Auf dem Feininger-Radweg

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…durch das Weimarer Land

Radwege in Thüringen – Reportage – 23.August 2017

Wenn Sie jemals nach Erfurt kommen, bringen Sie Ihr Fahrrad mit. Nicht nur in Erfurt, auch im Umland gibt es auf sehr gut ausgebauten Radwegen eine Mange zu erkunden…

Lyonel Feininger

lyonel-feiningerGeboren am 17. Juli 1871 in New York, gehörte Feininger mit seinen Arbeiten am Bauhaus seit 1919 zu den bedeutendsten Künstlern der Klassischen Moderne. Er war seit 1909 Mitglied der Berliner Secession, einer Künstlergruppe, die heute von ihrem Stil her als Berliner Impressionismus bezeichnet wird und im deutschen Impressionismus eine herausragende Bedeutung einnimmt.
Bevor er mit 36 Jahren zur Malerei kam, war er als kommerzieller Karikaturist für diverse deutsche, französische und US-amerikanische Zeitungen und Zeitschriften tätig.
Bereits 1906 reiste Feininger das erste Mal nach Weimar und mietete sich dort ein Atelier. 1919 zur Gründung des Staatlichen Bauhauses wurde er als erster Bauhaus-Meister von Walter Gropius nach Weimar berufen. 1923 hielt sich Feininger in Erfurt auf.
Über mehrere Jahre besuchte er mit dem Rad oder zu Fuß die Umgebung von Weimar und legte Skizzen an, die er später zu seinen bekannten Kunstwerken verarbeitete. An einen Freund schrieb er:
„Die Dörfer, wohl über Hundert, in der Umgebung sind prachtvoll! Die Architektur (sie wissen ja, wie ich von der ausgehe!) ist mir gerade recht, so anregend, zum Teil so ungemein monumental! Es gibt Kirchen in gottverlassenen Nestern, die mit das Mystischste sind, was ich von sogenannten Kulturmenschen kenne!“
Nach Schließung des Weimarer Bauhauses im Jahre 1925 zog er 1926 nach Dessau und blieb bis 1932 Meister des dort neu gegründeten Bauhauses.
1930/ 31 arbeitete er in Halle und zog 1933 nach Berlin. Die Nazis rechneten seine Werke der „entarteten Kunst“ zu. Am 11. Juni 1937 verließ Feininger Deutschland und arbeitete in New York als Maler. Hier verstarb er am 13. Januar 1956.

Die Anfahrt zum Radweg

Der Radweg beginnt und endet in der Klassiker-Stadt Weimar, wo Lyonel Feininger lange Zeit tätig war. Will man mit dem Rad von Erfurt nach Weimar, dann gibt es zwei zu bevorzugende Möglichkeiten.
Die erste ist der Fernradweg Thüringer Städtekette, der von Eisenach kommend, über Erfurt, Weimar, Jena bis nach Altenburg führt. Den ersten Abschnitt von Eisenach nach Erfurt befuhren wir am 4. August 2016. Da ich ohnehin noch vor habe, den Radweg bis zu seinem Ende zu befahren, wähle ich eine andere Route, die im Übrigen sehr reizvoll ist. Für Radler, die den Radweg bereits mehrmals befuhren, bietet sich die gewählte Strecke durchaus als Alternativroute an, will man von Erfurt nach Weimar fahren. Es geht über die Ortsverbindungsstraßen von Obernissa über Sohnstedt, Nohra bis nach Niedergrunstedt.
Man verlässt in Azmannsdorf den Radweg und fährt über Linderbach zur B 7 in Richtung Weimar, dort bis zum Globus-Markt. Von da aus rechts abbiegen nach Büßleben (im Übersichtsplan grün dargestellt). In der Ortsmitte steht ein Wegweiser. Man hat die Möglichkeit über einen gut befahrbaren Wanderweg das Landschaftsschutzgebiet „Peterbach“ zu durchqueren, um dann über Rohda nach Obernissa und weiter nach Weimar zu gelangen.
Weil es August ist und die Pflaumen reif sind, wähle ich die zweite Variante. Die von Büßleben aus über die von mir selbst so benannte „Mirabellen-Avenue“ hoch nach Obernissa führt. Der Name rührt daher, dass es in Deutschland und ganz Mitteleuropa wohl keine Pflaumenart gibt, die hier nicht wächst. Es beginnt im Juli mit den Mirabellen und endet Anfang September mit den Zwetschgen.

