Bekenntnisse einer Unbeirrten

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Margot Honecker – Buchtipp

Zwei Bücher – ein Thema – Einblicke in die Gedanken einer ewig Gestrigen

Zwei Bücher zum selben Thema aber aus einer Sichtweise heraus, die unterschiedlicher nicht sein kann sowie einige Betrachtungen des Autors dieses Blogs.

Nils Ole Oermann: „Zum Westkaffee bei Margot Honecker“

Verlag Hoffmann & Campe

Als Margot Honecker im Mai 2016 starb, hatte sie fast ein Vierteljahrhundert im chilenischen Exil verbracht. Nils Ole Oermann ist vermutlich der letzte Besucher aus der Bundesrepublik, den sie dort kurz vor ihrem Tod empfangen hat. Über drei Jahre stand Oermann mit ihr, die sonst jedes Interview strikt ablehnte, in Kontakt und traf sie mehrfach.

In „Zum Westkaffee bei Margot Honecker“ lässt der Autor diese Begegnungen in Chile Revue passieren – die einstige Ministerin für Volksbildung der DDR sprach verblüffend offen über Sozialismus und Kapitalismus, über die Bundesrepublik und die DDR, über Gregor Gysi, Wladimir Putin und Wolf Biermann. Zugleich zeigte die bekennende Stalinistin keinerlei Reue, wenn es etwa um ihren Beitrag zu einem System ging, das kritische junge Menschen kategorisch von Ausbildung- und Karrierechancen ausschloss. Mehr noch: Im Denken und Fühlen von Margot Honecker war die DDR bis zu ihrem Tod ein intakter Staat. Oermanns Buch lässt den Leser unmittelbar erfahren, mit welchen Hoffnungen und Zielen Menschen wie Margot Honecker die DDR aufbauten. Und warum sich durch Menschen wie sie daraus ein totalitäres Regime entwickelte, das sich vierzig Jahre halten konnte.

Frank Schuman: „Post aus Chile“

Edition Ost

Margot Honecker lebte seit 1992 in Südamerika und verfolgte bis zuletzt aufmerksam die Vorgänge in der Welt und insbesondere die Entwicklung in Deutschland. Das geht aus ihrer umfangreichen Korrespondenz mit Frank Schumann hervor. Nach der Jahrtausendwende kommunizierten beide per E-Mail, Schumann besuchte sie in ihrem Haus in Santiago de Chile. Er war der deutsche Journalist, den sie bis zuletzt am meisten schätzte. Anlässlich ihres Todes wird die Korrespondenz zwischen Margot Honecker und Frank Schumann erstmals veröffentlicht. Beide diskutierten die deutsch-deutsche Geschichte, die politischen Kämpfe des 20. Jahrhunderts, aber vor allem die brennenden Fragen und Aufgaben der Gegenwart. In ihren Mails gibt Margot Honecker nicht nur unbekannte Details ihres Lebens preis, sie reflektiert auch selbstkritisch Vorgänge der Vergangenheit und wird sehr persönlich. Es ist, wenn man so will, ihr politisches Vermächtnis.

„Nicht schon wieder…“, möchte man geneigt sein zu sagen, die Frau ist tot, Friede ihrer Asche, nun lasst sie doch in Ruhe…, wäre(n) da nicht:

Ja wären da nicht die unzähligen Folgeschäden, die diese unheilvolle Ideologie, die bis heute, trotz einer über siebzig Jahre real existierenden Chance, noch nicht in einem einzigen Falle den Beweis dafür anzutreten in der Lage war, dass sie wenigstens einige der Zukunft-Versprechungen, die sie den Menschen zu suggerieren versuchte – und, aus bekannten Mündern heraus – noch immer versucht, in die Tat umzusetzen. Dabei formulierte bereits der große Vordenker, der Urvater der reinen Lehre, Karl Marx, in seiner Auseinandersetzung mit Ludwig Feuerbach den Satz, dass das Kriterium der Wahrheit die Praxis sei. Eine Weltanschauung, eine Ideologie, die seit ihrer Geburt für sich den Anspruch erhebt – einen Anspruch, der in der Folge von den Verfechtern derselben nicht selten mit Gewalt manifestiert wurde – den Anspruch, die einzig richtige, weil die einzig wissenschaftliche Weltanschauung, zu sein. Selbst wenn man berücksichtigt, dass die philosophische Definition des Begriffs „Wahrheit“ von dem abweicht, was man gewöhnlich darunter versteht, selbst wenn man dieses Wort mit Tatsachen, Fakten oder gesellschaftlichen Realitäten ersetzt, gibt es nicht ein einziges evaluierbares Beispiel für die Richtigkeit der Theorie und wird es auch nie geben können. Allein die Behauptung, allein der Anspruch, das einzig Richtige zu verfechten, beinhaltet bereits die Unvereinbarkeit von Sozialismus oder Kommunismus und Demokratie und entlarvt alle Versuche der Nachfolger der Honeckers und der vielen anderen aus ihren Reihen, die entweder versteckt oder offen das Wort „Kommunismus“ in ihrer Programmatik tragen, der Welt weis machen zu wollen, sie seien die Hüter der wahren Demokratie und nur an ihrer Verbesserung im Sinne des Gemeinwohls interessiert. Man muss sich nicht als Prophet versuchen, stellte man die Behauptung auf, eine mögliche Rückkehr in dieses überwundene Gesellschaftsmodell, würde erneut in dem Fiasko enden, in dem es Ende der 80` er Jahre des vergangenen Jahrhunderts unter ging.

