenfeinden“ habe schon die Sowjetbesatzung jede Form von Legalität zerstört….

Timothy Snyder ist Professor für Geschichte an der Yale University und Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaft vom Menschen in Wien. Sein Buch Bloodlands wurde in 30 Sprachen übersetzt und mit 12 Preisen ausgezeichnet, darunter der Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung und der Hannah-Arendt-Preis. Black Earth erscheint gleichzeitig in 19 Ländern.

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Filmtipps zum Thema

Sergei Loznitsa – Ist Putin der neue Stalin?  Zeit Online

Mitten im Sturm: Der Gulag – mit Emily Watson und Ulrich Tukur

Im Jahr 1937 wird die privilegierte sowjetische Literaturprofessorin Evgenia Ginzburg (Emily Watson) wegen absurder Anschuldigungen verhaftet und zu zehn Jahren Zwangsarbeit im sibirischen Gulag verurteilt. Mit Gedichten aus der von ihr geliebten russischen Literatur gelingt es ihr, der stalinistischen Willkür die Stirn zu bieten und auch ihre Leidensgenossinnen im Lager zum Durchhalten zu motivieren. Doch als Evgenia vom Tod ihres Sohnes erfährt, verlässt sie ihr Lebensmut. Erst die Liebe zu dem deutschen Lagerarzt Anton Walter (Ulrich Tukur) gibt ihr neue Hoffnung.

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