Über die „Mirabellen Avenue“ oder einen daneben verlaufenden Feldweg erreichen wir nach etwa 2 Kilometern Obernissa. Warum die Straße, über die wir in den Ort gelangen, Eiskeller heißt, konnte ich leider nicht ergründen. Vielleicht wurde hier, wie in anderen Dörfern, früher einmal Bier gebraut und irgendwo da oben befand sich der Kühlkeller. Obernissa gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Grammetal. Kurz vor dem Ort verlassen wir das Stadtgebiet Erfurt und fahren in den Landkreis „Weimarer Land“ hinein. In Obernissa erreichen wir die Ortsverbindungsstraße, die uns, nach Verlassen des Dorfes, nach Sohnstedt führt.
Die Straße ist sehr schwach von Kraftfahrzeugen frequentiert, da etwa einen Kilometer nördlich parallel die B 7, und etwa einen weiteren Kilometer südlich die Autobahn A 4 verlaufen. Wir befinden uns auf dem Höhenrücken, der das Thüringer Becken an seiner Südseite begrenzt. Die ganze Strecke über hat man einen fantastischen Ausblick in das große Tal hinein, bis hinüber zu den nördlich verlaufenden Bergketten. Es war dunstig in den Vormittagsstunden, so dass das Fotografieren in die Ferne nicht möglich war.
Nach vier Kilometern erreichen wir Sohnstedt mit seiner, bereits vor der Wende beliebten Saunalandschaft „Pelto Bad“. Es gab früher gelegentlich Gerüchte über „geschlossene Gesellschaften“, die sich dort angeblich hin und wieder trafen, um diversen Neigungen in der Gruppe nachzugehen. Sicher nur Gerüchte…
Der nächste Ort ist Bechstedtstraß. Hier lohnt sich ein Abstecher zur historischen Bockwindmühle, die etwa einen Kilometer außerhalb des Ortes Richtung Weimar liegt. Wir fahren vorbei, da wir der Mühle bereits während des 24. Deutschen Mühlentages besuchten.
Über Isseroda gelangen wir nach Nohra. Einst größter Armeestandort der Russen in der Gegend, mit einem Hubschrauber-Stützpunkt und einem großen Kasernenkomplex. Nichts ist mehr davon zu sehen. Am Ortsausgang gibt es ein kleines, gemütliches Eiscafé, das aber noch geschlossen hatte. Ich hatte ich auf ein Eis gefreut.
Von Nohra aus geht es nach Obergrunstedt. Da die B 7 zwischen Nohra und Weimar gesperrt war, befuhren einige LKW die Straße. Es waren zum Glück nur knapp zwei Kilometer. Die Straße führt durch ein Waldstück. Erfrischend angesichts der inzwischen eingetretenen Erwärmung. Am Ortsausgang Obergrunstedt überqueren wir die Bahnstrecke von Kranichfeld nach Weimar. Im Hintergrund der Glockenturm der Gedenkstätte „Buchenwald“.

Der Feininger-Radweg

In Niedergrunstedt an der St. Mauritius – Kirche erreichen wir den Feininger-Radweg, der, von Weimar her kommend, weiter nach Gelmeroda führt. Der Radweg ist durchgehend asphaltiert (vor Vollersroda ein Stück Betonpiste) und somit sehr bequem befahrbar.
Vor der Kirche gibt es eine Tafel mit einem Gemälde der Kirche von Lyonel Feininger. Niedergrunstedt gehört seit der Gebietsreform 1994 zur Stadt Weimar und wurde Ende des 13. Jahrhunderts erstmalig urkundlich erwähnt. Bereits aus dem Jahre 1322 ist ein päpstlicher Erlass zum Bau einer Wallfahrtskirche bekannt
Über einen lang gezogenen Anstieg erreichen wir Gelmeroda mit der weithin bekannten Autobahnkirche. Letztere ist täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Gelmeroda gehört ebenfalls seit 1994 zu Weimar.