Die Bekenntnisse der Margot Honecker, bei dem in Harvard und Oxford studierten Historiker Nils Ole Oeverman, Quintessenz mehrerer Gespräche; bei Frank Schumann, ehemals Chefredakteur der Jungen Welt (Zentralorgan der Freien Deutschen Jugend, dem SED-linientreuen Jugendverband der ehemaligen DDR) und engen Vertrauten der Honeckers, Einblick in den regen E-Mail-Verkehr zwischen ihm und Margot Honecker, sind sicher keine Bücher für jene, die partout, aus welchem Grunde auch immer, nicht bereit dazu sind, sich ernsthaften Gedanken darüber hinzugeben, warum dieses System zum Scheitern verurteilt war. Abgesehen davon, dass Nostalgie – damals war eben alles anders, alles besser, sagt der eine, ja klar, damals waren wir ja auch noch jünger, der andere – dass Nostalgie eine ganz normale, wenn auch unterschiedlich ausgeprägte, Eigenschaft des Menschen ist, sind viele aus der Generation der in die DDR hinein geborenen, nicht in der Lage oder nicht bereit dazu, all die Fehler zuzugeben, von denen der eine oder andere ganz gut leben konnte und deren eine wesentliche von vielen anderen Ursachen im permanenten Mangel lag. Wer wie ich (der Verfasser) in der DDR Funktionen in der Wirtschaft (ich betone in der Wirtschaft, nicht im Parteiapparat) ausübte und tagtäglich mit den kleinen und großen Diebstählen am so genannten „Volkseigentum“ konfrontiert war, der weiß, wovon er schreibt. Von Partei- und Staatsfunktionären, die sich, bis hinunter in die Kreis- und Stadt-Ebene ohne Gegenleistung das Material für den Bau ihrer Häuser liefern ließen, von den vielen Kraftfahrern, die ihr Ladegut, begünstigt durch Schlendrian oder Mitverdienens ihrer Vorgesetzten, an private Empfänger lieferten (für gutes Trinkgeld, versteht sich), von den vielen kleinen und großen Schiebern, von all den Unzulänglichkeiten also, die dieses imaginäre und nicht zu fassende Monstrum „Volkseigentum“ (von dem im Übrigen bei Karl Marx an keiner Stelle die Rede ist) nach sich zog.



Nun mag man sich in die Lebensumstände und die Gedankenwelt vieler von denen, die mit Ende der Vierzig, Anfang der Fünfzig nach der „Wende“ ihren Arbeitsplatz verloren und nicht wieder auf die Füße kamen, hinein versetzen. Für viele war es ein Schock, aber zu schnell zeigte man mit den Fingern auf den Kapitalismus, gab es doch zahlreiche und gut bekannte Fehler der Krake „Treuhandanstalt“. Dem allein die Schuld zu geben, wäre zu kurz gesprungen. Die wahren Ursachen lagen in einer Wirtschaft, die bis auf wenige Leuchttürme nicht in der Lage war, im internationalen Wettstreit zu bestehen, deren angebliche Stärke und Überlegenheit daher tagtäglich gebetsmühlenartig von ihren Propagandisten beschworen werden musste. Wer glaubte noch daran? Aber das Tal der Tränen, durch das Tschechen, Polen, Balten und andere zu gehen hatten, war um vieles tiefer, als das unsere, abgefedert von einem wirtschaftlich starken System der Bundesrepublik, und es war, unter dem Strich, ein Segen, dass es so kam, angesichts der galoppierenden Umweltvernichtung, aus dem Wahn heraus geboren, man könne, unabhängig von den Weltmärkten, ein eigenes funktionierendes System aufbauen.