Auf dem Wege zur nächsten Station, Possendorf, verläuft der Radweg etwa einen Kilometer parallel zur B 85. Wir unterqueren die Autobahn A 4. Auf den zwei Kilometern bis Possendorf befahren wir die Ortsverbindungsstraße.
Das älteste Gebäude in Possendorf ist die Dorfkirche. Teile der Kirche stammen aus dem Jahre 1281. Lyonel Feininger fertigte in Possendorf mehrere Skizzen und Gemälde an. Possendorf wurde ebenfalls im Jahre 1994 der Stadt Weimar angeschlossen. Die Dorfbewohner scheinen eifrige Leseratten zu sein. Jedenfalls gibt es einen öffentlichen Bücherschrank. Da ich kein Buch zum Tausch dabei hatte und nicht weiß, wann ich jemals wieder nach Possendorf komme, bediente ich mich nicht.
Auf dem Wege nach Vollersroda verlassen wir das Stadtgebiet und kehren zurück in den Landkreis Weimarer Land. Der Radweg führt über eine Betonpiste. Der Ort wurde im Jahre 1262 urkundlich erwähnt. Die Dorfkirche von Vollersroda gehört zur Denkmalliste des Landkreises.

Auf einer Ortsverbindungsstraße geht es von Vollersroda steil abwärts hinein ins Tal der Ilm nach Buchfart. Es empfielt sich, vor Antritt der Fahrt die Bremsen zu überprüfen. Aufgrund der vielen Kurven und des ein wenig holprigen Granitpflasters sollte man lieber vorsichtig und nicht zu schnell fahren. In Buchfart erreichen wir den schönsten aller Radwege in Thüringen, den Ilmtal-Radweg. Den befuhren wir auf dem Abschnitt Kranichfeld nach Weimar bereits am 19. August 2015. Da Feininger- und Ilmtal-Radweg parallel verlaufen, verzichte ich hier auf eine nähere Beschreibung. Wenn sie Interesse haben, so können sie hier>>> alles nachlesen.
Lediglich Mellingen wenden wir uns noch einmal zu. Einige Sagen und Geschichten gab es ja bereits im Bericht über den Ilmtal-Radweg zu lesen. Für den Feininger-Radweg hingegen ist der Feininger-Turm in Mellingen von Bedeutung. Er steht am Rande eines nach der Wende errichteten Gewerbegebietes und wurde 1999 errichtet. Bei dem Turm handelt es sich um eine Kunstinstallation mit dem Namen „Doppeltes Motiv“ des Schweizer Architekten Marcel Kalberer, die die Malweise des Malers und Graphikers Lyonel Feininger nachempfinden soll. Vorbild war das Aquarell „Mellingen“, das den Kirchturm des Ortes zeigt. Es lohnt sich, in Mellingen ein wenig zu verweilen. Der Ort hat einiges zu bieten, nicht nur ein Wehr der Ilm.
Von Mellingen aus geht es zügig nach Weimar zurück. Wenn Sie mehr über das Wirken Lyonel Feiningers erfahren möchten, dann statten Sie doch dem Bauhaus-Museum einen Besuch ab. Es liegt direkt gegenüber vom Deutschen Nationaltheater.
Nicht am Feininger-Radweg liegt Zottelstedt. An diesem Ort wirkte Lionel Feininger ebenfalls. Durch Zottelstedt fuhren wir auf dem Ilmtal-Radweg von der Saale-Quelle nach Weimar. Wenn es Sie interessiert, dann erfahren Sie hier mehr>>>

Auf dem Fernradweg Thüringer Städtekette geht es zurück nach Erfurt. Zu diesem Radweg später mehr. Einen Bericht zum ersten Abschnitt von Eisenach bis Erfurt können Sie hier nachlesen>>>


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