Man muss nicht lange suchen, um die Parolen zu entdecken, mittels derer auch heute noch versucht wird, die Köpfe von Menschen zu verwirren, die meinen, nicht das zu bekommen, was ihnen zusteht oder was sie sich erträumen. Mit denen man versucht, der Welt einzureden, alle Armut auf diesem Globus könne im Handstreich mit der Verteilung des vorhandenen Reichtums beseitigt werden. Nicht selten liest man den in sozialen Netzwerken immer wieder neu geteilten Satz: „Zehn Prozent der Menschen besitzen neunzig Prozent des Reichtums. Wenn man diesen auf alle verteilt, haben alle genug…“ Lesen Sie dazu die Zusammenfassung eines Seminars mit einer Berufsschulklasse>>> / Die jungen Leute haben es verstanden. Allein aus diesem Grund ist die Auseinandersetzung mit diesen so genannten „linken Theorien“ stets aktuell und wenn man, wie in den Ausführungen der Margot Honecker, diese Arroganz der Macht heraus liest, die man in dieser Zeit, die ihr gehörte, als einen festen Klassenstandpunkt bezeichnete, dann sollte man wissen, dass es sich nicht lohnt, unseren Nachkommen eine solche Gesellschaft als die Erstrebenswerte zu lehren und damit für noch mehr Verwirrung zu sorgen, als jetzt bereits vorhanden ist.

Sie, Frau Honecker und noch mehr Ihr Gatte und dessen Gefährten, trugen eine sehr hohe Mitverantwortung für Misswirtschaft und staatlichen Zwang, und es ist bedauerlich, dass man aus Ihrem Munde zu keiner Zeit eine Entschuldigung zum Beispiel dafür vernahm, dass „renitente Elemente“, die nicht bereit waren, ihren Lügen und Fehldeutungen Folge zu leisten, in Erziehungsanstalten gedemütigt und psychisch vernichte wurden. Es war ja für eine gute Sache, Ihrer Meinung nach…..
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Ja, Frau Honecker, das Bildungswesen in der ehemaligen DDR war eines der Besten in der damaligen Welt, das kann ich als einer, der in der DDR das Abitur ablegte und studierte, nur bestätigen. Das soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass ganze Generationen von Ihresgleichen, die in dieser von Mangel und von Tristesse beherrschten Welt fast wie Monarchen, unangreifbar, nicht kritisierbar, und wenn, dann bei Strafe, lebten, belogen und letztendlich ihrer Zukunft beraubt wurden. Und diese Frage sollten sich auch all jene stellen, die meinen, von dem noch mehr betrogen worden zu sein, was danach kam….. Lügen gibt es immer und in jedem System, entscheidend ist, welche Folgen sie nach sich ziehen.

Wer die großen Lügner der Geschichte sind, zeigt ein sehenswerter Beitrag des MDR vom 17.07.2016 – „Lenin, die Deutschen und der Zarenmord“

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution ein Treppenwitz der Geschichte oder eine der größten Propagandalügen der Kommunisten, die all zu gern von sich behaupten, die menschlichste aller Gesellschaften errichten zu wollen. Ein paar Tote auf dem Wege dahin, wen stört das schon? Nun gut, es starben möglicherweise einige, von denen man sagen könnte, sie hätten es nicht besser verdient…. Aber wer seine Hände mit dem Blut von unschuldigen Kindern befleckt, und dies in einer Zeit, als das politische Morden in den modernen bürgerlichen Gesellschaften bereits auf dem Index stand, hat auf ewig das Recht verwirkt, sich menschlich zu nennen. In einer Zeit, in der die Menschheit bereits darüber nachdachte, wie man solch verheerende Kriege wie den 1. Weltkrieg in Zukunft verhindern könnte, schuf Lenin mit einem seiner Hauptwerke „Staat und Revolution“ die theoretische Grundlage für den politischen, für den Staats-Terrorismus, und wer die Möglichkeit besitzt, in Gaddafis Grünem Buch nachzulesen, der muss nicht lange darüber nachdenken, worin eine von mehreren Grundlagen für den Terror liegt, der unser Leben gegenwärtig in den Würgegriff zu ziehen versucht.

Lesen Sie dazu auch die Einführung in meinen in Arbeit befindlichen Roman>>>>

Und erste Leseproben>>>

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1 Kommentar zu "Bekenntnisse einer Unbeirrten"

  1. Es tut gut wenn jemand hin und wieder auf die Verhältnisse in der Ex-DDR verweist, die Frau Honecker maßgeblich mit zu verantworten hatte. Einige der Interviews waren in einer Phönix-Dokumentation zu sehen, da lief mir stets ein kalter Schauer über den Rücken, wenn ich die Auffassungen dieser Frau hören musste.
    Herzliche Grüße aus Halle,
    G. S.

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